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Roosevelt Roosevelt


City Slang/Universal

Köln, Berlin und wieder Köln. Zuletzt Barcelona, Porto und in ein paar Tagen Tisvilde auf der dänischen Insel Seeland. Marius Lauber kommt viel herum, Ortsmarken bedeuten ihm dennoch nicht viel. Als Kind der MySpace-Generation hat der 25-Jährige Musik als Gabe des guten Gottes der digitalen Sphären kennengelernt, auf seinem Debütalbum greift er zurück in Raum und Zeit und katapultiert Pop und Elektronik in ordentlich gepolsterte Club-Séparées. Das ist dann der globale Ort zum Wohlfühlen, die Dance-Beats sind noch vernehmbar, aber sie bleiben verhalten, auch die Wehmut tut gut, sie erinnert an das Gefühl, das man hat, wenn man zurückschaut auf den zügellosen Hedonismus der Techno-Jahre. Das war einmal, und das muss hier und jetzt nicht mehr sein.

Vielleicht ist ROOSEVELT, das Debüt des Musikers mit dem Künstlernamen Roosevelt, gerade einmal die beste Platte, die die Pet Shop Boys einfach nicht gemacht haben. „You’re moving on, you decided to go on your own“, singt Lauber mit dieser leicht gelangweilten Stimme, und „Moving On“ gehört zu den besonders fein justierten Arbeiten des Multiinstrumentalisten. Wie er Dance-Pop und 80er-Jahre-AOR nach US-Bauart verschraubt hat, das ist wirklich große Klasse. Wie jeder dieser Elektro-Songs zahlreiche Male überarbeitet, revidiert, neu justiert und nach anderthalb Jahren finalisiert wurde.

Es gibt Referenzen an The Human League, Disco-Pop und den Hercules-&-Love-Affair-Sound aus der „Blind“-Phase („Colours“), aber den Geschmack von Retro lassen Roosevelt und Produzent Chris Coady nie aufkommen. Und ziemlich hinten auf dem Album spielt Lauber kurz eine Indie-Gitarrenschrammel-Sequenz ein, bevor er sich ganz gepflegt aufs Yacht-Rock-Deck legt. Dort dreht sich luxuriöserweise die Discokugel, bei helllichtem Tage.

Kooperation

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