Suede The Blue Hour


Warner

von

Ihr 2013er Comebackalbum BLOODSPORTS war der gelungene Versuch, einen geraderen Schlussstrich unter ihre Karriere zu setzen als mit dem windschiefen A NEW MORNING 2002. Der künstlerische wie kommerzielle Erfolg der poppigen Platte führte zum groß angelegten Nachfolger NIGHT THOUGHTS, mit dem die Band 2016 die Fans ansprach, die sich seit 22 Jahren einen Nachfolger zum dramatischen Meisterwerk DOG MAN STAR wünschten. Ausgerechnet diese „schwierige“ Platte geriet mit Platz sechs in den UK-Charts zum größten Suede-Hit seit 17 Jahren und fand sich in zahlreichen Jahresbestenlisten wieder.

Motivation genug, um die Rückkehr-Trilogie nun noch gewagter abzuschließen: Ihr achtes Album THE BLUE HOUR ist definitiv das experimentellste im Katalog der Band. Angsterfüllte Zitate verbinden die 14 Songs, mit „Roadkill“ findet sich eine Spoken-Word-Performance, die später im Interlude „Dead Bird“ aufgegriffen wird. Die Prager Philharmoniker streichen die Stücke in Höhen, bei denen nur Hardcore-Jüngern der Gruppe nicht schwindelig wird. Das Urteil vieler anderer dürfte lauten: „Schwulst!“ – als Nomen und nicht als Superlativ früherer Unterstellungen gemeint. Eingängige Rocker wie „Wastelands“ oder „Don’t Be Afraid If Nobody Loves You“ sind Randerscheinungen und werden entsprechend behandelt: Die Leadsingle ist das fragile und durch weitgehenden Verzicht auf Drums radiounfreundliche „The Invisibles“, eröffnet wird die Platte mit der düster-hysterischen, also düsterischen Choralmusik „As One“, wie in einer verwitterten Kirche am Rande eines Felsvorsprungs über dem Ärmelkanal aufgenommen.

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In den 90ern wäre dieses vielschichtige Album, das parallel mit Brett Andersons Autobiografie „Coal Black Mornings“ entstanden ist, tausendfach interpretiert, die Sprachfetzen analytisch zerlegt worden. Heute werden sich nur noch superloyale Suedemaniacs ihre Köpfe hinter den schütter gewordenen Seitenscheiteln zerbrechen. Aber immerhin haben die jetzt was zu tun!

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