Yo La Tengo Stuff Like That There


Matador/Beggars VÖ: 28.08.2015

von

Die Reduktion der Indie-Rock-Band Yo La Tengo gelang schon einmal im Jahr 1990: FAKEBOOK war das Album, mit dem viele Menschen in Europa überhaupt erst auf die Band aufmerksam wurden – und gleichzeitig auch auf Acts wie Daniel Johnston und die Flamin’ Groovies, die Yo La Tengo auf diesem akustisch belassenen Album coverten.

25 Jahre später schenken Yo La Tengo dem Konzept eine Fortsetzung. Sogar Dave Schramm, der alte E-Gitarrist, ist wieder mit dabei. FAKEBOOK besaß damals tatsächlich eine große Relevanz. Die Indie-Welt war nur einen Bruchteil so gut informiert wie heute, die Retromania noch kein Thema, die 1990er versprachen weiteren Fortschritt. Und natürlich gab es das Massen-Internet noch nicht, viele kannten Yo La Tengo und die Bands, die sie für das Projekt nachspielten, zuvor von Mailorder-Katalogen und Magazinbeiträgen.

2015 ist das anders, die ganze Welt der Musik lagert in Clouds. Doch Yo La Tengo überraschen auch die Bestinformierten. Es gibt zwei neue und drei neu eingespielte Songs, das freut die Fans. Als Hingucker interpretiert die Gruppe zwei Klassiker, „Friday I’m In Love“ von The Cure und „I’m So Lonesome I Could Cry“ von Hank Williams. Und dann führen Yo La Tengo tief hinein in das Archiv der amerikanischen Musik. Die Soul-Ballade „My Heart’s Not In“ der Cookies-Sängerin Darlene McCrea ist ein kaum bekanntes Juwel der 60er-Jahre, die lokalen Psychedelic-Kollegen The Special Pillow aus Hoboken und die 80s-Wave-Punk-Country-Band The Great Plains sind hierzulande so bekannt wie der Geschmack gegrillter Grashüpfer. Und plötzlich ist es wie 1990: Man hört Yo La Tengo – und taucht ein in eine Welt, in der die Quelle guter Songs niemals versiegt.


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