Yungblud 21st Century Liability


Universal 

Die jungen Engländer sind sauer. Sie spielen wieder in wütenden Gruppen wie Shame und Cabbages, formieren sich in trotzigen Subszenen wie im Süden Londons. Auch gibt es wieder die Einzelkämpfer, die seit je den britischen Pop geprägt haben.

­Mike Skinner erschuf mit den Streets den Sound der Nullerjahre: Das Leben war scheiße, aber die Welt irgendwie in Ordnung – nur dass man das nicht merkte, weil die Drogen so billig waren. Auch Jamie T. begann mit dieser Perspektive, in den Zehner­jahren erfand er sich als politisierte Einmann­protestgruppe neu. Yungblud knüpft hier an: Dominic Harrison ist 20, stammt aus Yorkshire, lebt in London, seine Musik klingt wie ein Spaziergang im neuen Londoner East End, wo aus einem Foodtruck Reggae, Ska und The Clash plärren, während der Pop-up-Store nebenan seine überteuerten Shirts mit Straight-Pop zu verkaufen versucht und die Touristen mit Vinyl-­Reissues von Punkrock-, Songwriter- und Soul-Platten durch die Straßen irren.

Dieses urbane Nebeneinander kann nerven, weil es keine Bezüge mehr hat, weil alles zum ­Style verkommt. Yungblud aber bietet nicht nur diesen Sound, sondern auch Inhalte, erzählt vom Widerstand der Jugend, von Pillen, Substanzen, Gewalt und Sexismus. „Polygraph Eyes“ handelt von einem Mädchen, total betrunken, willenlos, das von einem Typen abgeschleppt wird. Yungblud redet diesem ins Gewissen: Dieses Mädchen kann nicht mehr laufen, nicht mehr reden, also stell du dir bitte jetzt die Frage, ob sie auch dann mit dir mitgehen würde, wenn sie nüchtern wäre. Und? „Leave it ­alone, mate!“

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