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Meinung

Sitcom meets Sexismus: Wie legendär ist „How I Met Your Mother“ 15 Jahre später wirklich?

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Am 18. September 2005 feierte die Dramedy-Serie „How I Met Your Mother“ bei CBS Premiere. Das erscheint ewig lange her – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Show erst im Jahr 2014 zu einem (grauenhaften) Ende fand. Als Geburtsjahrgang 1997 bin ich zwar knapp an dem Status eines Millenials vorbeigeschlittert, dennoch war HIMYM für mich das, was für die Generation vor mir „Friends“ war: eine Wohlfühloase, in der ich mich treiben lassen und von den angenehm belanglosen Anekdoten von Ted, Marshall, Lily, Barney und Robin berieseln lassen konnte. Der Wunsch des etwaigen Jungbleibens, das die Gang jeden Tag in die Bar „McLarens“ trieb, konnte ich als Teenager gut nachvollziehen. Mehr noch: Es war mein Ort des Rückzugs, wenn mir das Erwachsenwerden zu schnell ging. Nun wird die Serie schon fünfzehn Jahre alt und es stellt sich die Frage: Kann „How I Met Your Mother“ dem Test der Zeit standhalten? Oder ist die Show – wie Barney sagen würde – nicht mehr wirklich legendär?

Die erste Staffel von „How I Met Your Mother“ beginnt im Jahr 2030, wo Ted Mosby (Josh Radnor) seinen Kindern Penny und Luke die Geschichte erzählt, wie er ihre Mutter kennengelernt hat. Flashback ins Jahr 2005: Ted wohnt mit seinem besten Freund Marshall Eriksen (Jason Segel) in einem Appartement in New York, wo die beiden die meiste Zeit mit Marshalls Langzeitfreundin Lily Aldrin (Alyson Hannigan) und Barney Stinson (Neil Patrick Harris), einem notorischen Womanizer, in der Bar unter ihrer Wohnung abhängen. Als sich Lily und Marshall verloben, macht sich Ted unweigerlich selbst über seine Zukunft Gedanken – und verliebt sich Hals über Kopf in die kanadische Fernsehreporterin Robin Scherbatzky (Cobie Smulders), die er im „McLarens“ kennenlernt.

Da anfangen, wo „Friends“ aufhörte

Was die erste Staffel von HIMYM suggerierte: Wir fangen da an, wo „Friends“ aufgehört hatte. Die Vorstellung davon, Freunde zur Familie emporzuheben, das tägliche Abhängen in der Bar – diese Prämisse war längst nichts Neues mehr. Was die Show allerdings von anderen Serien abhob, waren die Vielzahl von technischen Innovationen, die spätere Sitcoms nachhaltig geprägt haben. So trafen Showrunner Craig Thomas und Carter Bays damals die gewagte Entscheidung, Rückblenden zu einem integralen Bestandteil der Show zu machen – gewagt insofern, als dass „How I Met Your Mother“ stilistisch traditionell mit Multi-Cams gefilmt wurde. Anstatt jedoch vor einem Live-Publikum zu drehen, wurden die Aufnahmen in einem Studio aufgenommen und später mit Lachkonserven aus Episodenvorführungen ergänzt. Dies gab der Serie freie Hand, zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her zu wechseln – das Resultat war eine neue Form von Sitcom-Humor, der sich aus Überraschungsmomenten und schnellen Szenenwechseln zusammensetzte.

Ted Mosby ist ein übergriffiger Narzisst

Über neun Staffeln hinweg konnten die Zuschauer*innen Ted dabei verfolgen, wie er Beziehungen beginnt und beendet, Karrierehochs und -Tiefs erlebt – und nie dabei aufgibt, die Liebe seines Lebens zu finden. Ein neuer Blick auf die Show aus heutiger Sicht macht jedoch klar: Ted ist nicht der sensible, sympathische Romantiker, als den man ihn abgespeichert hatte. Er ist in „How I Met Your Mother“ nicht nur der Hauptprotagonist – er behält auch durchgehend das Narrativ, weil er seine Lebensgeschichte aus der eigenen Perspektive erzählt. Die Idee, dass Ted für seine Kinder alte Anekdoten auspackt, bietet grundsätzlich viel Comedypotential, da er ein sehr unzuverlässiger Erzähler ist: Einmal erinnert sich Ted nicht mehr an Namen einer ehemaligen Verflossenen, sodass besagte Dame eine ganze Folge bloß „Blah-Blah“ genannt wird, ein anderes Mal verwechselt er das Jahr oder ordnet Geschichten in den falschen Kontext ein.



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