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Spießigkeit als Midlife-Crisis: Warum ist Deutschrap so wütend auf Serviceleistungen?

Der Deutschrapper Manuellesen setzte sich Ende 2018 in einem Interview mit Hiphop.de noch gegen die Spießigkeit seiner Nachbarn ein und zeigte deren negative Eigenschaften auf. Der Ärger über unerlaubtes Parken und schwere Schritte im Wohnzimmer war ihm zu dieser Zeit noch unerklärlich. Doch das Spießertum scheint ihm deutlich näher zu sein als er glaubt. Dafür sorgen diverse Rapper-Kollegen in der letzten Zeit nämlich selber.

Wo früher noch Ansagen und Disstracks gegen rivalisierende Rapper verteilt wurden, wird sich heute großspurig in Sozialen Netzen über die unterschiedlichsten Serviceleistungen in Deutschland beklagt.

Das jüngste Beispiel: Der, neben Fler vs. Bonez MC, wohl spannendste Kampf im Deutschrap momentan – Farid Bang vs. Eurowings.

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Farid Bang vs. Eurowings

Aber was ist passiert? Farid Bang plante einen unbeschwerten Aufenthalt auf Ibiza und kommt völlig sorglos am Schalter von Eurowings am Düsseldorfer Flughafen an – jedoch zwei Minuten zu spät. Danach überschlagen sich die Ereignisse: Ohne dass er auch nur einmal vom Flugpersonal aufgerufen wurde, wird er nicht mehr in den Flieger gelassen. Farid wittert hier aber schon eine kleine Verschwörung und beginnt Nachforschungen anzustellen. Wie er später herausfindet, war der Flug überbucht – er hätte seinen Flug also so oder so nicht antreten können. Den Fauxpas der Überbuchung wollte Eurowings nun aber Farid Bang in die Schuhe schieben.

All das war Grund genug um einen wütenden Facebook-Post zu verfassen:

Um der gesamten „Causa Eurowings“ noch die Krone aufzusetzen, vermisst Farid Bang nun auch noch einen seiner Koffer. Auch dies stößt dem Düsseldorfer sauer auf, da „per Gesetz keine Fluggesellschaft einen herrenlosen Koffer befördern darf.“ Einige Tage später schien seine Welt aber wieder im Gleichgewicht zu sein: Da postete er nämlich ein Video, in welchem er in einem Privat-Jet mit Geldscheinen posierte. Die Frage, warum er überhaupt – trotz mehrfacher Nummer-1–Alben – Eurowings fliegen musste, bleibt ungeklärt.

Als Deutschrap-Vorkämpfer gegen das deutsche Beamtentum ist Bushido gar nicht mehr wegzudenken. Sowohl die Telekom als auch die Deutsche Post bekam seinen gebündelten Zorn zu spüren.

Bushido vs. Telekom

Mitte 2016 fing alles an, als er sich auf einen längeren Streit mit der Telekom einließ. Grund dafür sei die gebündelte Inkompetenz des Internetanbieters. Über mehrere Instagram- und Facebookposts regte sich der Berliner Rapper über die Telekom auf.

Auf die Social-Media-Attacke folgte wenig später auch direkt noch eine Videobotschaft von Bushido, direkt aus Thun in der Schweiz. Dort arbeitete er den gesamten Konflikt noch einmal auf. Ihm ginge es wohl darum, dass er seit Monaten versuche, einen Internet-Anschluss in seiner Villa zu bekommen, aber die Telekom dazu nicht in der Lage sei. Sie würden sich sogar herausreden und Notlügen erfinden, wie die Behauptung, sie wären bereits vor Ort gewesen. In Wahrheit waren sie es aber nie. „Anscheinend haben die irgendwie Paranoia bei mir und Arafat vorbei zu kommen“, so Bushidos Einschätzung der Lage.

Zudem kündigte er an, Ende des Jahres auch seinen Handyvertrag mit der Telekom zu beenden und nie wieder Kunde bei ihnen zu sein. Die Trennung erreichte zwischenzeitlich eine Dramatik wie die von Bushido und Kay One.

Bushido vs. DHL

Anfang 2017 bahnte sich dann der nächste handfeste Streit an. Dieses Mal betraf es die Deutsche Post, genauer gesagt eine Filiale in Berlin. Der Originaltweet von Bushido lautete damals: „In der Postfiliale Hindenburgdamm 1, 12203 Berlin herrschen unfassbare Zustände. Service und Freundlichkeit liegen im Minusbereich!!!“ Das Problem lag darin, dass sich die DHL wohl nun schon seit geraumer Zeit weigere, ihm Pakete zuzustellen und ihm stattdessen immer nur einen Zettel in den Briefkasten werfen würde, auf welchem stehe, er könne sein Paket in der Filiale abholen. Gesagt, getan: Jedoch nicht in der Servicewüste Deutschland. Bushido wurde von der, sowieso schon sehr schlecht gelaunten, Mitarbeiterin darauf hingewiesen, dass sein Paket nicht da sei. Dabei hatte Bushido extra zwei Tage zwischen Beginn der Abholung und der tatsächlichen Abholung ins Land ziehen lassen.

Die Unauffindbarkeit seines Paketes und die unfreundliche Bedienung veranlassten ihn später zuo ben zitierten, in der Zwischenzeit leider gelöschten Tweet. Daraufhin folgte ein, in der Tat fragwürdiger und viel zu stigmatisierter, Disstrack des Youtube-Satire-Kanals Bohemian Browser Ballett. Dies wiederum veranlasste den Berliner Rapper noch einmal ein Video-Statement aufzunehmen. Ab Minute 16:40 findet Ihr sein ausführliches Statement:

Bushido vs. Air Berlin

Mitte 2017 folgte dann auch schon die nächste Beschwerde Bushidos. Dieses Mal betraf es, ähnlich wie im aktuellen Fall Farid Bangs, eine Fluggesellschaft: Air Berlin. Von München nach Berlin hatte sich Bushido auf einen entspannten Flug mit der, inzwischen insolventen, Fluggesellschaft gefreut. Aber dieser Freude folgte ein harter Dämpfer. An diesem Tag kommt es bei Air Berlin zu drastischen Verspätungen und Ausfällen. Worst-Case-Szenario für Bushido: Er und seine Begleitungen werden umgebucht auf eine Maschine von Alitalia. Der Service und Komfort lassen hier stark zu wünschen übrig. „Ab jetzt nie wieder Air Berlin. Ihr seid für mich gestorben. Alitalia ist eh schon pleite, können sie auch ruhig pleite sein“. Wie recht er damit hatte, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

 

Haftbefehl vs. Jahn Reisen

Anfang 2018 reihte sich ein weiterer Rapper in den Krieg Deutschrap vs. Serviceleistungen ein: Haftbefehl. Dieser buchte sich einen Urlaub über den Reiseanbieter Jahn Reisen und musste eine herbe Enttäuschung erleben. Einen Tag bevor es in den Urlaub losgehen sollte, erfuhr er, dass er ein 4- anstelle eines 5-Sterne-Hotels bekommen sollte. Er konnte die Reise daraufhin nicht stornieren. Ob er eine Reiserücktrittsversicherung mit dazu gebucht hatte, ist nicht bekannt.

Auch er machte via Facebook seinem Ärger Luft und legte allen seinen Fans nahe, keine Urlaube bei diesem Reiseveranstalter zu buchen:

MC Bomber vs. Restaurant

Aber nicht nur alteingesessene Rapper legen sich mit Serviceleistungen an und lassen hier und da den Spießer raushängen. Der Berliner Untergrundrapper MC Bomber, der erst seit 2013 Musik veröffentlicht, beschwerte sich Anfang Juni 2019 bei Instagram über ein Restaurant, welches in seinen Augen nicht den Namen verdient hat. Das Preis-Leistungs-Verhältnis, welches stark zu wünschen übrig ließ, veranlasste Bomber zu einem wütenden Post.

Aber warum ist Deutschrap so sauer auf Serviceleistungen in Deutschland?

Große Themen für die Rapper scheinen vor allem Reisen und Urlaub zu sein. Eigentlich bleibt jedoch kein Dienstleistungssektor vom Zorn der pöbelnden Rap-Spießigkeit verschont. Die Vermutung liegt nahe, dass Rapper, die sich vor zehn Jahren noch dadurch auszeichneten, wütend auf die Gesellschaft und andere Rapper zu sein, nun in einem familiären und privaten Umfeld angekommen sind, in welchem es normal ist, sich über spießbürgerliche Dinge aufzuregen. Was früher die Polizei war, ist heute die DHL. Wo man sich früher noch mit rivalisierenden Grafitti-Crews schlagen musste, muss man sich heute mit mutmaßlich ungenießbarem Essen im Restaurant herumstreiten.

Aber warum genau sind die Menschen, die sich sonst in ihren Texten damit brüsten, für nichts Zeit zu haben, auf einem Berg von Geld zu sitzen und ihnen eigentlich alles egal ist, auf solche kleinen spießbürgerlichen Dinge sauer? „Ich lös Staatsaffären aus mit meinem Namedropping“, rappte Bushido 2016. Aber wie kann er dann nicht in der Lage sein, einen Konflikt mit der Telekom zu lösen, sondern sieht sich gezwungen, sie medial fertig zu machen?

Die Ironie, dass Rapper, die sich auf der einen Seite als übermächtig präsentieren, aber auf der anderen Seite an ganz normalen Dingen, wie dem Postschalter, scheitern, ist kaum zu übersehen und hat deswegen einen so hohen Unterhaltungsfaktor. Die eigene Ausschlachtung der Unzufriedenheit mit den einfachen Dingen des Lebens trägt auch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit einiger Künstler bei.

Falls wir uns das nächste Mal fragen, wie viele Pakete Kokain Haftbefehl gerade wieder verschiebt, spielt er wahrscheinlich entweder gerade mit Bushido „World of Warcraft“, bucht einen Urlaub ohne Reiserücktrittsversicherung  – oder ist zu beschäftigt mit der Pflege seines Vorgartens.

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