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Nachbericht und Fotos

„Viva la Vulva“: Das Melt Festival 2018 feierte die Vielfalt

Zugegeben: Das Melt Festival assoziieren die meisten wahrscheinlich nicht gerade mit queerer Subkultur und politischem Bildungsauftrag. In seiner 21. Ausgabe hat sich das Festival in der „Stadt aus Eisen“ Ferropolis längst als professionelle Marke und durchkommerzialisiertes Großevent etabliert und zieht neben passionierten Musikliebhaber*innen eben auch prollige Easyjet-Raver*innen an, die einfach nur drei Tage auf Keta am Sleepless-Floor abhotten wollen.

Umso erfreulicher, dass das Melt seinen 20.000 vorwiegend weißen Hetero-Besucher*innen ein ziemlich diverses Line-up anbot und die Headliner*innen zur Peaktime fast ausschließlich mit Frauen und Queers besetzte. Den Start machten Florence and the Machine am Freitagabend auf der Hauptbühne mit einer Performance, die eigentlich schon nicht mehr zu toppen war.

Der Auftakt von Florence and the Machine war eigentlich kaum zu toppen
Der Auftakt von Florence and the Machine war eigentlich kaum zu toppen

Barfuß, im wallendem Satinkleid fegte Florence Welch wie ein Derwisch durch den Bühnengraben, schloss die verdutzten männlichen Fans in der ersten Reihe zu „What Kind of Man?“ in ihre Arme und würdigte in einer rührenden Ansprache ihr Idol Patti Smith. Wie eine moderne Liberté in Delacroix’ „Die Freiheit führt das Volk“ thronte Florence schließlich mit wehender Regenbogenfahne über der Menge und sendete ein deutliches Signal: Homophobie und Intoleranz haben hier nichts verloren.

„Don’t play stupid, don’t play dumb, Vagina’s where you’re really from“

Zwischen zwei weiteren Powerfrauen* musste man sich am Samstagabend entscheiden. Während die niederländisch-iranische Sevdaliza am Strand zu ihrem erotisch aufgeladenen Future R’n’B-Sound verkündete „I am no gender“, startete auf der Hauptbühne eine spektakuläre Dragshow. Gemeinsam mit etwa zehn Tänzer*innen heizte die Berliner Dragqueen Pansy der Menge ein. Als Vulvas verkleidet performten sie unter anderem Pussy Riots Hymne „Straight Outta Vagina“.

Mit ihren Vulva-Kostümen waren sie nicht alleine: Auf dem Campingplatz gab es ein Menstruationszelt der Kreativagentur goalgirls, die mit ihrer Kampagne „Viva la Vulva“ ein Zeichen gegen Stigmatisierung und Shaming der Periode setzen wollen. Neben Gratistampons und Bloody Mary konnte man dort Vulva-Schlüsselanhänger basteln und sich von einem Mann im Vulva-Kostüm über Menstruation aufklären lassen.

Stephan Flad


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