WM-Tipps: 32 Filme aus allen an der WM 2018 teilnehmenden Ländern

Natürlich sind in den kommenden vier Wochen alle Augen auf ARD und ZDF, auf Fußball und Vorberichterstattung gerichtet. Wer die spielfreie Zeit aber zur kulturellen Weltreise in die 32 WM-Länder nutzen möchte, findet anbei einen Leitfaden mit Filmtipps zu jedem teilnehmenden Land der Weltmeisterschaft. Zum Glück wurde mit „Das Mädchen Wadjda“ 2012 der allererste Film in Saudi-Arabien gedreht (und das noch von einer Frau!), sonst wäre die folgende Liste unmöglich zu komplettieren gewesen.

Ägypten – „Asmaa“

AIDS-Drama um eine junge Frau, die um ein geregeltes Leben in einer Gesellschaft ringt, in der das Dasein als Frau sowieso nicht das einfachste ist. Sie nähert sich anderen Betroffenen und schöpft neue Hoffnung. Passables Drama, das gut in den Alltag des Landes blicken lässt.

Argentinien – „In ihren Augen“

In den 70ern wurde in Buenos Aires ein Mädchen vergewaltigt und ermordet, Jahre später treffen sich ein Ermittler (Benjamin) und eine Richterin (Irene). Beide arbeiteten damals gemeinsam an dem Fall, Benjamin möchte nun ein Buch über die ungeklärte Geschichten schreiben. Er macht neue Entdeckungen und verstrickt sich dazu in eine Affäre mit Irene. Für die Geschichte gab es 2010 den Auslands-Oscar.

Australien – „Long Walk Home“

1931: Drei vom Staat in ein Heim gebrachte Minderjährige fliehen ins Outback. Sie sind sogenannte Mischlingskinder, zur Hälfte Aborigines, und wurden per Zwang von ihrer Familie getrennt – der Staat will die Rassen reinhalten. Die Kinder fliehen also aus der Isolation, wollen zurück zu ihrer Mutter und folgen dabei dem unendlich lang erscheinenden Kaninchenzaun, den Australien gegen die Überpopulation der Hüpfer gebaut hat. Ein Film, der tief in die rassistische Geschichte Australiens blicken lässt und zugleich als emotionales Roadmovie funktioniert.

Belgien – „The Broken Circle“

https://www.youtube.com/watch?v=raaHRyBtIEo

Elise und Didier könnten unterschiedlicher nicht sein. Und dennoch ist es Liebe auf den ersten Blick. Er redet viel, sie hört gern zu. Sie hat einen eigenen Tattooshop, er spielt Banjo in einer Band. Als ihre kleine Tochter Maybelle geboren wird, scheint alles perfekt zu sein – bis Maybelle ernsthaft krank wird. Fantastische Musik und tieftraurige Szenen, die durch das glaubwürdige Liebespaar besonders gut funktionieren.

Brasilien – „City of God“

„City of God“

Ein Film, den jeder Filmliebhaber sowieso gesehen haben muss. Hier wird über ein Jahrzehnt nacherzählt, wie junge Brasilianer in einen Strudel aus Gewalt und Bandenkriegen geraten. Kinder töten Kinder, die Polizei sieht zu. Einer der besten Filme aller Zeiten.

Costa Rica – „El Camino“

Szene aus „El Camino“.

Lief vor ein paar Jahren bei der Berlinale und erzählt die Geschichte von zwei Kindern, die nach Costa Rica reisen, um dort nach ihrer Mutter zu suchen. Die Geschwister verlieren sich aus den Augen, erleben zwei unterschiedliche Trips, bei denen sie staunend auf Vulkane, den Dschungel und die Gesellschaft des Landes blicken. Ein sehr guter Film, um einen schnellen Eindruck vom Land zu gewinnen.

Dänemark – „Die Jagd“

https://www.youtube.com/watch?v=KfMyYyhRYjs

Mads Mikkelsen spielt einen Mann, der unrechtmäßig der sexuellen Belästigung eines Kindes beschuldigt wird. Eine ganze Kleinstadt stellt sich gegen ihn, greift ihn sogar körperlich an. Ein zutiefst frustrierender Film, in dem Erlösung für einige Beteiligte zu spät kommt.

Deutschland – „Victoria“

https://www.youtube.com/watch?v=cqU34sjIlSY

Der Film fängt zwar nicht das Deutschland des aktuellen Jahrzehnts ein, aber immerhin sehr viel vom Berlin der Gegenwart. Sebastian Schipper hat das vermeintlich Unmögliche geschafft und 90 Minuten am Stück gedreht, ohne auch nur einen Schnitt zu benutzen. Einer der besten Filme aller Zeiten.

England – „Bube, Dame, König, grAS“

https://www.youtube.com/watch?v=1gR3ybabDHY

Der Stern von Guy Ritchie geht zwar mittlerweile unter, mit „Bube, Dame…“ hat er Ende der 90er aber ein kleines Meisterwerk abgeliefert. Unter den Darstellern: Sting, Vinnie Jones und Jason Statham als Schauspiel-Newcomer. Unfassbar unterhaltsame Gangsterkömödie mit coolem Soundtrack und rauer Optik.

Frankreich – „Liebe“

https://www.youtube.com/watch?v=CZUJ-4889fs

Hat zwar einen Regisseur aus Österreich, spielt aber in Paris und hat französische Darsteller. Und dazu den Auslands-Oscar 2013 mehr als verdient gewonnen. Zwei Rentner sind gefangen in der eigenen Wohnung, das Ehepaar wird sich durch den bevorstehenden Tod der Frau bald trennen. „Liebe“ zeigt die letzten Wochen dieser Ehe, ruhig und klug und tieftraurig.

Iran – „Nader und Simin“

https://www.youtube.com/watch?v=58Onuy5USTc

Dieses Drama über den Alltag in Teheran ist nur einer von vielen preisverdächtigen und preisgekrönten Filmen, die in den vergangenen 20 Jahren aus dem Iran kamen. Ein Paar will sich scheiden lassen, obwohl es sich eigentlich liebt. Das Problem ist die Zukunft der Familie: Die Mutter will mit der Tochter das Land verlassen, doch der Vater will im Iran bleiben, um sich um den kranken Vater zu kümmern. Aus diesem Patt entspinnt sich ein lebensnahes Drama, in dem der aktuelle Zustand des Landes hervorragend porträtiert wird. Dafür gab es übrigens auch einen Oscar – und einen Goldenen Bären.

Island – „101 Reykjavík“

Liebeskomödie in der Hauptstadt des kleinen Landes. Es geht um Hlynur, der noch bei seiner Mutter wohnt, viel vorm Rechner rumhängt und dann irgendwann unerwartet eine lesbische Tanzlehrerin seiner Mutter flachlegt. Witziger Film, der zeigt, dass man im vermeintlichen Paradies Island eben auch ziemlich allein sein kann.

Japan – „Love Exposure“

https://www.youtube.com/watch?v=ExUp6EywQhw

Der junge Japaner Yu möchte seinen streng katholischen Vater beeindrucken und ihm Sünden beichten. Dumm nur: Yu ist ein braver Langweiler. Die Lösung des Problems ist das Fotografieren von Schlüpfern in den Straßen Tokios. Als perverser Ninja springt er durch die Stadt und entwickelt neue Techniken, um Frauen unter die Röcke zu schauen. Als er in einen Kampf gerät, rettet ihn Yoko – es entsteht eine bizarre Liebe. Die Figuren in „Love Exposure“ landen irgendwann in einer musikalischen Psychosekte, dazwischen wird maximal blutig ein Penis abgeschnitten und viel in Tokio rumgelungert. Ein Meisterwerk ist der Film dennoch, weil Regisseur Sion Sono hier Facetten der Liebe beleuchtet, die es nur selten auf die Leinwand schaffen. Achso: Der Film geht vier Stunden und liegt sogar komplett auf YouTube bereit.

Kolumbien – „Maria voll der Gnade“

https://www.youtube.com/watch?v=afhNync9A6A

Regie führte hier zwar ein Amerikaner, der Film ist aber trotzdem kolumbianisch. Die 17-jährige Maria arbeitet in einer Blumenfabrik und ist nicht wahnsinnig zufrieden mit ihrem Leben. Dann lässt sie sich dazu bequatschen, Drogen in die USA zu schmuggeln. In ihrem Magen transportiert sie Kokain in die USA…

Kroatien – „The Living and the Dead“

Szene aus „The Living and the Dead“.

Serbische und kroatische Militäreinheiten belauern sich im Bosnien des Jahres 1993. Es herrscht Krieg und Terror, die Soldaten sinnieren über Sinn und Unsinn des Konflikts und erinnern sich an ihre Großväter, die 50 Jahre zuvor ein ähnliches Schicksal erlitten. Die Parallelen zwischen zwei Konflikten erklären das Spannungsfeld Balkan hervorragend, raue Szenen schockieren obendrein.

Marokko – „Horses of God“

https://www.youtube.com/watch?v=k_rq6GBSdLU

Drei Männer leben in den Slums von Casablanca, umringt von Armut und Gewalt. Eine muslimische Gemeinschaft scheint den jungen Männern halt zu geben, bis sie sich radikalisieren. Wird einer der jungen Männer einen Terroranschlag im Namen des Glaubens durchführen? Die Antwort ist leider bekannt, da der Film auf die Anschläge in Casablanca 2003 eingeht.

Mexiko – „Biutiful“

https://www.youtube.com/watch?v=3WzJcwGA6YM

Spielt zwar in Barcelona, ist aber trotzdem dem genialen Kopf des Mexikaners Alejandro González Iñárritu gewachsen. Er schickt Javier Bardem ins Leid der Unterschicht, lässt ihn als Kleinkriminellen Geld für seine Kinder auftreiben, an Krebs erkranken und dazu noch mit Toten sprechen. Eine Naturgewalt von Drama.

Nigeria – „The Mirror Boy“

Der Titel klingt super, dennoch haben wir „The Mirror Boy“ nicht gesehen. Warum er trotzdem in dieser Liste ist? Weil er komplett auf YouTube rumliegt und ihr nicht schneller an einen nigerianischen Film kommt. Der „Mirror Boy“ ist ein Bengel, der in London im Alter von 12 Jahren eine Schlägerei angefangen hat und nach Afrika geschickt wird, um dort erzogen zu werden. Ab diesem Moment wird Road Trip mit viel Fantasy gemischt. Viel Spaß:

https://youtu.be/okv7vqIja64

Panama – „Burwa dii ebo“

https://www.youtube.com/watch?v=_q7uXNO8F74

Aus Panama kommen nicht besonders viele Filme auf weltweite Festivals, dieser hier machte 2008 aber gut die Runde. Ein Teenager aus traditionellem Stamm will in die große Stadt Panama City. Dort verliebt er sich in das Mädchen reicher Eltern, die komplizierte Jugendromanze schreibt sich ab sofort von selbst.

Peru – „Eine Perle Ewigkeit“

https://www.youtube.com/watch?v=9JbYbJMSfl4

Der Titel ist schon wunderbar, der Inhalt eher verstörend: Denn dieser Berlinale-Beitrag (2009) arbeitet den brutalen Bürgerkrieg in Peru in den 1980ern auf. Fausta ist eine junge Frau, die im Leib ihrer schwangeren Mutter war, als diese von Söldnern vergewaltigt wurde, lebt ein Leben voller Angst vor sexuellen Übergriffen. Das Drama zeigt ihren Versuch, sich der Welt um sie herum zu öffnen.

Polen – „Loving Vincent“

https://www.youtube.com/watch?v=47h6pQ6StCk

Der definitiv hübscheste Beitrag dieser filmischen Weltreise: Ein polnisches Studio hat den Tod van Goghs als Kriminalfall aufgezogen und dafür über 50.000 Ölgemälde malen lassen. Ein bisher einmaliges Projekt in der Filmgeschichte.

Portugal – „Tabu“

https://www.youtube.com/watch?v=dugzx-bW-xA

2012er Drama aus Portugal, angesiedelt in einem grauen Häuserblock, der dazu noch in farblos gefilmt wird. Eine ältere Dame liegt im Sterben und bittet ihre Nachbarin, nach ihrer ehemaligen Liebschaft zu suchen. Die Nachbarin wird fündig und taucht in eine komplizierte Romanze ein, die parallel zum Kolonialkrieg ausbrach.

Russland – „Leviathan“

https://www.youtube.com/watch?v=tj0SMgg9Jqg

Kolia hat ein kleines Anwesen in der russischen Provinz, ein korrupter Bürgermeister will es ihm mit allen Mitteln entreißen. Kolia bittet einen befreundeten Anwalt um Hilfe, wird aber hintergangen und sogar von Schlägern bedroht. Ein bitteres Drama über Unmenschlichkeit im russischen Hinterland. Hat der Regierung nicht so gut gefallen, sollte man deshalb umso mehr anschauen.

Saudi-Arabien – „Das Mädchen Wadjda“

https://www.youtube.com/watch?v=d1ETAYu31yE

Haifaa Al Mansour macht hier ihr Regie-Debüt. Und dazu ist es der erste abendfüllende Spielfilm mit saudi-arabischer Regie überhaupt, ein historisches Projekt also. Dazu ist die Geschichte um die 11-jährige Wadjda, die in Riad an ein Fahrrad zu kommen versucht, auch noch zuckersüß gedreht und bringt den Zuschauern viel über das Land bei.

Schweden – „So finster die Nacht“

Szene aus „So finster die Nacht“.

Tomas Alfredson ist einer der besten schwedischen Regisseure. Mit „So finster die Nacht“ hat er eine Indie-Perle erschaffen, in der ein Vampirmädchen sich mit einem jungen aus der Nachbarschaft anfreundet. Was mitunter niedlich klingt, offenbart viele Abgründe und streift Themen wie Missbrauch und natürlich grausamen Mord. Der Film bekam wenige Jahre später ein US-Remake, das aber nicht an das Original heranreicht.

Schweiz – „Mein Leben als Zucchini“

https://www.youtube.com/watch?v=3nRwYWVxjRU

Der Film ist via Stop Motion animiert und gewann im Februar fast den Oscar. Ein Junge landet nach dem Tod seiner Mutter im Heim, muss sich dort auf neue Freunde und ein komplett neues Leben einstellen. Die Animationen sind liebevoll, der Look der Figuren ist einzigartig. Praktisch: Auf Amazon Prime ist er in der Mediathek enthalten.

Senegal – „Ceddo“

https://www.youtube.com/watch?v=8cKQnEVS1YM

Das Drama zeigt, wie sich Stämme im Senegal ihre traditionellen religiösen Ansichten beibehalten wollen und gegen den sich im Land ausbreitenden Islam widersetzen. Als sich der König für den Islam ausspricht, wird seine Tochter als Protest dagegen entführt. Eine Spirale aus Tod und Hass entsteht. Harter Stoff, bei dem man viel über die Gefüge im Senegal lernt. Der Film wurde 1978 im Land verboten, angeblich weil die Regierung wünschte, dass „Ceddo“ mit nur einem „d“ geschrieben wird.

Serbien – „Die Parade“

https://www.youtube.com/watch?v=dlpLobltvRw

Kroatische Koproduktion, die sich mit LGBTQ-Rechten im ehemaligen Jugoslawien befasst und mit vielen Vorurteilen über den Balkan spielt. Knallharter Kriegsveteran trifft auf schwulen Hochzeitsplaner, die Konflikte sind vorprogrammiert – und werden mit angenehm inkorrektem Humor aufgelöst.

Spanien – „REC“

2007 kam der Horrorfilm des Jahres tatsächlich aus Spanien. Zwei Reporter folgen mit der Kamera einem Feuerwehrteam bei einem Einsatz in Barcelona. Doch das Haus, in das die Truppe eilen muss, wird zunehmend zur Zombiehölle. Der Schocker wurde im Found-Footage-Stil gedreht und hat absoluten Kultstatus bei Horror-Publikum.

Südkorea – „I Saw The Devil“

Geht halbwegs als Psycho-Thriller durch, ist aber in vielen Szenen blanker (Body-)Horror. Ein Agent stellt einen Frauenmörder und Vergewaltiger, schlägt ihn zu Brei und lässt ihn mit einem Chip im Körper wieder laufen. Danach beginnt für den Kriminellen der verdiente Albtraum, während der Agent selbst zum reuelosen Folterer mutiert. Streng ab 18, aber wahnsinnig gut. Rachethriller sind eben die Spezialität der Koreaner.

Tunesien – „As I Open My Eyes“

https://www.youtube.com/watch?v=kgx_48jQAmE

Kurz vor dem Ausbruch des Arabischen Frühlings bereitet sich Farah auf ihr Musikstudium vor. Sie tritt einer Band bei, die in Tunis politische Songs spielt und bald von der Regierung beobachtet wird. Die Situation eskaliert, als ein Bandkollege von der Polizei verprügelt wird und ein weiteres Mitglied spurlos verschwindet. Musikalisches Politkino ohne Happy End – trotzdem oder gerade deswegen sehr sehenswert.

Uruguay – „Bad Day to Go Fishing“

https://www.youtube.com/watch?v=Do0_QAFGtzw

Ein Ostdeutscher, der ehemals der stärkste Mann der Welt war, reist mit seinem Manager durch Südamerika und organisiert Wrestling-Shows. In der Kleinstadt Santa Maria suchen sie via Zeitung einen Herausforderer für das Schwergewicht und starten einen Zirkus, der ihnen selbst über den Kopf wächst. Süße Komödie über Kleinganoven und Kleinstädte.

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