Depeche Mode: Alle Alben im Ranking
Von „Black Celebration“ bis „Memento Mori“: Wir haben die wichtigsten Alben bewertet & im Ranking eingeordnet.
In den 46 Jahren ihres Bestehens haben es die Superstars des Synthie-Pop auf 15 Studioalben gebracht. Dabei haben sie ihr Genre durch Experimente mit Gospel, Grunge und Trip-Hop bereichert wie kaum eine andere Band.
Während die mittlerweile zum Duo Martin Gore und Dave Gahan geschrumpfte Formation ein Jahr nach Abschluss ihrer „Memento Mori“-Welttournee hoffentlich an neuen Songs arbeitet, hören wir uns durch ihr bisheriges Schaffen.
Speak & Spell (1981)
Vielleicht ist es die Farbgebung, die an das „rote Album“ mit den Boy-meets-Girl-Schlagern der Beatles erinnerte – Depeche Mode selbst sollten die Rot/Blau-Dichotomie der Fab Four mit ihren beiden Singles-Compilations später aufgreifen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten Songs noch vom späteren Erasure-Gründer Vince Clarke stammen. Oder schlicht an der Übermacht des Hits „Just Can’t Get Enough“.
Jedenfalls wird das Debüt der Band gerne als naiv-hoppelnder Hitparaden-Pop missverstanden. Doch allein in der mit Voyeurismus spielenden Nummer „Photographic“ und Martin Gores Instrumental „Big Muff“ steckt bereits so viel Dunkelheit und Weirdness, dass sich niemand über den späteren Weg der Band hätte wundern dürfen.
Viereinhalb Sterne
A Broken Frame (1982)
Genervt vom Presserummel verlässt Vince Clarke die Band. Depeche Mode machen aus der Not eine Tugend: Martin Gore hat keine andere Wahl, als zum Hauptsongwriter aufzusteigen – und liefert mit dem Roy-Orbison-artigen „See You“ sofort einen Klassiker. Gleichzeitig etabliert er viele seiner zentralen Themen wie Isolation und Trauer.
Über eine Anzeige stößt Alan Wilder zur Band. Als musikalischer Direktor wird er den Sound von Depeche Mode in den kommenden Jahren entscheidend prägen. Einziger Kritikpunkt: der Matthew-(nicht Alan-)Wilder-Pseudo-Reggae „Satellite“.
Viereinhalb Sterne
Construction Time Again (1983)
Nach dem russisch anmutenden Titelbild des Vorgängers – das den späteren riesigen Erfolg der Band in Osteuropa fast vorwegnimmt – zeigt das Cover des dritten Albums Motive, die man bis heute untrennbar mit Depeche Mode verbindet: nackte Männerhaut, Lederriemen, das Matterhorn – und einen Hammer. Auch im deutschsprachigen Raum wächst die Popularität der Band rasant. Erstmals wird zudem eines ihrer Alben in Berlin abgemischt.
Martin Gore hat inzwischen die Einstürzenden Neubauten für sich entdeckt und übernimmt deren Integration von Alltagsgeräuschen in das eigene Klangbild – ganz im Sinne der Musique concrète, etwa in „Pipeline“. Trotz aller Experimentierfreude bleibt genügend Raum für großartigen Pop in Form von „Love, In Itself“ und dem kapitalismuskritischen „Everything Counts“, bis heute eines der größten Konzert-Highlights der Band. Ein wichtiges Übergangswerk.
Viereinhalb Sterne
Some Great Reward (1984)
„People Are People“, der erste Nummer-eins-Hit der Band in Deutschland, zementiert eine Freundschaft fürs Leben. Neben der Hymne der Völkerverständigung geht Depeche Mode auch textlich Risiken ein – mit dem Suizidversuch einer 16-Jährigen in „Blasphemous Rumours“ und den S&M-Praktiken in „Master And Servant“.
Musikalisch macht sich die Nähe zu den Berliner Studionachbarn der Einstürzenden Neubauten noch stärker bemerkbar. Es kracht, es scheppert, es kesselt!
Fünf Sterne
Black Celebration (1986)
Die Best-of „The Singles 81→85“ hatte einen dicken Schlussstrich unter den Dance-Pop gezogen. Nun konnte die Saat der dunklen Blumen voll aufgehen. Depeche Mode holten Teenager in ihrer Todesromantik ab: „Death is everywhere / There are flies on the windscreen / For a start.“ Immer wieder tickt drohend eine Uhr. Die Zeit läuft ab? Die Zeit war gekommen!
Sechs Sterne
Music For The Masses (1987)
Ein Meisterwerk der Dynamik: Vom immer bombastischer anschwellenden Outro des Openers „Never Let Me Down Again“ bis zur sich vom Sakralen zum Infernalen steigernden Schlussnummer „Pimpf“, benannt nach einem Hitlerjugend-Magazin, um auf die Gefahren von Massenbewegungen hinzuweisen.
Sechs Sterne
Violator (1990)
„Personal Jesus“ und „Enjoy The Silence“ wurden dank Coverversionen von Johnny Cash bis Marilyn Manson sowie endloser Radiorotation zu Evergreens. Violator deshalb als reines Pop-Album abzutun, wird dem vielschichtigen Werk jedoch nicht gerecht. Hinter „Enjoy The Silence“ und „Blue Dress“ verbergen sich Instrumentals wie aus einer Geisterstadt.
Sechs Sterne
Songs Of Faith And Devotion (1993)
Es ist 1993: Kurt Cobain hat Michael Jackson vom Thron verdrängt, Dave Gahan trägt lange Haare und kämpft mit seiner Drogensucht. Aus dem Keyboard-Popper ist ein Rockstar geworden. Das um ein simples Blues-Riff gebaute „I Feel You“ ist das Bekenntnis der Band zum Sound der Stunde. Noch radikaler wäre die von Gahan bevorzugte Gospelnummer „Condemnation“ als Leadsingle gewesen.
Fünfeinhalb Sterne
Ultra (1997)
Was Depeche Mode über die Jahre Bands wie Nine Inch Nails an Inspiration gegeben haben, holen sie sich nun teilweise zurück. Das fulminante „Barrel Of A Gun“ hätte auch von Trent Reznor stammen können. Mit einer Stimme voller Säure ätzt Gahan gegen die Medien, die seinen gesundheitlichen Niedergang ausgeschlachtet hatten: „Are you having your fun? / I never agreed to be / Your holy one.“ Am anderen Ende des Spektrums steht Gores anrührender Fanliebling „Home“. Dazwischen: Trip-Hop.
Fünf Sterne
Exciter (2001)
Ein Album wie eine Nacht: Wir wachen gar nicht erst auf – „Dream On“. Nur kurz, zur Geisterstunde, schreckt uns „The Dead Of Night“ mit einem wilden Albtraum auf. Doch die Ambient-Klänge von „Lovetheme“ und „Freelove“ lullten uns sofort wieder ein. Vor dem Morgengrauen machen wir uns mit sanften 70er-Disco-Beats („I Feel Loved“) mental bereit für den Tag, doch die Band deckt uns gleich wieder zu: „Goodnight Lovers“.
Dreieinhalb Sterne
Playing The Angel (2005)
Sie wollten geweckt werden? Nach dem meditativen Vorgänger heulen direkt zu Beginn die Sirenen: „A Pain That I’m Used To“. Depeche Mode zeigen wieder Kante. „Precious“ besitzt die gleiche Perfekt-Pop-Qualität wie „Enjoy The Silence“. Bestärkt durch den Erfolg seines Soloalbums „Paper Monsters“ (2003) steuert Dave Gahan erstmals eigene Songs bei. Der bemerkenswerteste davon, „Suffer Well“, steht Gores Kompositionen in nichts nach und wird sogar als Single veröffentlicht.
Viereinhalb Sterne
Sounds Of The Universe (2009)
Die Dauerrepetition des Titels „Wrong“ wirkt wie ein Four-to-the-Floor-Beat – fast schon Underworld-esk. Auch die nächste Single „Peace“, die zwischen Flehen und Versprechen changiert, hält das überwiegend auf Vintage-Synthesizern eingespielte Album über Wasser. Die angekündigten kosmischen Höhen werden jedoch nicht erreicht. Der Rest wirkt unausgegoren, beginnend mit dem Malen-nach-Zahlen-Stück „In Chains“.
Drei Sterne
Delta Machine (2013)
„All the drama queens are gone“, singt Gahan gleich zu Beginn – und bestätigt damit unfreiwillig das Gegenteil. Mit schauspielerischem Pathos versucht er selbst die banalsten Zeilen aus Gores Textbaukasten aufzuwerten, als ginge es um Leben und Tod. Die angekündigte Rückkehr zum „erdigen Klang“ bleibt eine Behauptung. Stattdessen bleibt der dünne Electro-Pop wie eine defekte Maschine am Boden und hebt nie zum verheißungsvollen „Heaven“ ab.
Zweieinhalb Sterne
Spirit (2017)
Depeche Mode begleiten das erste Amtsjahr Donald Trumps mit ihrem politischsten Album. Doch die Kompositionen bleiben hinter dem Anspruch zurück. Zeilen wie „Who’s making your decisions? / You or your religion?“ versinken letztlich im musikalischen Einheitsbrei.
Drei Sterne
Memento Mori (2023)
Das für unmöglich gehaltene Comeback: Martin Gore und Dave Gahan reiten auf einer neuen Dark-Wave-Welle. „My Cosmos Is Mine“ ist eine Einladung zurück in ihre rätselhafte, warme Höhlenwelt. Danke, wir kommen.
Fünf Sterne







