Highlight: Kinovorschau: Diese Filme kommen im August und September 2018 ins Kino

Kritik und Interview

„BlacKkKlansman“: Das ist der wichtigste Film des Jahres

Wir erinnern uns an damals, als uns die Wut von Spike Lee traf wie ein Vorschlaghammer. Damals im Sommer 1989, als er Rosie Perez zum Sound von Public Enemys „Fight The Power“ über den Vorspann von „Do the Right Thing“ tanzen, boxen, toben ließ und der Schauspieler Bill Nunn als Radio Raheem seine zwei Faustringe „Love“ und „Hate“ in die Kamera reckte. Die beiden Faustringe trug Lee nun wieder zur Pressekonferenz von „BlacKkKlansman“ in Cannes, um zu signalisieren, dass es 2018 wieder an der Zeit sei, wütend zu sein. Rassismus in den Vereinigten Staaten von AmeriKKKa sei auf dem Vormarsch, befeuert von den achtlosen Schmähungen des mächtigen Mannes, den Lee auf dieser Pressekonferenz nie beim Namen, dafür aber „Motherfucker“ nannte.

Taschenspielertricks und bittere Wahrheiten

„BlacKkKlansman“ ist ein wütender Film, klare Sache, eine böse Satire auf White Supremacy, in der die schwarzen Helden cool und das Nazipack dumm wie Weißbrot sind. Anders als „Do the Right Thing“ ist „BlacKkKlansman“ aber kein besonders guter Film. Dabei ist es nicht so, als würde das Material keinen guten Film hergeben: Lee arbeitet mit dem Tatsachenroman von Ron Stallworth, dem es als schwarzem Polizeibeamten im Colorado des Jahres 1978 gelang, den Ku Klux Klan zu infiltrieren und sich am Telefon sogar mit Grand Wizard David Duke (Topher Grace) anzufreunden. Aber die Klinge, die Spike Lee führt, ist zu stumpf, die Handlung des Films hanebüchen bis ärgerlich, die filmischen Mittel vorgestrig und angestrengt. 1989 wäre es vielleicht noch hip gewesen, wenn sich der von Denzel Washingtons Sohn John David in seiner ersten großen Rolle gespielte Stallworth und eine radikale Black Sister näherkommen, indem sie sich ihrer gegenseitigen Begeisterung für Blaxploitationfilme versichern. 2018 ist der Kniff schal und unoriginell.

Genauso wie die Montage zum Höhepunkt nicht die intendierte Wirkung entfaltet: auf der einen Seite erzählt Harry Belafonte von einem Mord an einem schwarzen Freund, auf der anderen Seite johlt der Klan bei einer Vorführung von Griffiths „Birth of a Nation“ vor Freude. Das wirkt anmaßend. Natürlich ist man erschüttert, wenn Lee in den letzten Minuten seines Films einfach nur die Bilder aus Charlottesville im vergangenen August sprechen lässt und den Kreis schließt. Aber selbst das wirkt wie ein billiger Kniff, ein Taschenspielertrick. Schade, dass der wichtigste und aktuellste Film des Jahres nicht besser ist.

„Blackkklansman“ läuft ab dem 23. August 2018 in den deutschen Kinos. 

(Musikexpress.de hat Regisseur Spike Lee zum Interview getroffen. Er erzählt, warum „Blackkklansman“ eine humoristische Note hat und spricht über den Film „The Birth of a Nation“. Der Film von 1915 war der erste Blockbuster der Kinogeschichte und hat zugleich den KKK wiederbelebt)

 


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