Interview

Der Nino aus Wien über seinen Streaming-Gig: „Ich bin aufgeregter als bei anderen Konzerten“

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Während vielerorts Auftritte, Festivals und sonstige Kulturveranstaltungen wegen Coronavirus abgesagt werden, sprießen dieser Tage viele digitale Alternativen zu echten Konzerten aus dem Boden: Zahlreiche Musiker*innen übertragen online Live-Gigs, auch erste Streaming-Lesungen werden inzwischen angeboten. Und nun wird auch der österreichische Musiker Nino Mandl, besser bekannt als Der Nino aus Wien, am Freitag um 20 Uhr ebenfalls sein erstes Konzert im Live-Stream anbieten. Das verkündete er zu Beginn der Woche auf seiner Facebookseite.

https://www.facebook.com/DerNinoAusWien/posts/2818599994882990

Auch Der Nino aus Wien war von einigen Event-Absagen betroffen. Alleine im März wurden vier seiner Konzerte in Österreich sowie fünf Theater-Vorführungen abgesagt. Bei der Neuadaptation von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ im Wiener Werk X, spielt Nino Mandl mit und ist auch gemeinsam mit Natalie Ofenböck für die Musik verantwortlich.

2018 erschien mit DER NINO AUS WIEN das bisher letzte Album des Wieners, 2020 soll nun der Nachfolger kommen: OCKER MOND wird es heißen und beim Label Medienmanufaktur veröffentlicht. Es war geplant, dass die Platte am 17. April herausgebracht wird, begleitet von einer Release-Show in Wien. Doch die Veröffentlichung des Albums ist nun aufgrund der aktuellen Corona-Lage unsicher: „Ich kann noch nichts dazu sagen, ob es jetzt wie geplant im April rauskommt oder nicht“, sagt er und fügt an: „Das sind verrückte Zeiten“.

ME-Autor Florian Kölsch erreichte Nino Mandl am Mittwochnachmittag über einen Messengerdienst auf dem Balkon seiner Wohnung im Wiener Gemeindebezirk Favoriten. Der Indie-Musiker befolgt die bereits seit mehreren Tagen verordnete Ausgangssperre („Ich halt mich an die Regeln“) und berichtet, dass es ein Frühlingstag in Wien sei.

Musikexpress.de: Du hast am Montag in einem Facebook-Post ein Wohnzimmerkonzert angekündigt, dass dann im Live-Stream verfolgt werden kann. Wie kamst du auf diese Idee?

Nino Mandl: Ich genieße die ruhige Zeit zuhause und aus Langeweile spiele ich am Freitag ein Konzert im Wohnzimmer. Gratis, live und unplugged. Ich habe es mir schon ein paar Tage vorher gedacht, dass ich das wohl machen werde. Aber, dass ich dann auf den Post circa 4.000 Likes bekomme und auch so viele Nachrichten, damit hätte ich nicht gerechnet. Anscheinend freuen sich ein paar Menschen wirklich darüber. Immer nur Nachrichten schauen, kann halt auch deprimieren auf Dauer.

Live-Streaming-Gigs beziehungsweise -Lesungen von Zuhause werden in Zeiten des Coronavirus massig angekündigt. Sind Konzerte im Netz eine willkommene Alternative für echte Shows in der momentanen Situation?

Ich habe noch nie ein Wohnzimmerkonzert via Internet gemacht. Für mich ist das neu. Es kann auch sein, dass ich mich damit total schwertue. Wir werden sehen. Vor allem hoffe ich, dass die Technik funktioniert. Ich möchte eine gute Atmosphäre schaffen. Schummrig, auf keinen Fall zu hell!

Welche Instrumente kommen zum Einsatz? Nur Akustikgitarre? Auf welche Gegebenheiten kann man sich bei dem Solo-Gig einstellen?

Ja, wohl nur Akustikgitarre. Vielleicht stelle ich ein Mikrofon auf, damit es mehr nach Konzert aussieht. Eine Kerze vielleicht.

Siehst du in Konzerten dieser Art eine Möglichkeit, mehr Leute zu erreichen, als vielleicht mit echten Gigs?

Ich denke an so was gar nicht. Das ist kein Promotion-Gig für mich. Ich mache das einfach, weil ich Lust habe, zu singen. Am Freitag hätte ich eigentlich ein Konzert in Eisenstadt gespielt. Groß aufziehen will ich es aber nicht. Nein, es ist eigentlich nur nett gemeint für Leute, die meine Lieder mögen und denen vielleicht fad ist zuhause. Und für mich ist es eine Erfahrung. Aber wohl auch eine einmalige Sache.

Hast du Überraschungen in der Setlist parat? Du spielst ja auch gerne mal unveröffentlichte Sachen bei Auftritten.

Ja, ich glaube schon, dass ich etwas von dem neuen, kommenden Album spielen werde. Ich habe gestern eh schon eine mögliche Setlist hingekritzelt. Ich werde jetzt nicht stundenlang spielen, aber eine Stunde könnte es schon werden. Unter diesen Umständen ist es irgendwie schon besonders. Ich glaube, ich bin aufgeregter als bei anderen Konzerten.

Auf deiner Facebook-Seite hast du vermeldet, dass du diesen März von insgesamt neun Event-Absagen betroffen warst. Grund waren Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Wie gehst du mit den Absagen um?

Naja, ich akzeptiere die Absagen. Es wäre natürlich cool, wenn man das alles verschieben könnte auf einen späteren Zeitpunkt.

Gibt es schon Nachholtermine?

Für ein, zwei Konzerte gibt es schon fixe Nachholtermine. Die Theaterstücke werden wohl auch nachgeholt.

Wäre es in deinen Augen zu optimistisch zu sagen: Die Shows kann man alle nachholen?

Man bemüht sich um Nachholtermine der Konzerte für den Herbst. Es sind aber natürlich jetzt schon überall sehr viele Konzerte ausgefallen. Das kann ein ziemlich dichter Herbst werden.

Es gab im Internet schon Aufrufe, dass man bei Absagen von Kultur-Events ohne Nachholtermine die Karten nicht zurückgeben sollte, sofern man es sich denn leisten kann. Aus Solidarität für Venue und Künstler*innen. Ohne hier jemandem etwas vorzuschreiben zu wollen: Was rätst du Leuten, die jetzt in dieser Zeit unabhängige Kunst unterstützen wollen?

Viele Künstler*innen brauchen immer Geld, sie haben oft kein fixes Einkommen und es kann schon äußerst schwierig sein, über zwei Monate so durchzukommen. Online-Konzerte mit integrierter Spendenfunktion sind derweil vielleicht auch eine Möglichkeit. Ich bin gespannt auf die Entwicklungen. Wir alle hoffen natürlich, dass es bald auf den richtigen Bühnen weitergehen kann.

Kannst du die Folgen für dich und deine Band schon abschätzen? Und wie sind die Erfahrungen in deinem Umfeld?

In anderen Jahren wäre das vielleicht katastrophal gewesen für mich, derzeit komme ich gut durch und ich wünsche allen, dass es ihnen auch so geht. Man muss abwarten, wie lange das dauert. Insgesamt wird es wohl schlimm und ich bin auch gespannt, was die Regierung so sagt. Ich hoffe, sie hat ein Herz für die Kunst. Es ist alles schwer abschätzbar.

In deinem „Praterlied“ gibt es eine Zeile, an die ich dieser Tage öfter denken muss. „Jo des mit der Musik is hoid scho / A Wahnsinn, dass des hoibwegs funktioniert“. Will sagen: Als Musiker lebt man tendenziell eher prekär und es ist echt etwas Besonderes, wenn es finanziell hinhaut. Jetzt fallen die Konzerte aus und die Geschäfte, in denen die Platten verkauft hätten werden könnten, bleiben geschlossen. Wie sehr bedroht das die Existenz von Künstler*innen, vor allem im Independent-Bereich?

Es ist oft sehr prekär. Aber man wird auch da durchkommen. Überleben ist eine der großen Stärken. Und es werden wieder einfachere Zeiten kommen! Ich selber habe aber aus irgendeinem Grund anscheinend noch ein ausreichendes Polster, ich komme da schon paar Monate durch, wenn ich mir keine Ritterrüstungen oder Motorboote kaufe.

Gibt es einen Song oder ein Album, den oder das du in dieser Zeit besonders gerne anhörst?

Lustigerweise höre ich seit Tagen die RARITIES von Rod Stewart. Ich bin einfach zu faul die CD zu wechseln.

Alle Infos zum Streaming-Gig von Der Nino aus Wien im Überblick:


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