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Die besten US-Rap-Alben der 90er: 2Pacs Abrechnung auf ALL EYEZ ON ME

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In den folgenden Wochen wagen wir auf musikexpress.de einen Rückblick und nennen zehn bahnbrechende HipHop-Alben der Neunziger. Diesmal, nach Mobb Deeps THE INFAMOUS, befassen wir uns mit 2Pac und seinem Doppelalbum ALL EYEZ ON ME.

Neustart bei Death Row

Tupacs Doppelalbum ALL EYEZ ON ME erschien am 13. Februar 1996 auf Death Row Records, unter dem berüchtigten Labelinhaber Suge Knight, nach Tupac Shakurs Inhaftierung wegen sexueller Nötigung und nach der Schießerei in den Quad Studios (er wurde 1994 auf dem Weg in ein Studio ausgeraubt und fünfmal angeschossen) in Manhattan, die Pac glücklicherweise überlebte.

Bis zu seinem tragischen und bis heute ungelösten Todesfall 1996 in Las Vegas vermutete Pac einige der Labelmitglieder von Bad Boy Records als Strippenzieher oder zumindest schweigende Komplizen hinter dem Angriff auf ihn in New York. Infolgedessen attackierte er The Notorious B.I.G., Puff Daddy sowie Verbündete von Bad Boy lyrisch auf Songs wie „Hit `Em Up“.

Am 12. Oktober 1995 wurde Pac aus dem Gefängnis entlassen – lediglich vier Monate vor der Veröffentlichung von ALL EYEZ ON ME. Von den ursprünglich vorgesehenen viereinhalb Jahren Haft verbüßte er nur elfeinhalb Monate. Dies ermöglichte Suge Knight, der Pacs Kaution in Höhe von 1,4 Millionen Dollar bezahlte. Dafür wechselte 2Pac von Interscope zu Death Row. Doch die Wohltat hatte auch einen Preis: Im Gegenzug wurde Shakur mit einem Drei-Alben-Vertrag an Knight gebunden.

Unermüdlicher Fleiß

Tupac flog noch am selben Tag seiner Entlassung nach Los Angeles und begann sofort mit den Aufnahmen. Sein Arbeitseifer spiegelt sich sowohl quantitativ als auch qualitativ auf ALL EYEZ ON ME wieder. Fans erwarten  27 Tracks mit einer Gesamtspieldauer von 132 Minuten. Darunter Hits wie „2 Of Amerikaz Most Wanted“, „How Do U Want It“ , „California Love“ und „Ambitionz Az a Ridah“.

Dave Aron alias Dave Dizzle, der als Tontechniker und Produzent für Death Row arbeitete, erinnerte sich an den Aufnahmeprozess zu „Ambitionz Az a Ridah“: „Das ist der erste Song, den ich mit 2Pac gemacht habe. An dem Tag, als er aus dem Gefängnis kam, ging er nicht in die Clubs. Er hat nicht versucht, Frauen zu treffen. Er ging direkt ins Studio, als wäre er auf einer Mission, und er nahm ,Ambitionz Az a Ridah‘ und ,I Ain`t Mad at Cha` auf.“

„Ich habe gesehen, wie sie ihm in derselben Nacht sein Death-Row-Medaillon verliehen haben. Und dann kam er direkt rein. Er war bereit, loszulegen. Er war sehr aufgedreht, sehr konzentriert, mit viel Energie – verrückter Energie. Und man konnte sehen, dass er wirklich eine Mission hatte. Er hatte eine echte Vision von dem, was vor sich ging, und er wollte in dieser kurzen Zeit eine Menge erreichen.“

Von Paranoia getrieben

Die Zeit im Gefängnis und die geballte Wut über den vermeintlichen Mordkomplott in New York entlud sich direkt auf „Ambitionz Az a Ridah“. Augenscheinlich wollte Pac sofort ein kraftvolles Zeichen an die Rivalen aus der Industrie senden. Jedoch hörte man auf Tracks wie diesem auch heraus, wie sehr die vergangenen Monate an Pac zerrten. Shakur fühlte sich stigmatisiert  und hintergangen – übrig blieb lediglich die Flucht nach vorn.

„I’d rather die before they capture me, watch me bleed.
Mama come rescue me, I’m suicidal, thinkin‘ thoughts.
I’m innocent so there’ll be bullets flyin‘ when I’m caught.
Fuck doin‘ jail time, better day, sacrifice.
Won’t get a chance to do me like they did my n**** Tyson.
Thuggin‘ for life, and if you right, then, n****, die for it.
Let them other bustas try, at least you tried for it.
When it’s time to die, then be a man and pick the way you leave.
Fuck peace and the police, my ambitions as a ridah.“



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