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Blackout Tuesday
Highlight: Xavier Naidoo im Interview: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“

Kommentar

Die Tränen des Xavier: Jetzt haben die Verschwörungstheoretiker ihre eigene Partei

Seit die Bundesregierung aufgrund der Corona-Pandemie die Kontaktbeschränkungen verhängt hat, herrscht in der verschwörungstheoretischen Szene Aufruhr. Seit April gehen in mehreren deutschen Städten tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Maßnahmen zu demonstrieren. Neonazis, Esoteriker*innen und Verschwörungstheoretiker*innen jeder Couleur glauben, eine „Corona-Diktatur“ bahne sich an. Einer ihrer Helden: der Soulpop-Sänger Xavier Naidoo. Und nun hat diese Bewegung sogar eine ganz eigene Partei: Widerstand2020.

Man will es nicht gern glauben, aber das Internetzeitalter hat nicht nur eine unendliche Flut von frei zugänglichem Wissen hervorgebracht. Im Netz finden sich zu vielen Fakten auch deren Leugnung. Aber Verschwörungstheorien fußen so gut wie immer auf Antisemitismus und verbreiten meist Rassismus und Homophobie. Gerade der deutsche HipHop hat sich leider als empfänglich für Irrsinn dieser Art entpuppt. Immerhin sorgte der Rauswurf Naidoos aus der „Deutschland sucht den Superstar“-Jury im März für eine szeneinterne Rassismus-Diskussion.

Kann denn ein Migrant überhaupt zum Rassisten mutieren – noch dazu einer, der 2001 mit „Adriano (Letzte Warnung)“ einen antirassistischen Hit landete? Naidoo bezeichnete sich selbst schon 1999 gegenüber dem Musikexpress als „Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“. Als er 2014 vor „Reichsbürgern“ auftrat, konnten es noch immer viele Musiker*innen nicht glauben, was sie 2015 in einer Umfrage der „FAZ“ auch zum Ausdruck brachten. Auf Naidoos aktuellem Album HIN UND WEG (2019) waren noch Klotz, MoTrip, Kontra K und Chefket zu hören.

Im April 2020 erschien der Solidaritätstrack „Bist Du Wach?“ von AzziMemo für die Opfer des rechtsextremen Anschlags in Hanau. Darin zitiert Sängerin Rola den Song „Adriano (Letzte Warnung)“ und Rapper Kool Savas fordert eine klare Abgrenzung von „Faschos“, obschon er noch in diesem Jahr ein weiteres Album mit Naidoo plante. Im April standen sich dann Rapper wie Fler und Kollegah, die Naidoo noch immer verteidigten, und Rapper wie Manuellsen und Smudo, die ihn verurteilten, gegenüber.

Keine Frage, der deutsche HipHop muss aus dem Strudel vermeintlich unterdrückter „Wahrheit“ herausfinden. Verschwörungsideologie ist ein Grundpfeiler, auf dem religiöser Fundamentalismus und auch Rechtsextremismus möglich werden. Rapper wie der spätere IS-Terrorist Deso Dogg und n’Socialist Soundsystem haben bewiesen, dass beides mit HipHop kombinierbar ist. Naidoo soll inzwischen sogar mit dem Nazirapper Chris Ares Kontakt aufgenommen haben.



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