Fashion Killa

Dior-Boys auf Skateboards: Darum sitzt Tony Hawk bei Fashionshows plötzlich in der ersten Reihe

von
Jan Kedves
Jan Kedves

Die Mode ist sich einig: Der Skater-Boy gehört zu den Fashion-Trends des Frühjahrs 2023. Vielleicht ist es sogar ein echter „Sk8er Boi“, wie im Avril-Lavigne-Hit von 2002? Bei Skatern ging es doch, ähnlich wie bei Punks und im Rap, immer darum, die Echten von den Posern zu unterscheiden. Das kleine Einmaleins der Subkultur: Du kannst dir baggy clothes anziehen wie du willst, wir sehen dir trotzdem sofort an, dass du nichts drauf hast und gleich vom Brett fällst.

Gilt das heute noch so streng? Vielleicht nicht, wenn Skater-Legende Tony Hawk persönlich eine Fashion-Kollektion durch seine Präsenz verifiziert. Der 54-Jährige saß in der ersten Reihe, als Dior in Venice Beach die Frühjahr-2023-Kollektion präsentierte, mit superweiten Hosen (so tief sitzend, dass oben die Boxershorts rausquellen), dick baumelnden Portemonnaie-Ketten und Low-Top-Skeakers, wie es sie schon lange von Skate-Marken wie DC Shoes und Osiris gibt (mit extrafetten Zungen und Senkeln).

 

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Nach der Schau erzählte Hawk in seinem Podcast, er sei überrascht gewesen, wie stark es in der Kollektion um den „90s skate vibe“ ging, dabei habe er erst gar nicht verstanden, warum die Dior-Leute ihn so dringend mit dabei haben wollten. Sie hätten ihn und seine Frau richtig gepampert, mit Goodie-Bags voller Taschen und Schmuck, und ihm erzählt, die Farbe der Hose, die man ihm zum Anziehen gab, sei vom Zement im Venice Skate Park inspiriert. Er schien das alles recht amüsant zu finden.

Auch in den neuen Kollektionen von Fendi und Prada erkennen jetzt viele „skater boy fits“

Auch in den neuen Kollektionen von Fendi und Prada erkennen jetzt viele „skater boy fits“, Lanvin nennt sein aktuelles Sneaker-Modell „Curb“, wie den Skate-Trick, und JW Anderson designte gerade einen Grunge-Strickpulli, durch dessen Brustpartie ein zersplittertes Skateboard gesteckt ist, mitten übers Herz. Warum liebt die Mode den Skater so? Die langweilige Erklärung: Er gehört einfach zum Y2K-Retro-Trend mit dazu und ist jetzt mal wieder an der Reihe.

 

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Die interessantere Erklärung: Seit der Corona-Pandemie bewundert man den Skater wieder umso mehr, weil er so viel an der frischen Luft ist und – so schrieb die „Welt am Sonntag“ – weil er ein „Rebell (ist), der sich den öffentlichen Raum erobert“. Allerdings dürfte die neue Luxus-Skatewear für junge Skater zu teuer sein. Vielleicht gehören zu den Kunden ja die, die schon um 2000 herum Boys bzw. Bois waren und die jetzt Geld haben? Die Knie mögen längst quietschen, und vielleicht hat man von den vielen Ollies auch keine Außenbänder mehr im Sprunggelenk. Aber das heißt ja nicht, dass man keinen Stil mehr hat!

Diese Kolumne erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 01/2023.


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