Spezial-Abo

Elton John: „Die meisten Chart-Songs sind keine echten Lieder“

von

Es ist nicht das erste Mal, dass Sir Elton John etwas an der modernen Popmusik auszusetzen hat: Vor einiger Zeit kritisierte der legendäre Musiker bereits den Soundtrack der Live-Action-Verfilmung von „König der Löwen“, indem er sagte, dass dieser die „Magie und Freude“ des Originals verloren habe. Jetzt hat Elton John seine Kritik weitergeführt und in einem Interview mit dem Radiosender „BBC Radio 6 Music“ verkündet, dass die meisten Songs in den aktuellen Charts keine „richtigen Lieder“ seien.

Warum das so sei, führte er in dem Gespräch weiter aus: „Conan Gray (…) ist der einzige Künstler in den US-amerikanischen Top 50 von Spotify, der sein Lied tatsächlich ohne jemand anderen geschrieben hat“, so der „Rocketman“-Sänger. Damit bezieht sich John auf den Song „Heather“, der aktuell auf Platz 12 der US-Spotify-Charts steht – hinter drei Songs des verstorbenen Rappers Juice WRLD, „Dynamite“ von BTS und dem aktuellen Nummer-1-Hit „WAP“ von Cardi B und Megan Thee Stallion.

„Bei allen anderen Songs befinden sich vier oder fünf Autoren hinter einem Titel“, fährt Elton John fort. „Man sieht sich die meisten Songs in den Charts an und stellt fest – es sind keine echten Lieder. Es sind Kleinigkeiten und Bruchstücke und es ist schön zu hören, wenn jemand mal ein richtiges Lied schreibt.“ Ein Blick auf die US-Charts genügt, um festzustellen, dass der britische Sänger und Pianist Recht hat: Keines der oben genannten Lieder wurde von weniger als zwei Songwriter*innen verfasst – mit Ausnahme von Conan Grey’s Song „Heather“.

Für Elton John sei diese Entwicklung ein Zeichen dafür, dass Popmusik heutzutage bloß simpler Massenkonsum für anspruchslose Zuhörer ist. „Ich mag Leute, die Songs schreiben“, resümiert er, „und es gibt viele Leute, die das tun, aber viele von ihnen werden nicht im Radio gespielt, weil sie zu anspruchsvoll sind. Wir bekommen ständig Songs, die nur mit dem Computer gemacht wurden – daran bin ich nicht interessiert.“

Sir Elton Hercules John verkaufte über 250 Millionen Alben, nach den Beatles und Madonna belegt er einen der oberen Ränge der erfolgreichsten Künstler*innen der Geschichte. Die lange Liste seiner Auszeichnungen beinhaltet unter anderem einen Platz in der Rock and Roll Hall of Fame sowie der Songwriters Hall of Fame, einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und den „Most Excellent Order of the British Empire“. Sein musikalisches Repertoire umfasst Balladen, Rocksongs sowie gospelartige Blues- und Boogie-Titel. Zu dem erfolgreichen Disneyfilm „König der Löwen“ schrieb er die Titelmusik und erhielt für „Can You Feel The Love Tonight“ im Jahr 1994 den Oscar.


„Ich liebe es!“: Debbie Harry hätte gerne Cardi Bs „WAP“ geschrieben
Weiterlesen