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Verhasster Klassiker

Mittelmäßige Rocker und Comedians: Die Foo Fighters besitzen die Coolness von bierseligen Lehramtsstudenten

Seit Anfang 2019 schmeißt unser Autor Linus Volkmann eine Kolumne bei uns, in der er regelmäßig auf die jeweils zurückliegende Popwoche blickt. Eine der darin auftauchenden Kategorien heißt „Verhasster Klassiker“, und schon jetzt raunt man sich im Internet zu, dass sich die Kolumne schon wegen dieses Rants gegen Platten, die angeblich jeder mag, jede Woche aufs Neue lohne.

Als Services des Hauses stellen wir die „Verhassten Klassiker“ nachträglich auch einzeln heraus. Den Anfang machte das fünfte, im September 1991 erschienene Album der Red Hot Chili Peppers, BLOOD SUGAR SEX MAGIK. Weil dieser Aufreger Eure Gemüter schon so reflexartig erhitzte, legten wir mit einer anderen vermeintlich unantastbaren Band nach: „Prätentiöse Kacke“ – so verriss Linus Volkmann ungehört das neue Tool-Album, das eventuell dieses Jahr erscheint.

Heute geht es weiter mit dem Debüt einer weltweit erfolgreichen Rockgruppe, die damals noch keine war: FOO FIGHTERS, das vom „sympathischsten Kerl im Rock’n’Roll“, Mr. Nice Guy Dave Grohl, fast im Alleingang eingespielte erste Album der Foo Fighters.

DER VERHASSTE KLASSIKER: Foo Fighters

Foo Fighters –„Foo Fighters“
(Capitol Records / 04.07.1995)

Es war nur ein paar Jahre vor dem Debüt der Foo Fighters: Weltmeister Franz Beckenbauer tritt als Teamchef der Nationalmannschaft zurück – und der Posten geht an… Berti Vogts. So ähnlich lief es im Rockzirkus, als Dave Grohl 1995 die Stelle von Kurt Cobain einnahm.

Nun, man muss natürlich die historischen Hintergründe der 90er kennen: Wir hatten ja nichts mehr! Cobain war tot, als Alternative boten uns die großen Plattenfirmen so Schaben wie die Stone Temple Pilots oder gar Bush an. Grundgütiger! Kein Wunder, dass man fälschlicherweise das freundliche Nagetier Grohl kurz mal für eine Art Genie hielt. Immerhin hatte er unter Cobain gedient. Bestimmt war davon etwas hängengeblieben, auch wenn das in dem mediokren Songwriting seiner Band Foo Fighters nicht wirklich zu entdecken war.

Aber kein Vorwurf: Lächerliche Stellvertreter-Hits waren irgendwie das Ding dieses Jahrzehnts. Ich kann mich selbst nicht ausnehmen, hatte ich in dieser Zeit auf einer Party in Freiburg ja sogar mal mit jemandem geknutscht, der kurz zuvor mit einer (angeblichen) Ex-Freundin von Dirk von Lowtzow knutschte. Dieser Toco-Zungenkuss in der dritten Schwundstufe galt halt noch als Highlight – bevor endlich das Internet erfunden wurde.



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