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Verhasster Klassiker

Prätentiöse Kacke: Tool sind System Of A Down für Leute, die nie Sex haben

Seit Anfang 2019 schmeißt unser Autor Linus Volkmann eine Kolumne bei uns, in der er regelmäßig auf die jeweils zurückliegende Popwoche blickt. Eine der darin auftauchenden Kategorien heißt „Verhasster Klassiker“, und schon jetzt raunt man sich im Internet zu, dass sich die Kolumne schon wegen dieses Rants gegen Platten, die angeblich jeder mag, jede Woche aufs Neue lohne.

Als Services des Hauses stellen wir die „Verhassten Klassiker“ nachträglich auch einzeln heraus. Den Anfang machte das fünfte, im September 1991 erschienene Album der Red Hot Chili Peppers, BLOOD SUGAR SEX MAGIK. Und weil dieser Aufreger Eure Gemüter schon so reflexartig erhitzte, legen wir hier mit einer anderen vermeintlich unantastbaren Band nach.

DER VERHASSTE KLASSIKER: Tools angeblich 2019 erscheinende neue Album

Rockmusik liege unter deiner Würde, für klassische Musik allerdings fehlt dir der bildungsbürgerliche Furor? Außerdem hast du hässliche Tattoos? Du trägst „Kinnbart und hörst Musik, die im CD-Player eines Vierer-Golfs rotiert“*?

Kooperation

Na, da sag ich mal: Hallo Tool-Fan!

Schon 2011 sollte ein neues Album erscheinen. Dass eine Band es allerdings einfach nicht hinkriegt, ist nichts Besonderes. Bei Tool – Eigenschreibweise tool – sieht sich dieses Versagen allerdings mythisch aufgeladen vom Genie-Kult, der um die narzisstischen Gockel aus L.A. betrieben wird. Man spürt den Steifen zum Beispiel schon beim Lesen, den der Autor des Wikipedia-Artikels besaß. Speziell wenn er sich der ach so krassen Show-Off-Rhythmik der Band zuwendet:

„So ist der Song ‚Schism‘ beispielsweise auf langer Strecke ein 12er-Takt, der in 5 und 7 unterteilt wird anstatt in 4 mal 3. Der 5er-Block ist wiederum subdividiert in 2+3, der 7er in 2+2+3.“

Ja, alles klar. Wir haben „verstanden“. Tool, diese System Of A Down für Leute, die nie Sex haben, können also 4komma5 Sechzehntel im Quadrat durch die Primzahl spielen. Hey, ganz ehrlich: Dass so ein Quark normalerweise nicht in der Musik vorkommt, hat Gründe. Aber wartet ruhig weiter, liebe Tool-Fans. Euer „Chinese Democracy“ wird auch schon noch erscheinen (angeblich im April). Und es wird vermutlich ganz große prätentiöse Kacke sein – ohne dass Ihr Euch das je eingestehen dürft. Also noch viel Spaß beim Warten!

[*zitiert nach Dennis Kühn]

Dieser Rant erschien zuerst in Folge 3 von Linus Volkmanns Popkolumne auf musikexpress.de:

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