Helene Fischer bricht ihr ECHO-Schweigen: „Kollegah und Farid Bang auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend“

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Helene Fischer hat sich zum Fall Kollegah und Farid Bang geäußert. Auf Instagram und ihrer Homepage veröffentlichte die 33-jährige Schlagersängerin am Donnerstag ein ausführliches Statement, dessen Existenz an sich schon eine Besonderheit ist: Bisher war Helene Fischer dafür bekannt, Privates und Meinung völlig aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Dieses Thema aber „beschäftigt mich einfach zu sehr“, so Fischer. „Da ich mir meiner Verantwortung als Künstlerin und vielleicht auch als Vorbild für jüngere Generationen durchaus bewusst bin, richte ich mich jetzt direkt an euch!“

Helene Fischer fand es „unangemessen und beschämend“, Kollegah und Farid Bang bei der Preisverleihung auf der Bühne in dieser Art „performen“ zu sehen. Den ECHO zu gewinnen ist vielleicht das eine, die beiden dort auch noch auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend.“

Lest hier Helene Fischers vollständiges Statement zum ECHO 2018 und dem Skandal um Kollegah und Farid Bang:

„Ihr Lieben,

ich möchte mich heute mit diesem Post an euch wenden und zum ersten Mal die sozialen Medien dafür nutzen, um mein angebliches „Schweigen zu brechen“ und um ein paar Dinge ein für alle Mal klar zu stellen. Es ist eigentlich nicht meine Art mich auf diese Weise öffentlich zu äußern, nur weil es für einige Medien im Moment offenbar fast kein anderes Thema zu geben scheint. Es ärgert mich sehr, dass dieses Thema in dieser Form mit meinem Namen verknüpft wird. Genau aus diesem Grund vermeide ich es sonst eigentlich lieber, Statements oder Interviews zu anderen Themen als meiner Musik zu geben, um den Medien nicht immer noch mehr Futter zu geben. Oft genug wurde mir in den letzten Jahren alles Mögliche unterstellt. Ich musste mir ein wirklich dickes Fell zulegen. Aber dieses Thema beschäftigt mich einfach zu sehr. Da ich mir meiner Verantwortung als Künstlerin und vielleicht auch als Vorbild für jüngere Generationen durchaus bewusst bin, richte ich mich jetzt direkt an euch!

Wer die diesjährige Echo-Verleihung gesehen und die Debatte um die Rapper Kollegah und Farid Bang verfolgt hat, kann sich vielleicht vorstellen, warum ich euch dazu schreibe. Diejenigen, die mich bei meinen Konzerten besuchen, mich vielleicht auch abseits der Bühne getroffen haben, wissen, wie viel mir der liebevolle und respektvolle Umgang mit Menschen bedeutet. Meine Sprache war immer die Sprache der Musik, und sie wird es auch bleiben. Mit meinem Song „Wir brechen das Schweigen“, in dem es darum geht, Zusammenhalt zu spüren, Vertrauen in unsere Gesellschaft zu haben, gemeinsame Wege zu gehen und unsere Stimme zu erheben, um Dinge zu bewegen, habe ich euch deutlich gemacht, wie wichtig mir Werte wie Menschlichkeit, Toleranz, Respekt und Gewaltfreiheit sind. Ganz gleich, woran man glaubt, woher man stammt, welche Hautfarbe man hat oder wen man liebt. Von Herzen habe ich mir für euch nur eines gewünscht: L I E B E!!! Sie zu empfangen und zu geben, ist und bleibt nun mal der Schlüssel zu allem.

Warum ich das schreibe…

Ich möchte euch sagen, wie unangemessen und beschämend ich es fand, die beiden bei der Preisverleihung auf der Bühne in dieser Art „performen“ zu sehen. Den ECHO zu gewinnen ist vielleicht das eine, die beiden dort auch noch auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend. Schade, dass durch diese Provokation so viel Promotion entsteht – auch jetzt wieder, wenn ich diese Zeilen schreibe. Nicht nur, dass man ihren gewaltverherrlichenden, antisemitischen, homophoben und frauenverachtenden Texten ein Podium geboten hat … auch die Bedeutung des ECHO ist somit komplett in den Hintergrund geraten und von den Negativ-Berichten überlagert worden.

Ich hoffe sehr, dass alle Verantwortlichen die Umsetzung des ECHO überdenken, denn für mich wurde in diesem Jahr eine ethische Grenze klar überschritten. Trotzdem ist dieser Musikpreis (vielleicht auch: war) ein Publikumspreis, auf den man über die vielen Jahre auch stolz sein konnte. Ich auf jeden Fall habe mich über jeden einzelnen sehr gefreut, genauso wie viele andere Künstler vor und vielleicht auch nach mir. Trotzdem finde ich, hätte man vorher überlegen sollen, ob man Gewalt, Hass und Wut eine solch große Präsenz im Fernsehen geben muss. Ich nehme an, dass ihr mir zustimmt, wenn ich hier sage: Nein!!!

All den Anhängern dieser Musik möchte ich, so esoterisch es vielleicht auch klingen mag, Licht und Liebe schicken.

In diesem Sinne, auf die Verbreitung von Liebe!

Eure Helene“


zum Beitrag auf Instagram


Helene Fischer ist ECHO-Rekordhalterin

Bei der diesjährigen ECHO-Verleihung gewann Helene Fischer einen ECHO in der Kategorie „Schlager national“ für ihr Album HELENE FISCHER. Sie baute damit ihre Führung als ECHO-Rekordhalterin aus: In ihrer Karriere gewann Helene Fischer bisher 17 ECHOs. Die Preisverleihung ist deshalb seit Jahren auch unter dem Beinamen „Helene-Fischer-Festspiele“ bekannt.

Die Kritik am ECHO 2018 und die Folgen

Die ECHO-Verantwortlichen stehen seit Tagen unter schwerwiegender Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, mit Kollegah und Farid Bang zwei Rapper ausgezeichnet zu haben, deren Texte gewaltverherrlichend, rassistisch und mitunter antisemitisch seien. Tote-Hosen-Sänger Campino sprach sich während der Preisverleihung live und öffentlich gegen die Provokationen von Kollegah und Farid Bang aus, Kollegah reagierte mit Häme. Peter Maffay und andere forderten den Rücktritt der ECHO-Verantwortlichen, Klaus Voormann, Marius-Müller Westernhagen, Notos Quartett und Igor Levit wollen ihre Preise zurückgeben. BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke kündigte Änderungen im Regelwerk des ECHO Pop an.

Ebenfalls am Donnerstag distanzierte sich die Bertelsmann Music Group von Farid Bang und Kollegah. Man habe die Zusammenarbeit mit den Rappern vorerst gestoppt und wolle zudem eine Kampagne gegen Antisemitismus starten. Bloß: Der Vertrag zwischen Label und Musik galt ohnehin nur für ein gemeinsames Album, wie Vorstandschef Hartwig Masuch der FAZ sagte. 

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