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Nach Kollegah-Debatte: Die Regeln der ECHO-Verleihung werden geändert

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Zu der Kontroverse um Kollegah, Farid Bang und die geschmacklose Auschwitz-Zeile, die auf ihrem seit Donnerstag ECHO-prämierten Album JBG3 zu hören ist (bzw. auf einem Bonus-Track dazu), konnte man in den vergangenen Tagen die verschiedensten Stimmen vernehmen. Bild und RTL starteten mit heftiger Kritik an den Rappern, Kollegah veröffentlichte daraufhin ein bizarres Video, das als Kampfansage an die Medien verstanden werden darf. Und das für einige Zeit eine antisemitische Karikatur enthielt.

Bei der Verleihung der Preise war es wenig überraschend Hosen-Sänger Campino, der sich zitternd gegen die Rapper aussprach und der sich später den Konter von Kollegah anhören musste – mehr zum Schlagabtausch während der Verleihung findet Ihr hier. Die Kontroverse um die Textzeile und die Tatsache, dass ein Rapper, der schon in der Vergangenheit mit antisemitischen Bildern auffiel,  ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag mit einem der wichtigsten deutschen Musikpreise ausgezeichnet wird, brachte der Verleihung zwar Aufmerksamkeit und Quote, zeigte aber auch noch einmal deutlich, dass Verkauf beim ECHO deutlich mehr wert ist als Qualität.

„Preis muss überarbeitet werden“

JBG3 war durch starke Verkäufe in den Kategorien „Album des Jahres“ und „HipHop/Urban National“ nominiert, in letztgenannter gewannen die Rapper den Award, nachdem eine Fachjury unter den meistverkauften Alben auswählen durfte. Interessanterweise wurde die Fachjury für die Kategorie „HipHop/Urban National“ bisher nicht dafür kritisiert, ausgerechnet Kollegah und Farid Bang zu ehren. Während der Verleihung hat sich der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) zu dem Thema bedeckt gehalten, nun wurde ein Statement von Dr. Florian Drücke, Vorstandsvorsitzende des BVMI veröffentlicht, in dem Veränderungen für die kommende ECHO-Verleihung angekündigt werden.

Die wichtigsten Auszüge:

Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wir möchten an dieser Stelle in aller Deutlichkeit sagen, dass auch wir als Verband und Veranstalter des ECHO jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ablehnen. Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums führte zu einer Welle der Betroffenheit, die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert.

Als Konsequenz daraus wird der Preis auf Entscheidung des Vorstandes vom heutigen Tag nun überarbeitet werden, was die umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen einschließt.

Wie genau diese Änderungen aussehen werden, ließ Drücke allerdings noch offen. Bereits 2017 wurden im ECHO Fachjurys eingeführt, die die Preisvergabe weg von den nackten Verkaufszahlen führen sollten. Allerdings wurde dieses Konzept durch die Einschränkung der Stimmgewalt der Jurys direkt wieder kritisiert – auch von unserer Seite. 

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ECHO 2018: Klaus Voormann gibt den Preis für sein Lebenswerk zurück

Selten bot die ECHO-Verleihung im Nachgang so viel Gesprächsstoff. Zur Kontroverse um Kollegah, Farid Bang und die geschmacklose Auschwitz-Zeile, die auf ihrem seit vergangener Woche ECHO-prämierten Album JBG3 zu hören ist, konnte man in den vergangenen Tagen die verschiedensten Stimmen vernehmen. Auf unterschiedlichen Nachrichtenseiten wird über den Umgang mit Künstlern diskutiert, die mit solchen Textzeilen Aufmerksamkeit generieren wollen, der für den ECHO zuständige Verband hat am Sonntag eine Überarbeitung der Regeln angekündigt. Der Preis sei eine „große Enttäuschung“ Nun melden sich zwei ECHO-Preisträger, die ihre Auszeichnungen zurückgeben möchten. Klaus Voormann erhielt am vergangenen Donnerstag den Preis für sein Lebenswerk als Musiker…
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