Horsegirl Versions Of Modern Performance


Matador/Beggars/Indigo (3.6.)

von

Pferdemädchen haben einen miesen Ruf: Reich und verwöhnt sollen sie sein. Auch wenn so viel Pauschal-Schelte für Tierfreundinnen natürlich gemein ist, warnen Nora Cheng, Penélope Lowenstein und Gigi Reece trotzdem schon mal alle vor, die von einer Band namens Horsegirl zu viel Schönklang erwarten. „Anti-Glory“ heißt einer der besten Songs auf dem Debüt des Trios aus Chicago, und tatsächlich hält er, was es verspricht. Horsegirl singen und spielen, als täten sie es mit verebbender Kraft und komischen Träumen im Kopf, die sie durch einen Tag ohne Höhepunkte begleiten.

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Ja, der Himmel ist grau auf VERSIONS OF MODERN PERFORMANCE, aber Schönheit findet man auch zwischen zerwühlten Laken. Die Gitarren sind auf seltsam gestimmt wie bei Slowdive oder My Bloody Valentine, im Hintergrund ein undurchdringliches Rauschen und Dröhnen. Und dann sind da plötzlich Stücke wie „Beautiful Song“, in denen sich die süßen „Ba-ba-baaaas“ der drei wie ein zarter Silberstreif am Horizont anhören.

Von Übersee aus versuchen sich Horsegirl an einer Neubegutachtung englischer Undergroundgeschichte der 80er und 90er, klingen mal wie Broadcast als Grunge-Band, mal wie The Raincoats mit mehr Disziplin (und weniger Bewegungsdrang) – immer aber nach genau der richtigen Art glamourös müder glory.


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