Megaloh 21


Vertigo Berlin/Universal (VÖ: 13.8.)

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Megaloh spielt eine seltsame Sonderrolle im deutschsprachigen Rap. Mehr oder weniger souverän segelt er seit Jahrzehnten zwischen Gangsta- und Street-Rap auf der einen und Conscious Rap auf der anderen Seite. Von beiden Lagern wird der Berliner wahrgenommen, wenn auch nicht immer geschätzt. Dieses Sitzen zwischen den Stühlen setzt Uchenna van Capelleveen, wie Megaloh in seinem Pass heißt, auch fort auf 21, dem Nachfolger von REGENMACHER, das 2016 auf Platz zwei der Charts einstieg.

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Der Titel 21 steht für die alte Postleitzahl des Berliner Bezirks Moabit, in dem Megaloh aufgewachsen ist. Folgerichtig geht es immer mal wieder um die Vergangenheit, das Dis- wo-ich-her-komm und das Deshalb-bin-ich-so-wie-ich-bin. Ansonsten wird das gewohnte Ich-bin-der-Beste-Spiel aufgeführt (aber immerhin auch gebrochen), die Vaterschaft verarbeitet (arg kitschig, auch eine eher ungute Deutschrap- Tradition), ein Sack voll Gäste eingeladen (darunter Prominenz wie Kool Savas und Marteria) und trotz aller musikalischer Abwechslung (vom üblichen Klavier-Loop über düstere Beats und Latino-Einflüsse bis zu Drill) ganz demonstrativ auf alle Trap- oder Cloud-Neuerungen verzichtet.

Was man vor allem merkt: Megaloh hat endgültig keine Lust mehr, sich an die bisweilen ziemlich strengen Regeln des hiesigen Rap-Games zu halten, und dieses Album lässt sich lesen als Gegenentwurf zu einem der auf 21 durchaus vorhandenen, gerappten Geistesblitze: „Rapper müssen eine Rolle spielen, weil sie sonst keine Rolle spielen.“


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