The Smashing Pumpkins CYR


Rykodisc/Velvet Hammer (VÖ. 27.11.)

von

2018 hat Billy Corgan, wie man so sagt, die Band wieder zusammengetrommelt. Zumindest jenen Teil, der noch konnte und wollte nach all den Jahren. Seit dem etwas überprätentiös betitelten SHINY AND OH SO BRIGHT, VOL. 1 / LP: NO PAST. NO FUTURE. NO SUN. mit an Bord sind Jimmy Chamberlin (Schlagwerk), James Iha (Gitarre) und Jeff Schroeder (auch Gitarre), wobei von Gitarren auf den immerhin 72 Minuten von CYR nicht allzu viel zu hören ist.

🛒  CYR bei Amazon.de kaufen

Für die Abwesenheit von D’arcy Wretzky mag es gute Gründe geben (Drogensucht, Pferdehof, keine Übung mehr), den Bass übernimmt Mastermind Billy Corgan gerne auch noch. Allerdings war es Wretzky, unter deren Einfluss die Smashing Pumpkins seinerzeit das Fahrwasser von Depeche Mode kreuzten. Und CYR klingt über weite Strecken, als wolle Corgan daran anknüpfen: Es geht reichlich synthetisch zu. Kaum einer der 20 Titel beginnt nicht mit Keyboardflächen, die wirken wie flüchtig hingepatscht – um darauf dann einen Song aufzubauen, der drei Minuten trägt und nicht länger im Ohr bleibt.

THE SMASHING PUMPKINS – Ramona (Official Music Video) auf YouTube ansehen

Betont künstlich holpert dazu auch oft ein Drumbeat, als wären die 80er-Jahre nie zu Ende gegangen. Selten macht sich die Musik in psychedelische Weiten auf, wie sie etwa Tame Impala sie erforschen. Behauptung und damit weit hinter Arcade Fire zurück bleibt auch der Druck, den die Kompositionen aufzubauen bemüht sind. Es türmt sich nichts, es herrscht skelettierte Lakonie.

Zwar ist CYR das erste (Trommelwirbel!) Doppelalbum seit MELON COLLIE undsoweiter, aber doch nur eine Sammlung eher kleiner Brötchen. Modernisierung, die als eine Historisierung daherkommt, die sich wiederum auch schon längst überholt hat. Konstant bleiben nur die weltschmerzenden Texte und Corgans angenehm maulende Stimme, aber auch der Verdacht, dass dessen Songwriting das barocke Gewand besser steht als das hautenge Glitzerkostüm.

„CYR“ im Stream hören:


ÄHNLICHE KRITIKEN

Arcade Fire :: WE

Das kanadische Indie-Kollektiv lädt in sein neues Reich aus faszinierenden Gegensätzen.

Tempers :: New Meaning

Das Duo aus New York liefert den Dark-Wave-Soundtrack für den nächsten Nachtspaziergang.

Dave Gahan & Soulsavers :: Imposter

Die DM-Stimme verwandelt Klassiker in zartbittere Pop Noir.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Der Musikexpress 06/2022 mit Arcade Fire, Florence + the Machine, Rammstein & 50 geheimen Gastauftritten – die Themen im Überblick

Arcade Fire kehren zurück zu alter Stärke, Moderat füttern den Datenkraken und wir liefern euch die 50 interessantesten versteckten Gastauftritte underklären, wie The Supremes zu Superstars der Motown-Ära wurden – diese und weitere Themen im jetzt erschienenen Musikexpress 06/2022.

Gemeinsamer Song von Tame Impala und Diana Ross für Minions-Sequel angekündigt

Tame Impala und Diana Ross veröffentlichen in Kürze ihren gemeinsamen Titel „Turn Up The Sunshine“. Er ist Teil des Soundtracks zum neuen Minions-Film.

Arcade Fire zeigen neues Video zu „Unconditional I (Lookout Kid)“

Als Haupdarsteller fungieren neben der Band selbst haufenweise Kinder – und aufblasbare Riesenbuddys.


Der Musikexpress 06/2022 mit Arcade Fire, Florence + the Machine, Rammstein & 50 geheimen Gastauftritten – die Themen im Überblick
Weiterlesen