ME-Helden

Retrospektive: Die Alben der Smashing Pumpkins im Überblick

  • GISH (1991)

    Albumcover GISH von The Smashing Pumpkins

Billy Corgan greift nach den Sternen: Benannt nach dem Stummfilm-Star Lillian Gish und beeinflusst von seinen Jugendhelden Queen und ELO, paart er deren Bombast mit Vorgaben des Zeitgeists. Wie es sich für einen Shoegazer gehört, versteckt der ohnehin nicht für seine Sangeskünste bekannte Corgan seine Stimme hinter Gitarren und noch mehr Gitarren. Ein Songwriterlevel, wie er es hier etwa auf „Rhinoceros“ oder „Siva“ demonstriert, muss man auf einem Debüt noch nicht erreicht haben.

Sterne: 4/6

  • SIAMESE DREAM (1993)

    Albumcover SIAMESE DREAM von The Smashing Pumpkins

Kaum zum Shootingstar des Alternative Rock avanciert, tritt Corgan dessen tragende Säulen um: Der Lo-Fi-Seligkeit seiner neuen Kollegen hält er Songs mit 100 Gitarrenspuren entgegen. Im Opener „Cherub Rock“ rechnet er mit der Indie-Polizei ab. Mit einem sicheren Händchen für Popmelodien verschmilzt er ekstatischen Dream-Pop mit brutalem Hardrock, lässt „Disarm“ gar von Streichern tragen. Soundtrack einer Generation.

Sterne: 6/6

  • MELLON COLLIE AND THE INFINITE SADNESS (1995)

    Albumcover MELLON COLLIE AND THE INFINITE SADNESS von The Smashing Pumpkins

Vom Erfolg beflügelt, der endgültige, allumfassende Befreiungsschlag: Ein Piano-Instrumental führt in das orchestrale „Tonight, Tonight“, der College-Pop-Hit „1979“ rollt auf Samples und Loops, im psychedelischen „Cupid De Locke“ kommen sogar Scheren zum Einsatz. Ihre Jahrzehnt-Riffs machen „Bullet With Butterfly- Wings“ und „Zero“ zu Genre-Hymnen. Das neben dem „Weißen Album“ andere nicht reduzierbare Doppelalbum der Rockgeschichte. Nach diesen 28 Songs hätte nichts mehr kommen müssen.

Sterne: 6/6

  • ADORE (1998)

    Albumcover ADORE von The Smashing Pumpkins

Der Umbruch nach dem Durchbruch. „Twilight To Starlight“ hieß die zweite Seite des monumentalen MELLON COLLIE. Der Nachfolger eröffnet mit der Zeile „Twilight fades“ und führt in ein sehr akustisch gehaltenes Kontrastprogramm. Mutiger Move, doch das Material ist schwächer als das Konzept. 73 Minuten Spielzeit sind zu viel, gute Songs zu wenig. Dass Corgan die Platte als Techno-Album angekündigt hat, trägt zu ihrem Flop bei.

Sterne: 2,5/6

  • MACHINA/THE MACHINES OF GOD (2000)

    Albumcover MACHINA von The Smashing Pumpkins

Die nächste Kehrtwende: Verschüchtert kehrt Corgan in den vermeintlich sicheren Hafen des Rock zurück. Dort wiederholt er seinen letzten Fehler: Wieder sollen es 73 Minuten sein, wieder rechtfertigt die Musik nicht die epische Spielzeit. Bereits beim zweiten Song „Raindrops + Sunshowers“ schielt man ungeduldig auf die Uhr.

Sterne: 3/6

  • MACHINA II/ THE FRIENDS & ENEMIES OF MODERN MUSIC (2000)

    Albumcover MACHINA II von The Smashing Pumpkins

Das „Cars 2“ oder sogar „Hobgoblins 2“ der Popmusik? Sequel zu einem ohnehin ungeliebten Original. Dazu 25 Songs lang, wobei manche davon „Alternative Takes“ sind. Immerhin machen die zwei Minuten des rasenden Openers „Glass“ mehr Spaß als der gesamte Teil 1 der ominösen MACHINA- Saga. Kompromissloser als zuletzt und roh produziert wie nie davor, wirkt dieses Kompendium aus Album und drei EPs wie vielversprechende Demos einer Band, von der man sich nichts mehr versprochen hatte.

Sterne: 3,5/6

  • ZEITGEIST (2007)

    Albumcover ZEITGEIST von The Smashing Pumpkins

Nach zwei gefloppten Interimskarrieren will Corgan „seine Pumpkins“ zurück, bekommt aber nur den hundstreuen Chamberlin. Die fantastische Leadsingle „Tarantula“ lässt den Etikettenschwindel zunächst vergessen, doch keiner der anderen, meistens tumb rockenden Songs erreicht dieses Niveau.

Sterne: 2,5/6

  • OCEANIA (2012)

    Albumcover OCEANIA von The Smashing Pumpkins

Corgan besinnt sich auf seine Stärken, eifert dem SIAMESE-Sound nach, verstärkt dessen Prog-Anteil. Hätte besser in die mittleren 90er gepasst. Noch besser freilich in die mittleren 70er.

Sterne: 3,5/6

  • MONUMENTS TO AN ELEGY (2014)

    Albumcover MONUMENTS TO AN ELEGY von The Smashing Pumpkins

Man traut sich was: Hörerfreundlichkeit. Neun, klaren Popformeln folgende Songs, keiner über vier Minuten. Synthieläufe statt kieferbrechender Riffs. „Tiberius“ wirkt wie „Today“ für Vorschüler an der Schwelle zur Rock’n’Roll-Highschool. „Run 2 Me“ arbeitet gar mit einem Dance-Beat.

Sterne: 3/6

Lest hier unsere Rezension zum neuen The-Smashing-Pumpkins-Album SHINY AND OH SO BRIGHT VOL. 1 / NO PAST. NO FUTURE. NO SUN. Und/Oder hört Euch die Platte gleich selbst an:

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