Künstler der Woche

Warum Rick Astley sein neues Album mitten im Sommerloch veröffentlichen kann

„Die Sensation ist perfekt: RICK ASTLEY meldet sich mit einem neuen Album zurück!“

Nein, diese Schlagzeile kommt nicht von uns, einem Fan oder irgendeinem anderen Presseprodukt. Sie kommt aus einer E-Mail von Rick Astleys Plattenfirma, und selbst für deren ausführende PR-Agenturen, deren Job es nun mal ist, „Themen zu setzen“, klingt dieser Satz fast hyperventilierend. Denn, bei aller Liebe für das vor ein paar Jahren wieder auferstandene One-Hit-Wonder der Achtziger und dessen Meme-Glorifizierung: Eigentlich ist es doch nur ein weiteres neues Album von einem netten Kerl mit einer okayen Stimme, der halt wieder da ist. Oder?

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Sieht auch mit 52 noch aus wie 40: Rick Astley im Jahr 2018
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Wer Rick Astley war, müssen wir keinem mehr erklären: Der britische Sänger mit der Rock’n’Roll-Fönfrisur galt als angehender Superstar, als er mit seiner 1987 erschienenen Debütsingle „Never Gonna Give You Up“ aus dem Stand Platz 1 der Charts in England, USA und Deutschland erreichte. Das dazugehörige, von Stock Aitken Waterman (Bananarama, Mel & Kim, Kylie Minogue, Jason Donovan) produzierte Platin-Album WHENEVER YOU NEED SOMEBODY hielt noch die Hitsingles „Whenever You Need Somebody“ und „Together Forever“ bereit – weiter bergauf ging es für Astley danach leider nicht.

Das zweite Album HOLD ME IN YOUR ARMS erreichte zwar noch Goldstatus in drei Ländern, dessen Nachfolger FREE schaffte dies noch in England. Bei dessen Songwriting und Produktion aber waren Stock Aitken Waterman nicht mehr an Bord. Bis 1993 verkaufte Astley 40 Millionen Platten weltweit. Im gleichen Jahr erschien mit BODY & SOUL ein Album mit erwachsenerem Sound und Songwriting. Weil Astley zeitgleich seinen Rückzug aus Popmusik und Öffentlichkeit erklärte, um sich um seine Familie zu kümmern, wurde die Platte kaum beworben. Sein Comeback-Versuch KEEP IT TURNED ON erschien 2001 ausschließlich in Deutschland; dies und das Nachfolgealbum PORTRAITS (mit Coversongs) kamen aus aus dem Nichts und verschwanden prompt wieder dahin. Dass Rick Astley überhaupt noch beziehungsweise wieder Musik macht und Konzerte spielt, wussten mutmaßlich nur seine Familie und seine ganz treuen Fans, die ihm seit 1987 folgten. Bis 2007.

Vom Rickrolling beflügelt

Wer Rick Astley ist, dürfte einer neuen Generation trotzdem nicht im Verborgenen geblieben sein: Er war schon immer in erster Linie der Kerl, der in den Achtzigern „Never Gonna Give You Up“ sang. 2007 aber wurde der Song buchstäblich neu aufgerollt: Rick Astley ging plötzlich mit dem so genannten „Rickrolling“-Meme als virales Internetphänomen um die Welt. Usern wurden Links empfohlen, die für sie interessante Inhalte suggerierten – stattdessen aber landeten sie beim Musikvideo zu „Never Gonna Give You Up“. Am 1. April 2008 trollte YouTube seine Nutzer gar damit, dass an jenem Tag JEDES Video auf ihrer Startseite zu Astley führte. Auch die Foo Fighters bekannten sich als Fans, trollten einst die Westboro Baptist Church damit. Finanziell brachte Astley die Aktion fast keinen Cent ein. Seinem Kult-Image hat es aber freilich nicht geschadet.

Von diesem Aufwind mutmaßlich beflügelt, machte Astley sich an neue Musik. Um Songwriting, Gesang und Aufnahmen kümmerte Astley sich im Alleingang und wurde dafür belohnt: Sein 2016 erschienenes achtes Studioalbum 50 wurde sein erstes Nr.-1-Album seit seinem vor 29 Jahren erschienenen Debüt. Er ging wieder auf Tour, gab gute Interviews (wir sprachen mit ihm zum Beispiel über… äh… Tee) und bewies, dass ein ewiges Dasein als One-Hit-Wonder und abgeschriebenes Blatt nicht nur Bürde, sondern auch Chance sein kann. Spontane Auftritte mit Dave Grohl macht er mit, covert von den Foo Fighters über Bruno Mars bis Ed Sheeran auf seinen Shows selbst gerne andere Künstler und singt bei Chören seinen eigenen größten Hit mit.

Und nun also ein weiteres neues Album: BEAUTIFUL LIFE heißt es, erscheint mitten im Sommerloch am 13. Juli (mutmaßlich weil die Plattenfirma sich dadurch einen hohen Chart-Entry erhofft) und dürfte – wenn der Inhalt hält, was der Titel verspricht – genauso angenehm und egal klingen wie seine erste Vorabsingle „Empty Heart“. Die ist lebensbejahend, beginnt wie eine Ronan-Keating-Nummer, punktet mit gefälligen  Bläsern und Backgroundvocals, driftet im Refrain leider in völlige Belanglosigkeit ab und wird sich deshalb hervorragend in jeder Privatradio-Playlist machen. Oh, eine beschwingtere neue Single gibt es nun auch:

https://youtu.be/EPUVstUH22k

Wir korrigieren also: Ehrlicher wäre statt „Die Sensation ist perfekt: RICK ASTLEY meldet sich mit einem neuen Album zurück!“ die Headline „Rick Astley bringt ein neues Album heraus, weil er neue Songs geschrieben hat und damit er wieder auf Tour gehen kann“. Nicht mehr als das dürfte ihm und seinen Fans völlig ausreichen. Never Gonna Give You Up!

Rick Astley auf Deutschland-Tour 2018 – die Termine:

  • 13.09.18 München
  • 14.09.18 Frankfurt
  • 16.09.18 Köln
  • 17.09.18 Hamburg
  • 18.09.18 Berlin

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PR / Rankin

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