So steht es um die Diversität in den deutschen Charts

von

Am 31. Mai 2022 wird bundesweit der bereits zehnte Diversity Day gefeiert. Zu diesem Anlass hat sich die französische Musikplattform „Qobuz“ die deutschen Charts vorgenommen, um sie auf ihre Diversität zu prüfen. Dafür wurden alle Top-20-Charts-Songs seit dem Jahr 2000 untersucht und nach Geschlecht und Genre geordnet. Dabei wurden auch weibliche Mitglieder von Bands berücksichtigt. So stellte das Unternehmen fest, dass mit 74 Prozent knapp drei Viertel der Top-Künstler*innen Männer seien und Frauen mit 26 Prozent ca. ein Viertel der Chart-Landschaft ausmachten. „Qobuz“ will außerdem festgestellt haben, dass die Frauenquote in den Charts im Jahr 2021 ihren „absoluten Tiefstwert“ erreicht habe.

Vorbild war eine amerikanische Studie

Orientiert haben soll sich die Studie an einer vorherigen Untersuchung der University of Southern California Annenberg. Diese hätte im vergangenen Jahr die US-Charts-Songs bezüglich der Geschlechter ihrer Interpret*innen untersucht. Festgestellt wurde, dass im Jahr 2020 nur ein Fünftel aller Top-Hits in den USA von Frauen kamen. Die Werte der vergangenen Jahre hätten noch schlechter ausgesehen. Inspiriert von der Idee, analysierte „Qobuz“ die deutschen Charts und kam zu ähnlich niedrigen Frauenquoten.

Niedrigste Frauenquote im Jahr 2021 erreicht

Im vergangenen Jahr sollen nur insgesamt sieben Prozent der Hits aus den deutschen Top-20-Charts von Frauen gestammt haben. Dieser Wert sei der niedrigste, der innerhalb der Jahre 2000 bis 2021 festgestellt werden konnte. Erstmalig sei die Zahl damit unter zehn Prozent gesunken. Ausschließlich Olivia Rodrigo, Måneskin-Bassistin Victoria De Angelis und Rapperin Badmómzjay hätten die siebenprozentige Quote möglich gemacht. Damit seien die Charts in puncto Diversität rückschrittig.

Der Höchstwert von 49 Prozent Frauenanteil in den Charts wurde im Jahr 2002 festgestellt. Sängerinnen wie Shakira, Nelly Furtado und P!nk hielten die Quote hoch, genauso Girlgroups wie Las Ketchup mit dem „Ketchup Song“ und die aus der Castingshow „Popstars“ hervorgegangene Formation No Angels. Ebenfalls sehr hoch war der Frauenanteil 2001 und 2010 (jeweils 39 Prozent).

„Talentierte Frauen müssen gehört und gefördert werden“

Zuletzt merkt „Qobuz“-Managerin Mareile Heineke an, dass es auch hinsichtlich der Diversität in der HipHop-Branche noch Luft nach oben gebe: „Sechs der acht Chart-Platzierungen des Genres Hip-Hop wurden von deutschen Rappern erreicht, was zeigt, dass heimischer Hip-Hop in Deutschland am populärsten ist. Allerdings: Auch hier leidet die Diversität, denn selbst im Top-Jahr für Hip-Hop 2020 hat es keine Rapperin in die deutschen Charts geschafft.“


Greentech Festival 2022: Hier wird Nachhaltigkeit neu gedacht
Weiterlesen