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Neues Album, neue Tour - nach fünfjähriger Pause und Bill Wymans Abgang lassen Jagger und Co. die Steine wieder rollen. Mit dabei: Stings Bassist Darryl Jones

Bei den Rolling Stones hat jeder kleine Puplicity-Gag seine Bedeutung – und sei sie noch so unterschwellig. Weshalb sonst tuckern sie wohl mit der ausgemusterten Präsidentenyacht „Honey Fitz“ zur Pressekonferenz über den Hudson River? Das Boot, mit dem vier sichtlich ausgeruhte und gutgelaunte Herren am schrottreifen Pier 60 in Manhattan vor Anker gehen, hat seine besten Jahre bereits hinter sich: in einer Zeit, als JFK noch das Weiße Haus bewohnte und die Rolling Stones ihre Karriere begannen.

Kennedy ist bekanntlich schon eine Weile tot. Aber die Rolling Stones – minus Brian Jones (auch tot), minus Mick Taylor (musikalisch scheintot), minus Bill Wyman (schon immer mumienhaft) – leben noch. Und diesen Umstand wollen sie ihren Fans, die ja bekanntlich auch nicht totzukriegen sind, sowie deren Kindern und Kindeskindern in diesem Jahr verstärkt ins Gedächtnis rufen.

„Voodoo Lounge“, das erste Studioalbum seit 1989, kommt am 12. Juli auf den Markt. 15 neue Titel haben die Stones weitestgehend live in Dublins Windmill Lane-Studio eingespielt, kompakt und druckvoll produziert von Don Was. Die erste Single-Auskopplung „Love Is Strong“, seit Ende Juni auf dem Markt, nimmt die stilistische Marschrichtung erwartungsgemäß vorweg: Rhythm & Rock in bekannter Stones-Manier. Bei „You Got Me Rockin'“, dem zweiten Single-Aspiranten, klimpert das Honky Tonk-Piano, Richards‘ typische Gitarren-Splitter verhelfen „I Go Wild“ zum titelgerechten Flair. Mit „Out Of Tears“ ist auch eine Ballade mit von der Partie, bei der Ron Wood beherzt zum Bottleneck greift. Bill Wymans Abwesenheit fällt nicht im geringsten auf, Ex-Sting-Bassist Darryl Jones fügt sich kompetent und unauffällig in den Gruppen-Kontext ein.

Keine Platte ohne Tour, auch wenn das Reisen in zunehmendem Alter immer anstrengender wird. Während Ron Wood „erst“ 46 Jahre alt ist, haben Mick Jagger und Keith Richards inzwischen ein halbes Jahrhundert voll gemacht, und Charlie Watts bringt es bereits auf 52 Lenze. Aber kneifen gilt nicht: Das „Voodoo Lounge“-Spektakel beginnt am 1. August in Washington und soll über Südamerika und Asien im nächsten Jahr auch Europa erreichen. Als Support – zumindest in den USA – stehen die Stone Temple Pilots, Counting Crows und Lenny Kravitz zur Debatte. Ob der Erfolg der letzten Tour übertroffen wird, ist die große Frage: Die 1989er-„Steel Wheels“-Tournee spielte über 160 Millionen Mark ein, eine Rekordmarke, die noch immer steht.

Aber das Geld allein, so gibt Mick Jagger zu bedenken, könne die Band ohnehin nicht motivieren, sich in den Riesensportstadien 60.000 Zuschauern zu stellen. Da bringt einen augenzwinkernden Mick Jagger doch ganz was anderes auf Touren: „Das viele Bier, das man unterwegs trinken kann. Und natürlich die Mädchen unten in der ersten Reihe“.