12 Post-Grunge-Bands, die das Genre wohl oder übel am Leben halten

von

Bei all der 80s-Synthie-Retromanie der vergangenen Jahre und auch dem kleinen Pop-Punk-Revival, das seit geraumer Zeit um Ex-Rapper Machine Gun Kelly entsteht, wird oft ein Dauertrend vergessen. Im Formatradio lebt er noch immer: der Post-Grunge.

Ende der 80er lehnten viele junge Rockbands den erfolgreichen Glam Metal ab. Sie luden dagegen den Heavy Metal der 70er mit Punk auf und setzten auf eine neue Ästhetik. Die Bewegung, die sich vor allem in und um Seattle ballte, wurde von den Medien als „Grunge“ hochgeschrieben und Nirvanas NEVERMIND-Album von 1991 läutete ihre kurze Epoche ein bis zu Kurt Cobains Suizid 1994. Im selben Jahr starteten Green Day mit DOOKIE und Pop-Punk durch, Oasis, Blur und Suede mit Britpop.

Zurück blieb die Grunge-Bewegung, die sich jedoch nicht völlig auflöste. Viele ihrer frühen Vertreter wie etwa Stone Temple Pilots setzten ihren Kurs fort und in der zweiten Hälfte der 90er entstanden sogar neue Bands wie Seether. Einzelne Gruppen wie Staind konnten sich im NuMetal-Umfeld etablieren. Sie alle wurden nun auch wegen ihrer zunehmenden Mainstream-Orientierung als „Post-Grunge“ tituliert. Viele machen bis heute unter dem Label „Alternative Rock“ Musik, darunter die 12, die wir Euch hier vorstellen.

Goo Goo Dolls

Die Goo Goo Dolls gehören als Vorreiter, Begleiter und Erben zu den dienstältesten (Post-)Grunge-Bands. 1986 gegründet, bewegen sie sich inzwischen eher im Indierock-Bereich. Das kommt nicht mehr an: MIRACLE PILL von 2019 landete in den USA nur auf Platz 92 und ist damit das am schlechtesten platzierte Album der Band seit 1993. Und das Weihnachtsalbum IT’S CHRISTMAS ALL OVER vom vergangenen Jahr schaffte es nicht mal in die Charts. Wer die Goo Goo Dolls abseits ihres Mega-Hits „Iris“ vom „City Of Angels“-Soundtrack (1998) kennen lernen will, der höre sich stattdessen lieber das diesjährige RARITIES an, eine Sammlung aus B-Seiten und Live-Aufnahmen. Aufgeben wollen sie noch nicht und arbeiten bereits an ihrer 13. Platte.

Stone Temple Pilots

Die Stone Temple Pilots haben mehrere Neugründungen hinter sich, von den ursprünglichen Mitgliedern sind nach wie vor die Brüder Dean und Robert DeLeo dabei. Seit Ende der 80er vertreten sie einen ganz eigenen Sound, der von vielen ihrer Fans auch als „größer als Grunge“ beschrieben wird. Funk- und Blues-Einflüsse waren immer zu spüren. Ihr letztjähriges Akustikalbum PERDIDA ist das zweite mit dem Sänger Jeff Gutt, nachdem seine Vorgänger Scott Weiland und Chester Bennington verstorben sind. Wer übrigens Bennington nur als Shouter von Linkin Park kennt und ihn daher für einen NuMetaller hält, der irrt.

Grey Daze

Chester Bennington war und blieb Zeit seines Lebens dem Grunge treu. 1993 trat er der Band Grey Daze bei und wurde ihr Sänger für zwei geradezu depressiv klingende Alben. Dann ging er 1999 zu Xero, aus denen Linkin Park entstanden. Sein weltweiter Erfolg bis 2017 ließ ihn Grunge nicht vergessen: Von 2005-2010 widmete er sich dem Nebenprojekt Dead By Sunrise und vertrat kurzzeitig von 2013-2015 Weiland als Sänger der Stone Temple Pilots. Um Bennington nach seinem Suizid 2017 als Rockmusiker zu ehren, organisierte der einstige Grey-Daze-Schlagzeuger Sean Dowdell 2020 das Remix-Album AMENDS, an dem auch Mitglieder von Dead By Sunrise und Bush mitwirkten. Im Januar 2021 folgte die Akustik-EP Amends…Stripped.

Bush

Die Briten Bush fanden sich 1991 in London zusammen und haben ihren Stil eines komplexen Songwritings immer wieder verändert. Von der Ursprungsbesetzung ist nur noch Sänger Gavin Rossdale dabei. Ihr letztjähriges Album THE KINGDOM ist nicht nur politisch, sondern auch purer Post-Grunge. 2022 kommen sie auf Tour nach Deutschland.

Fuel

Aus Schulbands kannten sich einige Musiker, die sich 1994 Fuel nannten. Die Band hat in ihrer Geschichte eine Menge Mitglieder, darunter vor allem Drummer hinter sich gelassen. Nur Frontmann Brett Scallions blieb. Ihr aktueller Stil, den sie auf dem brandneuen Album ÅNOMALY vom 22. Oktober 2021 präsentieren, lässt sich eher als Alternative Metal denn als Post-Grunge beschreiben.

Foo Fighters

Die Foo Fighters sind die Kopfgeburt von Nirvana-Drummer Dave Grohl. Schon während der letzten Jahre seiner Vorband schrieb er an eigenen Stücken, die er jedoch erst nach Cobains Tod veröffentlichte. Sein erklärtes Ziel war es, dem destruktiven Impetus von Nirvana positive Botschaften entgegen zu setzen, ohne den Grunge zu verraten. Damit schafften es Foo Fighters in die erste Reihe der (zumindest biografischen) Post-Grunge- und Stadionrockbands und auch das diesjährige Album MEDICINE AT MIDNIGHT schaffte es problemlos auf Platz 1 in Deutschland.

Hoobastank

Noch 1994 gegründet, entstammten die Mitglieder von Hoobastank eher der Funk- und Ska-Szene, wie man ihrem Erstling THEY SURE DON’T MAKE BASKETBALL SHORTS LIKE THEY USED TO (1998) gut anhört. Das selbstbetitelte Album von 2001 lässt sich als Mischung aus NuMetal und Post-Grunge beschreiben. Doch selbst ihr bisher letztes Studiowerk PUSH PULL (2018) hat noch Post-Grunge in sich.

Nickelback

Die Kanadier Nickelback gründeten sich 1995 und sind bis auf den Verschleiß mehrerer Drummer als Band zusammengeblieben. Von der groovenden NuMetal-Hoffnung entwickelten sie ihren Post-Grunge immer mehr in Richtung Pop-Rock, wofür sie in der Rockszene gerne gedisst werden. Warum eigentlich? Ihre durchaus härter rockende aktuelle LP FEED THE MACHINE von 2017 landete hierzulande zumindest auf Platz 6.

Staind

Ebenfalls 1995 kamen Staind zusammen und wurden 1997 von Fred Durst entdeckt, dem Frontmann von Limp Bizkit. Dem erklärten Cobain-Fan gefiel der traurige Gesang von Aaron Lewis und er führte dessen Band in die Numetal-Szene ein. Ob nach der bisher letzten selbstbetitelten Veröffentlichung von 2011 noch einmal etwas Neues kommt, ist ungewiss. Dennoch trat die Band noch bis zum Lockdown im vergangenen Jahr live auf.

3 Doors Down

Seit 1996 vertreten 3 Doors Down einen eher ruhigen Post-Grunge, der sie mitunter auch in die Gefilde des Pop-Rock führt. Seit US AND THE NIGHT von 2016 ist es ruhig um sie geworden, obgleich die Band 2018 die Arbeit an neuem Material verkündete.

Seether

Die Südafrikaner Seether gründeten sich zwar erst 1999, jedoch in klarer Anlehnung an Nirvana. In den 2000ern näherten sie sich der NuMetal-Fraktion an. Ihren düsteren Hard Rock haben sie zu einem eigenen Stil geführt, der auch im Album SI VIS PACEM, PARA BELLUM von 2020 wieder gut durchschien.

Alter Bridge

Alter Bridge setzten sich ab 2004 zum einen aus dem Sänger Myles Kennedy von The Mayfield Four und zum anderen aus den Instrumentalisten der Post-Grunge-Band Creed zusammen. Ihre wilde Rock-Stilmischung, wie sie auch in WALK THE SKY von 2019 vorliegt, hört man den Post-Grunge kaum mehr an.

Weitere Highlights


Nirvana-Baby: Spencer Elden ändert Klage und wirft Kurt Cobain pädosexuelle Fantasien vor
Weiterlesen