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Blackout Tuesday
ME-Heldin

Amy Winehouse: Die Leiden der jungen A.

Soul bedeutet Seele. Und keine Seele war verletzlicher als die von Amy Winehouse. Ein Mädchen aus London, das mit 20 Jahren ihr Debütalbum veröffentlichte und mit 23 ihr Großwerk. Eine Musikerin, deren Stimme so gewaltig war wie die Songs, die sie sang. Und eine, die den Exzess lange in ihr Leben einpreiste – so lange, bis er sie ebenjenes kostete.

Irgendwann, im Sommer 2004, Amy Winehouses Debüt FRANK war ein dreiviertel Jahr zuvor erschienen, nahm sie ihre Reisetasche. Sie packte Kleidung für drei Wochen ein und ihr Manager Nick Shymansky fuhr sie in eine Entzugsklinik in Surrey, wo sie, so glaubte sie, eine Woche zur Entgiftung bleiben sollte. Vor Ort eröffnete man ihr, dass daraus wohl eher zwei Monate werden würden. Amy Winehouse ging, als sie das hörte. Zu Hause kochte sie erst einmal allen, die da waren, eine Kanne Tee. Sie setzte sich, so erinnert es Shymansky, auf den Schoß ihres Vaters und fragte, ob sie denn wirklich gehen müsse. „Natürlich nicht“, habe der gesagt.

Etwa zwei Jahre später lief sie mit Mark Ronson durch die Straßen New Yorks. Sie erzählte ihm die Geschichte, sang kurz: „They tried to make me go to rehab, no, no, no.“ „Gute Hook. Von wem ist das?“, fragte der Produzent. „Das habe ich mir gerade ausgedacht“, entgegnete sie. Am nächsten Tag hatte Ronson einen passenden Groove gefunden. Der Song, , „Rehab“ wurde zum Opener ihres zweiten, Ende 2006 erschienenen Albums BACK TO BLACK. Es ist ein riesiger Hit, vielleicht der größte der Platte, er rollt mit satten Bläsern und einem scheppernden Beat nach vorne.

Ein klassischer Fall von falscher Selbsteinschätzung

Vor allem aber erzählt Winehouse mit dieser Donnerstimme, die weiß Gott nicht nach einem schmalen Mädchen aus der britischen Hauptstadt klingt, sondern eher nach dem amerikanischen Süden, in dem Song etwas. Dass sie einfach keine Zeit für so etwas wie eine Entziehungskur habe, zum Beispiel, und „I’d rather be at home with a Ray“, später „There’s nothing you can teach me that I can’t learn from Mr. Hathaway“ und „My daddy thinks I’m fine“. Vater, das hatten wir ja schon, denkt also, dass das alles halb so wild ist. Und kann man von Ray Charles und Donny Hathaway nicht viel mehr lernen, als wenn man irgendwo im Krankenhaus sitzt und sich nicht mal ein paar Drinks zur Brust nehmen kann?



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