Charli xcx verschwindet aus dem Internet – was plant sie wirklich?
Leeres Profil, letzter Abschied, wilde Theorien: Charli xcx hat ihre Social-Media-Präsenz fast vollständig geleert – und die Fanbase mit Spekulationen zurückgelassen.
Charli xcx hat ihr digitales Archiv nahezu ausgelöscht und damit eine Welle an Spekulationen ausgelöst. Auf ihrem Instagram-Account verbleiben nur noch drei Beiträge: ein Post zur Veröffentlichung ihres Albums „brat“, eine Kampagne für Yves Saint Laurent sowie Promotion für ihren Film „The Moment“. Gleichzeitig verschwand der „brat“-Verweis aus ihrer Bio, das Profilbild ersetzte sie durch eine schlichte graue Fläche, sämtlichen Accounts entfolgte sie.
Auch den Nebenaccount „360_brat“, bislang digitales Herzstück der Ära, leerte sie vollständig. Wo zuvor Tourankündigungen, Teaser und Updates zur „brat wall“ zu sehen waren, bleibt nun Leere. In einer letzten Botschaft verabschiedete sie sich mit den Worten: „Der einzige Grund dafür, dass ich dort bin, wo ich jetzt bin, ist wegen euch, ernsthaft. Danke für alles, dafür, dass ihr an mich glaubt, meine Nuancen versteht und euch dafür interessiert. Es war so besonders. Ich liebe euch alle so sehr! Wir sehen uns nächstes Mal.“ Ein Satz, der ebenso nach Pausenzeichen wie nach bewusst gesetztem Cliffhanger klingt.
Das Ende einer Ära
Seit 2024 dominiert die Britin nicht nur Playlists, sondern auch visuelle Diskurse. Das grelle Grün, die kompromisslose Attitüde, der Hedonismus – „brat“ war ein kulturelles Statement. Dass Künstler:innen nach einem intensiven Zyklus ihre Social-Media-Präsenz zurücksetzen, ist kein ungewöhnlicher Schritt. Oft markiert er das formelle Ende einer Ära und den Übergang in eine neue Phase. Im Fall von Charli xcx fällt dieser Reset jedoch in eine Zeit, in der sie ihre Karriere zunehmend diversifiziert.
Fokus Film: Neue Rollen, neue Räume
Parallel zu ihrem Pop-Erfolg baut die Britin ihre Filmografie weiter aus. Bereits in den vergangenen Jahren fand ihre Musik verstärkt Eingang in Filmproduktionen, etwa in „Bodies Bodies Bodies“ oder auch „Bottoms“. Zudem hatte sie eine kleine Gastrolle in der Serie „Overcompensating“ und war dort auch als Produzentin beteiligt.
2026 verlagerte sich der Schwerpunkt noch deutlicher Richtung Film. Statt einzelner Songs steuert sie nun komplette Projekte bei – unter anderem ein eigens produziertes Soundtrack-Album zur Verfilmung von „Wuthering Heights“. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Kreativpartner Aidan Zamiri realisiert sie zudem die Mockumentary „The Moment“. Darin spielt sie eine fiktionalisierte Version ihrer selbst – ein selbstreferenzielles Projekt über Ruhm, Inszenierung und Erwartungshaltungen im Popgeschäft.
Ein Blick auf ihre IMDb zeigt, dass das „365 Partygirl“ derzeit auch ein „365 Working Girl“ ist. Im Erotik-Thriller „I Want Your Sex“ übernimmt sie die Rolle der Minerva; im Drama „Erupcja“ steht sie als Bethany vor der Kamera und fungiert zusätzlich als Co-Autorin und Produzentin. Darüber hinaus gehört sie zum Ensemble von „100 Nights of Hero“ und der Action-Satire „Sacrifice“. Außerdem wirkt sie im Horror-Remake „Faces of Death“ sowie im Thriller „The Gallerist“ mit. Mehrere dieser Produktionen sollen noch 2026 erscheinen.
Die „XCX World“-Spekulation
Während ein Teil der Fans einen strategischen Karriereumbau vermutet, klammert sich ein anderer an eine alte Hoffnung: die Veröffentlichung von „XCX World“. Das nie erschienene Album entstand zwischen 2015 und 2017 in enger Zusammenarbeit mit der 2021 verstorbenen Produzentin SOPHIE. Nach Leaks und internen Umstrukturierungen kam das Projekt zum Erliegen. Einzelne Songs kursieren seit Jahren in Fan-Communities; das Album gilt in der Blase als Mythos – als verlorenes Bindeglied zwischen experimentellem Hyperpop und Mainstream-Ambition.
Neue Dynamik erhielt diese Theorie durch einen Auftritt von Charli xcx im YouTube-Video der Influencerin Quen Blackwell. Ihre „schwulen Redakteure“ würden ihr drohen, wenn sie nicht nach „XCX World“ frage, so Blackwell zur Einleitung. Eine humorvolle, aber deutliche Illustration, wie obsessiv Teile der Fanbase auf eine Veröffentlichung hoffen. Auf die direkte Frage, ob sie plane, das Projekt doch noch herauszubringen, antwortete Charli xcx sinngemäß: „Weißt du was? Ich habe darüber nachgedacht, das vielleicht zu machen.“ Eine klare Bestätigung klingt anders – doch es war mehr Offenheit, als Fans in den vergangenen Jahren erhalten hatten.
Als zusätzlicher Nährboden für die Gerüchteküche gilt das zehnjährige Jubiläum ihrer Hitsingle „Vroom Vroom“ am 26. Februar 2026. Fans spekulieren, ob möglicherweise eine Jubiläumsversion erscheinen könnte – verbunden mit der Hoffnung auf bislang unveröffentlichte Songs aus dem „XCX World“-Kosmos.
Zwischen Erschöpfung und Inszenierung
In früheren Interviews sprach die Sängerin offen über ihre kreative Erschöpfung nach intensiven Albumzyklen. Der „brat“-Run war global, laut und allgegenwärtig. Ein Rückzug könnte daher ebenso Selbstschutz wie strategischer Neuanfang sein. Was bleibt, ist kontrollierte Ungewissheit: Sie kündigte weder ein Karriereende noch ein neues Album an.






