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Kritik an „Sound of UK Drill “-Playlist: „Unternehmen wie Spotify profitieren vom Bandenkrieg“

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Der Streaming-Dienst Spotify ist eine der erfolgreichsten Musikplattformen weltweit. Letzte Woche verkündete man, dass die Anzahl an Abonnenten seit vergangenem Jahr um 24 Prozent gestiegen sei. Nun wird Spotify jedoch vorgeworfen, mit seiner Playlist „Sound Of UK Drill“ gewalttätige Künstler und Mörder zu unterstützen und davon auch noch zu profitieren.

UK Drill ist ein Sub-Genre des HipHop und stammt ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich. Durch Rapper wie Pop Smoke wurde diese Art von Musik global bekannt und findet mittlerweile auch in Deutschland extrem viel Zuspruch. UK Drill zeichnet sich vor allem durch langsame Trap-Beats mit wummernden 808-Bässen, düsteren Melodien und hochgepitchten Vocal-Samples aus. In den Texten geht es nicht selten um Themen wie Gewalt und Kriminalität.

Gewaltverherrlichende Hitlisten?

Spotify hat eigens für diese Art von Musik eine Playlist angelegt, die den Namen „Sound of UK-Drill“ trägt und die bekanntesten Vertreter des Genres beinhaltet. Was hierbei auffällt, ist, dass mindestens zehn der 30 Top-Tracks in der Playlist von echten Straftätern stammen, die bereits wegen schwerwiegender Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung und Folter verurteilt wurden.

Einer von ihnen ist O‘Neill-Crichlow, besser bekannt unter seinem Künstlernamen SJ von der Uk-Drill-Formation „Original Farm Boys“. Der erst 18-Jährige verbüßt derzeit eine 21-jährige Haftstrafe, weil er in eine brutale Messerstecherei involviert war, die für einen jungen Vater tödlich endete. Größere Bekanntheit erlangte er durch Songs wie „Youngest In Charge“ und „HB-Freestyle“. Letzterer befindet sich derzeit an der Spitze der Playlist. Erstaunlicherweise wurde SJ im Gefängnis sogar ein Plattenvertrag angeboten, der ihm 150.000 Pfund bescheren sollte.

Ein weiter Rapper und Verbrecher, der in der Playlist zu finden ist: der 24-jährige Isaac Donko, der bis zu seiner Inhaftierung unter dem Alias Young Dizz Musik veröffentlichte. Er wurde 2019 wegen Folterung und Kidnappings eines Minderjährigen sowie wegen der Anstiftung Minderjähriger zu Gewalttaten und kriminellen Aktivitäten zu einer Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren verurteilt. Sein Song „Drill and Repent“ befindet sich derzeit an 24. Stelle.

Mit „Mad About Bars“ schaffte es Latimar „Latts“ Richardson, 19, ebenfalls in die Playlist aufgenommen zu werden. Auch er ist aktuell inhaftiert und wurde wegen der Vergewaltigung eines 16-jährigen Mädchens zu vier Jahren Haft verurteilt.

Besorgte Bürger

Jen Lock, ein Sprecher der Kampagne „Lives Not Knives“ (zu deutsch: „Leben, nicht Messer“), äußerte sich der „Dailymail“ gegenüber so:

Unsere jungen Leute sehen diese Vergewaltiger und Mörder an der Spitze einer Hitliste und vergöttern sie. Sie denken: „Wenn die das können und Erfolg haben, warum dann nicht auch ich?“ Unternehmen wie Spotify profitieren vom Bandenkrieg.

Die Polizei ist der Meinung, dass Drill-Musik die Bandenkriminalität anheize. Die Polizeisprecherin, Cressida Dick, sagte, dass Drill-Songs „Messerstechereien in aller Ausführlichkeit, Freude und Aufregung“ verherrlichen.

Das in Schweden ansässige Unternehmen Spotify, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro meldete, reagierte trotz wiederholter Bitten um einen Kommentar noch nicht.


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