Album der Woche

Florence + The Machine High As Hope


Island/Great Jones/Universal

von

Man darf sie gern suspekt finden, diese Menschen, die ganz früh schon alles verstanden haben wollen. Die einem gönnerhaft erzählen, wofür sie sich zu alt fühlen, während sie kaum ihren Zwanzigern entwachsen sind. Deshalb bleibt man skeptisch, wenn Florence Welch, gerade mal 31 Jahre alt, auf ihrem vierten Album HIGH AS HOPE zusammen mit Gästen wie Sampha, Kamasi Washington und Jamie xx ihre Jugendjahre reflektiert: In nostalgischer Weißt-du-noch-Manier erinnert sie sich etwa in „South London Forever“ daran, wie sie jung und betrunken durch die Straßen stolperte, „high on E and holding hands with someone that I just met“, als wär’s ein Leben her.

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Doch im Gegensatz zu vielen Frühvergreisten ist Welch beim Leben und Leiden wohl wirklich ein bisschen weise geworden – denn sie versteht heute nicht nur sich selbst besser, sondern auch, dass ihr Windmaschine-und-Walle­kleid-Pathos umso eindrucksvoller klingt, wenn einem nicht jeder Song mit der Wucht eines mittelgroßen Feuerwerks um die Ohren fliegt.

Ihrem Knock-out-Pomp setzt Welch feingeschliffene Arrangements und Phrasierungen entgegen. Die ausladenden Gesten, die kunstbeflissene Grandezza, der barocke Power-Pop, angereichert mit dem Formen- und Metaphernreichtum des Freak-Folk – all ihre Eigenheiten, die einen entweder zum Fan machen oder auf Abstand halten, hat Welch selten so klug dosiert eingesetzt. Und so passen die riesigen Schuhe, die sie sich vor zehn Jahren mit ihrem Debütalbum LUNGS vor die Tür gestellt hat, auf HIGH AS HOPE so gut wie nie.

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