Album der Woche

Florence + The Machine High As Hope


Island/Great Jones/Universal

von

Man darf sie gern suspekt finden, diese Menschen, die ganz früh schon alles verstanden haben wollen. Die einem gönnerhaft erzählen, wofür sie sich zu alt fühlen, während sie kaum ihren Zwanzigern entwachsen sind. Deshalb bleibt man skeptisch, wenn Florence Welch, gerade mal 31 Jahre alt, auf ihrem vierten Album HIGH AS HOPE zusammen mit Gästen wie Sampha, Kamasi Washington und Jamie xx ihre Jugendjahre reflektiert: In nostalgischer Weißt-du-noch-Manier erinnert sie sich etwa in „South London Forever“ daran, wie sie jung und betrunken durch die Straßen stolperte, „high on E and holding hands with someone that I just met“, als wär’s ein Leben her.

🛒  ‚High As Hope‘ jetzt auf Amazon kaufen

Doch im Gegensatz zu vielen Frühvergreisten ist Welch beim Leben und Leiden wohl wirklich ein bisschen weise geworden – denn sie versteht heute nicht nur sich selbst besser, sondern auch, dass ihr Windmaschine-und-Walle­kleid-Pathos umso eindrucksvoller klingt, wenn einem nicht jeder Song mit der Wucht eines mittelgroßen Feuerwerks um die Ohren fliegt.

Ihrem Knock-out-Pomp setzt Welch feingeschliffene Arrangements und Phrasierungen entgegen. Die ausladenden Gesten, die kunstbeflissene Grandezza, der barocke Power-Pop, angereichert mit dem Formen- und Metaphernreichtum des Freak-Folk – all ihre Eigenheiten, die einen entweder zum Fan machen oder auf Abstand halten, hat Welch selten so klug dosiert eingesetzt. Und so passen die riesigen Schuhe, die sie sich vor zehn Jahren mit ihrem Debütalbum LUNGS vor die Tür gestellt hat, auf HIGH AS HOPE so gut wie nie.

Florence + The Machine – Hunger auf YouTube ansehen

 

🛒  Dieses Album jetzt auf Amazon kaufen


ÄHNLICHE KRITIKEN

Finna :: Zartcore

Selbstzweifel, Witz und Empathie formen das vielfältige Debüt der Hamburger Rapperin.

Kendrick Lamar :: MR. MORALE & THE BIG STEPPERS

Der König kehrt zurück und lotet die experimentellen Grenzen von HipHop und die Untiefen des transgenerationalen Traumas aus. Unsere Platte...

The Black Keys :: Dropout Boogie

Die Bluesrock-Maestros üben sich in dezenter stilistischer Verästelung und Klangarchäologie.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Alben der Woche: Florence + the Machine, Kat Frankie und Perel

Diese Woche besprechen wir die neuen Platten von drei fantastischen Künstlerinnen: Florence + the Machine, Kat Frankie und Perel.

Der Musikexpress 06/2022 mit Arcade Fire, Florence + the Machine, Rammstein & 50 geheimen Gastauftritten – die Themen im Überblick

Arcade Fire kehren zurück zu alter Stärke, Moderat füttern den Datenkraken und wir liefern euch die 50 interessantesten versteckten Gastauftritte underklären, wie The Supremes zu Superstars der Motown-Ära wurden – diese und weitere Themen im jetzt erschienenen Musikexpress 06/2022.

Florence + The Machine veröffentlichen Musikvideo zu „Free“

Aufgenommen wurde der Clip zu „Free“, in dem Bill Nighy und Florence Welch die Hauptrollen spielen, vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine in deren Hauptstadt Kiew.


Alben der Woche: Florence + the Machine, Kat Frankie und Perel
Weiterlesen