Hirnflimmern

The Queen Is Dead: Wie Queen Elizabeth II. die Pop-Welt beeinflusst hat

von
Josef Winkler
Josef Winkler

Kennen Sie den? Trifft Lady Gaga Queen Elizabeth II. Sagt Lady Gaga: „Hallo, ich bin Lady Gaga. Ich habe mich nach einem Song der Band Queen benannt.“ Sagt die Queen: „Hallo, ich bin die Queen. Die Band Queen hat sich nach mir benannt.“ Haha. Ja ja. Diesen Dialog hab ich imaginiert, als einst tatsächlich Lady Gaga die Queen getroffen hat. Das war zu einer Zeit, als die Gaga noch hin und wieder in Kleidern aus Rindfleisch ausging, aber für das Treffen mit der Highness hatte sie sich was Anständiges aus Latex angezogen.

Was die zwei da wirklich geredet haben? Ich warte ja drauf, dass auch noch Lady Gaga kommt und dem BBC-Moderator von ihrem Treffen mit der Queen erzählt. Das tun nämlich gefühlt alle, die der Guten mal begegnet sind. Und ich muss es wissen, ich binge nämlich seit Tagen die „Death of Queen Elizabeth II.“-Berichterstattung auf BBC News – nenn es royalen Eskapismus. Meine Familie schaut mich schon schief an, ich aber sage: Erstens muss man das ausnutzen, solange es die BBC noch gibt, bevor die verrücktgewordenen Tories sie absägen. Zweitens haut es mich als Freund gepflegten analogen Brimboriums einfach um, was da seit Wochen an abgefahrener Klamotte, spektakulären Innenräumen und ritualisiertem Getue aufgeboten wird.

Was hätten die Sex Pistols nur ohne die Queen gemacht?

Und drittens war mir als anglophilem Popfan das „englische Lieserl“ (O-Ton meine Oma, with all due respect) stets sympathisch, als Person und als immerwährende Präsenz, die alles überdauert hat, was wir heute an Popkultur und -historie kennen und auch oft Berührungspunkte und Projektionsfläche bot. Ist es nicht faszinierend, dass Elizabeth schon vier Jahre Königin war, als die erste Single von „King“ Elvis Presley erschien? Und schon zehn Jahre, als 1962 der erste James-Bond-Film rauskam? 1965 verlieh sie den Beatles den MBE-Orden, woraufhin – wie geil – einige Militärs den ihren beleidigt zurückgaben. 1977 bot sie Punk wertvolle Angriffsfläche – was hätten die Sex Pistols nur ohne die Queen gemacht? 1986 wollte Morrissey sie hängen sehen; der ist ja nicht so gut gealtert wie Elizabeth. Bei ihr hat man nie erfahren, wo sie politisch steht, von Morrissey leider schon.

Und natürlich Queen, die Band, Freddie Mercury mit Krone und Hermelin, ein Klassiker. 2002 beim „Golden Jubilee“ stand Brian May auf dem Buckingham Palace und spielte „God Save The Queen“. Dieses Jahr beim Platin-Jubiläum gab’s auf Wunsch der Öffentlichkeit „We Will Rock You“ – der kleinste gemeinsame Nenner in Sachen Queen-Song, auf den sich so auch ein besoffenes bayerisches Bierzelt hätte einigen können und Ausdruck des Verfalls der Pop-Sensibilität der Briten. Das kommt wohl heraus, wenn man in Brexit-Country über etwas abstimmen lässt. Jetzt ist die Queen nicht mehr, und der fast ebenso ewige Charles muss ran. God save the king – is he a human being? Er wurde zumindest schon mal von einem Spice Girl in den royalen Arsch gezwickt.

Diese Kolumne erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 11/2022.


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