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Wegen Coronavirus: Landgericht schlägt vor, den Loveparade-Prozess einzustellen

Laut eines Berichtes der dpa hat das Landgericht Duisburg am Dienstag, dem 7. April, vorgeschlagen, den Prozess zu der fatalen Massenpanik bei dem Loveparade-Festival im Jahr 2010 einzustellen. Grund dafür sei die unabsehbare Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Das Gericht teilte mit, es sei somit nicht klar, wann die Verhandlung fortgesetzt werden könnte. Sollte die Staatsanwaltschaft und die drei Angeklagten dem Vorschlag zustimmen, wäre dies das Ende von einem der aufwendigsten Prozesse der Nachkriegszeit mit bisher insgesamt 183 Verhandlungstagen – ohne Urteilssprechung.

Am 24. Juli 2010 gab es bei dem Loveparade-Festival in Duisburg eine Massenpanik, bei der 21 Menschen im Gedränge erdrückt wurden, mindestens 652 Besucher*innen wurden verletzt. Im vergangenen Jahr hat die Staatsanwaltschaft bereits sieben der insgesamt zehn Angeklagten freigesprochen, drei Mitarbeiter der Veranstaltungsfirma „Lopavent“ stehen nach wie vor wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, Planungsfehler bei dem Großevent gemacht und die Sicherheitsvorkehrungen nicht ordnungsgemäß überwacht zu haben.

Die Hauptverhandlung begann im Dezember 2017. In der vergangene Woche hat das Gericht aufgrund der Corona-Krise eine Unterbrechung des Prozesses auf unbestimmte Zeit festgelegt, die jedoch höchstens bis zum 27. Juli 2020 gelten darf – an diesem Tag wäre der zehnte Todestag des 21. Opfers und der Fall somit verjährt. Der nächste Termin des Gerichtsprozess ist für den 21. April anberaumt. Ob dieser stattfinden kann, ist allerdings noch unklar.

Die Loveparade startete 1989 zunächst als kleiner, politisch motivierter Straßenumzug der West-Berliner Technoszene, entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre zu einem auch von internationalen Gästen besuchten Massenspektakel. Das Event fand von 1989 bis 2006 in Berlin und von 2007 bis 2010 an wechselnden Orten im Ruhrgebiet statt.

Nach der Massenpanik in Duisburg 2010 war die Veranstaltungsreihe schließlich eingestellt worden. Seit 2015 findet mit dem „Zug der Liebe“ jedoch einmal jährlich ein ähnlicher Umzug in Berlin statt. Dieser sieht sich als „Protest für mehr Mitgefühl, mehr Nächstenliebe und soziales Engagement“ und bringt jedes Jahr zwischen 10.000 und 50.000 Menschen zusammen. Trotz der Tragödie hat der Berliner DJ Dr. Motte am 13. Januar 2020 verkündet, dass er aktuell an der Organisation einer Veranstaltung arbeite, die sich an der Loveparade orientiere und per Fundraising finanziert werden solle. Das Großevent soll am 10. Juli 2021 stattfinden.



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