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Amazon produziert Serien – und will damit das Fernsehen revolutionieren

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Allmählich wird deutlich, wie sehr der Wechsel vom althergebrachten Medienträger zu digitalen Distributionsformen die Zukunft von Film und Fernsehen beeinflussen wird. Schon die Video-on-Demand-Zahlen einer einzigen Plattform drücken die wachsende Marktmacht aus: Mitte des Jahres gingen bei Apple USA 800.000 Serienepisoden und 350.000 Filme über die virtuelle Ladentheke – am Tag.

Nachdem nun auch Dienste wie Netflix vom reinen Anbieter digitaler Film- und Seriendownloads zum Produzenten eigener Formate wurden und mit Serien wie David Finchers Politdrama „House Of Cards“ , der Gefängnis-Dramedy „Orange Is The New Black“ und der vierten „ Arrested Developement“-Staffel ein Gespür für Kritiker- und Publikumsgeschmack gefunden haben, steigt auch Amazon in den Wachstumsmarkt ein.

Bereits 2010 brachte man Amazon Studios mit einer einzigartigen Vision an den Start: Filmemacher, Autoren und Indie-Produzenten konnten ihre Werke auf eine Plattform laden, wo sie den kritischen Blicken der Zuschauer ausgesetzt wurden. In einem interaktiven Crowdsourcing-Prozess sollten dann Projekte herausgearbeitet werden, die mit Hilfe von Amazon produziert und anschließend über die Streaming-Dienste Prime Instant und Lovefilm angeboten werden sollten.

Die Idee dahinter – Mutmaßungen über Publikumsgeschmack auf ein Minimum zu reduzieren und gleichzeitig klassische Marktforschung und Werbeformen überflüssig zu machen – scheint erste Erfolge zu zeigen. Vor einigen Wochen starteten auf Amazon Prime 14 Pilotfolgen unterschiedlichster Serien, das Publikum konnte anschließend darüber abstimmen, welche davon es in Zukunft gerne weitersehen würde. Ein Prozess, der laut Amazon-Studios-Chef Roy Price dazu führen soll, dass über direktes User-Feedback und Instant-Reviews sofort Aussagen über die Wirkung von Format, Charakter oder Handlungsstrang getroffen werden können. Anschließend können die Daten en detail ausgewertet werden, um Rückschlüsse auf den Wirkungsgrad einzelner Komponenten wie Plotwendungen und Figurenentwicklung zu ziehen.

Was dies in der Praxis bedeutet? Die Art, wie bisher Entscheidungen im Fernsehserienbereich getroffen wurden, war eine kostspielige: Ein Sender gibt Pilotfolgen in Auftrag, zeigt sie einem sorgfältig ausgewählten Testpublikum und entschließt im Anschluss, was davon umgesetzt werden soll. Alleine dieses Jahr wurden 76 Pilotfolgen produziert, von weniger als 20 davon wurde eine volle Staffel geordert. Ein Prozess, den bereits Netflix aushebelte, indem sie sich auf das eigene Bauchgefühl verließen und sofort ganze Seasons ihrer Serieneigengewächse orderten. Bei Amazon geht man nun den Start-up-Weg: Immer wieder kleine Testballons starten und analysieren wie sie beim Verbraucher ankommen.



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