Banksy eröffnet gesellschaftskritischen Themenpark „Dismaland“

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Aus einer Toilettenschüssel springt ein Wal, auf einer Parkbank wird eine Frau von Möwen attackiert und der grimmige Mann auf dem Karussell sieht aus wie ein Schlachter – Willkommen in „Dismaland“ an der Westküste Englands, Banksys Parodie auf Disneyland.

Banksy macht bekanntlich gern ein Geheimnis aus sich und seiner Arbeit. Bis heute ist die Identität des Street-Art-Künstlers, der laut des „Time Magazine“ zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt zählt, nicht aufgeklärt. Und auch um sein jüngstes Projekt rankten sich lange nur Gerüchte. So hat er in aller Heimlichkeit wieder den nächsten Cou gelandet: Diesmal nicht mit Graffitis, sondern gleich mit einem kompletten Theme-Park im Stile von Disneyland. Der kleine aber feine Unterschied: Hier werden die Probleme der Gesellschaft nicht mit Glanz und Glamour überschminkt und keine lachenden Maskottchen gaukeln heile Welt vor – das Dismaland („dismal“ = trostlos) ist eine kluge und bitterböse Gesellschaftskritik.

So glaubten die Bewohner des Badeortes Weston-super-Mare an der Westküste Englands über Monate, in ihrem alten Schwimmbad, in dem plötzlich hinter verschlossenen Türen rege Betriebsamkeit herrschte, werde ein Hollywood-Film gedreht. Nur vier Stadtrats-Mitglieder wussten angeblich über die wahren Ereignisse im Schwimmbad Bescheid. Doch anders als bei der Frage nach seiner Identität musste Banksy hier das Geheimnis lüften: Am 21. August wurde die Presse in das frühere Freibad „Tropicana“ eingelassen. Und was sie dort sah, war – ein Freizeitpark!

Zumindest das, was für Banksy unter einem Freizeitpark versteht. Nämlich eine ziemlich trostlose Veranstaltung mit bizarren Gestalten und alptraumähnlichen Szenen: Auf dem Karrussel dreht ein Schlachter seine Runden, ein Killerwal hopst aus einem Klo. Kinder lässt man vor einem Besuch von „Dismaland“ – benannt in Anlehnung an das parodierte Disneyland – lieber zu Hause. In Banksys eigenen Worten ist es „ein Familien-Themenpark, der für Kinder nicht geeignet ist“.

Stattdessen nehme man natürlich die Kamera mit. Denn an kaum einem anderen Ort lassen sich schrägere Selfies schießen. Etwa vor der Meerjungfrau, deren Gestalt sich merkwürdig verschoben hat – wie auf der Mattscheibe eines Fernsehers, der fast den Geist aufgibt. Oder auf der Sitzbank, die sich aus einer gigantischen Toilettenpapierrolle abrollt. Sogar ein Selfie-Loch gibt es, auch wenn das, im Gegensatz zur Kulisse drumherum, auffällig schlicht daherkommt.

Und was soll das Ganze? Kritik üben natürlich – und zwar an den Freizeitparks dieser Welt. „Man könnte sagen, es ist ein Themenpark, dessen großes Thema ist: Themenparks sollten größere Themen haben“, erklärte Banksy gegenüber BBC. Und macht gleich vor, wie das gehen kann: So dümpeln in einem kleinen Springbrunnen, da, wo in herkömmlichen Freizeitparks vielleicht lustige Plastikenten ihre Runden ziehen würden, voll besetzte Flüchtingsboote im Miniaturformat herum.

Und Panzer werden zu Wasserrutschen:

https://instagram.com/p/6mxsWEiLGe/?taken-by=dismaland_park

 

Eine eigene Währung gibt es wohl auch:

https://instagram.com/p/6nc_P2iLOu/?taken-by=dismaland_park

„Dismaland“ ist aber nicht Banksys erste Konfrontation mit Freizeitparks. Im September 2006 installierte er die Skulptur eines Guantanamo-Häftlings im Disneyland Resort. Allerdings blieb diese dort nur für 90 Minuten. Die Skulpturen und Installationen in „Dismaland“ hingegen sind ganze fünf Wochen zu sehen. Hereinspaziert, hereinspaziert.

Inside Banksy’s Dismaland: a dystopian theme park auf YouTube ansehen

Die Ausstellung „Dismaland“ in Weston-super-Mare ist vom 22. August bis 27. September täglich geöffnet. Tickets kosten drei Pfund (4,20 Euro). Neben Banksys Arbeiten sind auch Werke von 60 weiteren Künstlern zu sehen, etwa von Damien Hirst und Jenny Holzer.


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