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Billie Eilish: So enttabuisiert sie psychisches Leiden

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Billie Eilish und ihre Musik standen bereits oftmals im Fokus wegen ihrer Ansprache von persönlichen und politischen Thematiken. So setzte die 19-Jährige bereits Statements gegen Bodyshaming, Sexismus und den Machtmissbrauch durch Führungskräfte. Anfangs machte sie besonders das Mysteriöse, Dunkle, was sie durch ihre Musik auslebte, berühmt. Dabei deckte die Sängerin ein Bedürfnis nach Imperfektion, das besonders in der Musikindustrie oft fehlt. Ein Thema rückte dabei für viele Hörer*innen besonders in den Fokus ihrer Songs und später auch in das Leben von Billie Eilish: Mental Health. Die „Ocean Eyes“-Sängerin sprach offen wie nur wenige Personen in der Öffentlichkeit über ihre Unsicherheiten und Bedenken.

Einsamkeitsgefühl und Unsicherheiten

Bereits in ihrer 2018 veröffentlichten Videosingle „When the party’s over“ erklärt die damals 16-Jährige das Gefühl der Einsamkeit in der Zweisamkeit. Dabei beschreibt sie das Gefühl ihrem Partner nicht zu genügen und ein mangelndes Selbstwertgefühl. Auch das nachhallende Alleinsein nach einer Party wird wirkungsvoll von der Sängerin aufgegriffen.

„Quiet when I’m comin‘ home and I’m on my own

And I could lie, say I like it like that, like it like that

Yeah, I could lie, say I like it like that, like it like that“

Worte, die man meist nicht ausspricht, werden von Billie Eilish performt und im Musikvideo laufen ihr passend zu der Empfindung schwarze Tränen über das Gesicht. Unsichere Phasen zu haben wird meist als Tabuthema abgetan, während die Sängerin durch das musikalische Aufgreifen vielen aus der Seele spricht und dabei bewusst macht, dass man nicht damit alleine ist.

Identifizierung mit dem Monster unter dem Bett 

In ihrer 2019 releasten Videosingle „bury a friend“ erzählt Billie Eilish die Geschichte von dem Monster unter dem Bett – aus dessen Perspektive. Wir hören ein Wesen, das sich fragt, weshalb man bei seinem Anblick nicht davon rennt und sich dabei die Existenzfrage durch die Metapher des Einschlafens stellt.

„What do you want from me?

Why don’t you run from me?

What are you wondering?

What do you know?

Why aren’t you scared of me?

Why do you care for me?

When we all fall asleep, where do we go?“

Zu dem Lied erklärte die aus Los Angeles stammende Sängerin bereits aus der Sicht eines Monsters zu sprechen und sich manchmal selber wie dieses zu fühlen. Dabei gestand sie, sich oft selbst wie ihr eigener Feind zu fühlen. Damit stellt das Ungeheuer sowohl etwas Außenstehendes dar, für das man Empathie zeigen sollte und auf dessen Befindlichkeit achten solle, doch gleichzeitig auch ein Teil des Selbst, der sich im Weg steht.

Die Ruhmdepressionen

2019 erschien anschließend ihre Single „everything i wanted“, deren Musikvideo die Sängerin von der Golden Gate Bridge in San Francisco springend zeigt. Dabei thematisiert der Track lyrisch die Dualität von Berühmtheit und erklärt: Auch wenn man alles zu haben scheint, bewahrt dies nicht vor einem Einsamkeitsgefühl. Erstrangig soll darin die Relation zu ihrem Bruder und Songwriter Finneas beleuchtet werden.

„It might’ve been a nightmare

To anyone who might care

Thought I could fly

So I stepped off the Golden

Nobody cried

Nobody even noticed

I saw them standing right there

Kinda thought they might care“

In einem Interview mit der Radiosprecherin Annie Mac erklärte Eilish, dass die Inspiration zu dem Song aus einem Alptraum von ihr stamme. Darin hätte sie Suizid begangen, doch ihre Familie und Freunde hätten demgegenüber Desinteresse gezeigt. Dabei verriet die Sängerin später in ihrem Interview zu ihrem ersten „Vogue“-Cover 2019, dass sie selbst unter Depressionen und Angstzuständen leide.

Billie Eilish spricht über psychisches Leiden 

Schon öfter hat die Sängerin in Interviews erklärt unter Depressionen zu leiden. So sagte sie im Interview mit der „Vogue“ 2019 selbstverletzendes Verhalten gehabt und auch an Suizidgedanken gelitten zu haben. Erst im Juni desselben Jahres begann sich die depressive Episode zu bessern und so gibt sie Geduld als Rat an alle, die ebenfalls an psychischen Problemen leiden.

„Wenn mich Leute fragen, was ich jemandem sagen würde, der Ratschläge zur psychischen Gesundheit sucht, kann ich nur sagen: Geduld. Ich hatte Geduld mit mir selbst. Ich habe den letzten Schritt nicht getan. Ich habe gewartet. Dinge verblassen.“

Dazukommend erläuterte die Sängerin auch durch eine Therapie die nötige Hilfe erlangt zu haben.

Insgesamt repräsentiert Billie Eilish eine Musikerin, die große Tabuthemen wie Mental Health sowohl in ihrer Musik als auch durch ihre Persönlichkeit entstigmatisiert. Durch überspitzte Darstellungen und Metaphern erzielt die 19-Jährige bei ihren Hörer*innen Empathie und Verständnis für Anliegen rund um Unsicherheiten, Angststörungen und Depressionen. Trotz ihres jungen Alters nimmt sie dadurch eine Vorbildfunktion für viele ein. Dem ist sie sich bewusst. Mit ihrer Single „xanny“ sprach sich Eilish gegen Drogenkonsum anhand des Beispiels von Xanax – einem Arzneimittel gegen Angst- und Panikstörung – aus. Das wird in Rapsongs oftmals glorifizierend dargestellt.

Mehr über die Geschichte von Billie Eilish, dem größten Popstar unserer Zeit, erfahrt Ihr in der Musikexpress-Ausgabe 08/2021, seit dem 15. Juli 2021 am Kiosk erhältlich.

Wer Suizidgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen dabei, die Gedanken zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist oder sich um nahestehende Personen sorgt, kann sich – auch anonym – an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken unter der Nummer 0800/111 01 11


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