Highlight: 13 Acts, die wir auch nach ihrem Mainstream-Durchbruch gut finden

Hurricane Festival 2015, der Freitag: Von Wildschweinen und Dreiecken

Wildschweine, soweit das Auge reicht. Das Wappentier des Hurricane Festival 2015 beobachtet die Besucher aus allen Ecken des Geländes. Von Tausenden T-Shirts schaut es mit seinen glühend roten Augen grimmig drein und passt so ganz gut zu den roten Glupschern einiger Festivalbesucher, die schon die Anreise am Donnerstag zu einer wilden Party genutzt haben.

Den Start in den Festivalfreitag verschlafen aber nur die wenigsten. Auf dem Gelände herrscht reges Treiben als The Districts die Blue Stage eröffnen. Das Quartett aus Philadelphia spielt blues-infizierten Americana-Folk-Rock, der das Publikum nicht so ganz erreicht. Erst nachdem „Long Distance““ – ein wahrer Hit – im Gange ist, reißt es die Anwesenden aus ihrer Nachmittags-Lethargie.

Im Zelt der White Stage betreten Gengahr die Bühne. Die vier Briten haben klasse Songs im Repertoire, doch leider verliert sich ihr unbeschwerter Indie-Rock im mau gefüllten Zirkuszelt. Weiterer Wermutstropfen für Liebhaber der Newcomer: Der Falsettgesang von Sänger Felix Bushe kann sich nicht gegen die omnipräsente Gitarren durchsetzen und so versteht man am Ende keine einzige Zeile von dem, was das auf der Bühne vorgetragen wird.

Kooperation

Erstaunlich voll ist es hingegen bei Angus & Julia Stone. Das australische Geschwisterpaar präsentiert auf der Blue Stage ihren gefälligen Folk-Rock und verblüfft dabei mit einem beinahe nicht erkannten Cover des Grease-Klassikers „You’re The One That I Want“.

Der Auftritt von alt-J beim Hurricane 2015 ist ein einziger Triumphzug

Es folgt eine wetterbedingte Auszeit: Regen gehört zum Hurricane wie der Eichenring zu Scheeßel. Schließlich heißt das Festival ja nicht umsonst so. Um nicht schon am frühen Abend komplett durchnässt zu sein, ziehen sich viele Besucher in ihre Zelte zurück oder flüchten sich unter einen der vielen Essensstände, die das diesjährige „Food Line-Up“ zu bieten hat.

Der über den Zeltplatz dröhnende Breitwand-Gitarren-Klang von The Gaslight Anthem spült die Besucher wieder zurück vor die Green Stage. Brian Fallon und Kollegen spielen ihren einstündigen Auftritt gekonnt herunter und fallen damit weder besonders positiv noch besonders negativ auf. Das Highlight des Tages beginnt erst nach dem Auftritt der Combo aus New Jersey.

Um 22:30 Uhr betreten Joe Newman, Gus Unger-Hamilton und Thom Green unter tosendem Applaus die Blue Stage. alt-J sind schon zum dritten Mal beim Hurricane dabei, man kennt sich also. 2012 waren jedoch die wenigsten der heutigen Zuschauer zugegen, als das Trio Sonntagmittag zum ersten Mal in Scheeßel aufspielte (den Autor dieses Textes eingeschlossen). Umso surrealer wirkt der Aufstieg der Männer aus Leeds. Nur drei Jahre benötigten sie um vom Festival-Eröffnungsact zu einer der momentan größten Bands der Welt zu werden.

Der Auftritt von alt-J ist ein einziger Triumphzug. Das Publikum reißt bei jedem Synth-Bass-Einsatz von Unger-Hamilton die Hände in die Luft als befände es sich auf einem Open-Air-Rave. Die grandiose Lichtshow sorgt für Tausende begeisterte Gesichter, was den sonst so introvertierten und zurückhaltenden Sänger Joe Newman dazu verleitet aus sich herauszukommen. Als die Zuschauer den Gesang bei „Matilda“ an sich reißen hüpft er gar mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen wie ein kleiner freudiger Junge auf der Stelle.

Nach dem finalen „Breezeblocks“ und 75 Minuten im Freudentaumel verlassen alt-J wortlos die Bühne und die meisten Besucher des Konzertes das Gelände. Dass zeitgleich Placebo ihren Headliner-Gig auf der Green Stage spielen, interessiert die wenigsten alt-J-Jünger. Wer braucht auch schon den bleichen Brian Molko, wenn er gerade das Konzert des Tages erlebt hat?

Beim Southside Festival 2015 sah es am Freitag übrigens so aus:


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