Mikko Joensuu Amen 3


Religion und Popmusik führten schon immer einen, nennen wir es, angespannten Dialog miteinander. Vom Soul, der kleinen Schwester des Gospel, über Madonnas erotisches Verhältnis zum Glauben nicht nur in „Like A Prayer“ bis zum Techno als Ersatzreligion, der in Kathedralen wie dem Berghain gehuldigt wird. So gesehen ist AMEN 3 von Mikko Joensuu nur folgerichtig.

Der finnische Musiker setzt sich im finalen Teil seiner Album-Trilogie nicht nur textlich mit seiner Herkunft aus einer Familie, die dem fundamentalchristlichen Pfingstglauben anhängt, auseinander. Wenn er in „Birth“ davon singt, wie er erst diese Vergangenheit, ein ganzes Leben, Familie und Freunde hinter sich lassen musste, um wirklich geboren zu werden, dann steigen Kirchenchöre auf in die Sphären, bevor ein drängender Beat einsetzt, Joensuu „I‘m leaving it all behind“ singt, und über den Bässen geistergleiche Sounds scheinbar ziellos wabern.

So geht das weiter: Die himmlischen Heerscharen, die Joensuu programmiert hat, die jubilierenden Klangflächen und hypnotischen Rhythmen, scheinen einen Dom füllen zu wollen, niemals weniger. Sie suchen nach höheren Weihen, nach dem spirituellen Sinn eines statischen Rauschens, nach der Metaphysik hinter dem Beat, ohne aber in die Esoterik-Falle zu tapsen. AMEN 3 besteht aus nur sechs Tracks, aber jeder einzelne ist ein Epos, ein Drama aus Text und Klang, ein Oratorium. Auf privater Ebene vielleicht auch eine Therapie mit ungewissem Ausgang. Sicher ist immerhin: Das Heilsversprechen des Techno mag nie eingelöst worden sein, aber Joensuu führt ihn nun endgültig in die Kirche.


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