So war es bei der ME-Klubtour 2018 in München


Jeder will wie das Berghain sein, das ist verständlich. Und deshalb lässt jeder, der dieses Bestreben und einen Club besitzt, in feinster Türsteher-Handarbeit Kameralinsen an Smartphones abkleben, sobald potentielle Besucher bei ihm rumclubben wollen – um ihnen die bestmögliche Berghain-Experience zu liefern. Das ist lieb. Und macht Spaß, denn auf diese Weise feiert es sich noch ausgelassener, wenn die nächtliche Pilgerstätte als Refugium völliger Ekstase begriffen wird. So auch im Münchener Blitz Club: Als die DFA-Berlinerin Perel ihr frühes Set beginnt, ist der Laden schon komplett voll. Und niemand hängt bei Instagram! Ihre hybride Performance aus DJ-Set und Live-Vocals wirkt betörend: Als bei „Die Dimension“ der Nebel einsetzt, scheinen sich plötzlich ganz viele Dimensionen aufzutun. Die von Kid Simius zum Beispiel, die man schlicht als Remmidemmi-Ballermusik beschreiben kann. Weniger im kunstvoll dadaistischen Deichkind-Sinne, vielmehr als Ballermann für Indietronics-Hängengebliebene. Beides hat seine Daseinsberechtigung.

Weval und Mount Kimbie zeigen mit ihren Sets wiederum, wie komplexe Clubkultur klingt, wenn man bei verstiegenem Bimmeln, technoiden Klangfarben und ein bisschen Augenzwinkern feuchte Hände bekommt. Am frühen Morgen ist das Spektakel vorbei. Und mit ihm die MUSIKEXPRESS Klubtour Cool Nights powered by Wodka Gorbatschow 2018. Dass eine Nacht voller Liebe doch noch mit kurzem Groll endet, muss diese eine legendäre Wermutstropfen sein, von dem immer alle sprechen: Ein Besucher beschwert sich im Nachgang tatsächlich darüber, das Set von Mount Kimbie sei viel zu spät angesetzt worden. Aber auch das kann ein klein wenig verständlich sein: Wir sind hier tatsächlich nicht im Berghain.

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