Verkannte Kunst

Verkannte Kunst (5): Mike & the Mechanics und die Poesie des Mittelmaßes


Mike & the Mechanics zu hören, ist wie das Auto in die Waschanlage zu bringen anstatt damit auf der Route 66 ins Abenteuer zu brettern – und das kann auch manchmal ganz schön gemütlich sein, meint Julia Lorenz in der fünften Ausgabe von „Verkannte Kunst“.

Seit Mai hatte unser Enfant terrible Linus Volkmann hervorragende Unterstützung an seiner Seite – und seine Hater eine Verschnaufpause: Die Popkolumne, die er seit Anfang 2019 wöchentlich für uns schreibt, schrieb Linus fortan nur noch zweimal pro Monat, im Wechsel übernahm ME-Autorin Julia Lorenz. Die hat Anfang Februar 2020 ihr Zepter leider niederlegen müssen. Zum Glück bleiben uns ihre Texte aber erhalten.

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Während Linus sich regelmäßig über sogenannte „Verhasste Klassiker“ hermachte, entgegnete Julia ihm mit ihrer Rubrik „Verkannte Kunst“. In der fünften Ausgabe ihrer Kolumne vom 25. Juli 2019 ging es um Trumps fragwürdigen Support für A$AP Rocky, Natalie Portman als Donnergott, Popstar Greta Thunberg und um die herrlich durchschnittlichen Dadrocker Mike & the Mechanics.

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Verkannte Kunst (5): Mike & the Mechanics

Rennen Sie nur weg! Ziehen Sie sich ruhig ihren Jutebeutel von der letzten Transmediale übern Kopf, schreien Sie, schreiben Sie mich ab! Aber, ich sag’s wie’s ist: Wer sich im Popjournalismus für die Geschmähten stark machen will, der muss auch mal dorthin, wo’s wehtut. Deshalb heute und hier: ein Plädoyer für die Poesie des Mittelmaßes. Schließlich kann man nicht jeden Tag auf der Route 66 ins Abenteuer brettern – manchmal muss das Auto auch einfach in die Waschanlage. Dann, in den schmerzhaft normalen Momenten des Alltags schlägt die Stunde einer Band, die es fertiggebracht hat, sich kernig-hemdsärmelig Mike & the Mechanics zu nennen – und dann, zu allem Überfluss, auch noch genau so auszusehen.

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Eine Band, die kaum ein Mensch jenseits der Babyboomer-Generation vor Augen, aber dafür schon tausendmal gehört hat, in Monis Imbiss oder auf Antenne Sindelfingen zum Beispiel: „All I need is a miracle / All I neeeheeeed is you”, „Looking baahack / Over my shoulder”, „Can you heeeeear me / can you hear me running?”: Jaja, all das war alles der Mike Rutherford! Der andere von Genesis, der nicht Phil Collins oder Peter Gabriel ist, neben dem Dings und dem Banks. Der Genesis-Boy für Jeanshemdträger, der mit seiner Dad-Rock-Supergroup in den 80ern und 90ern tatsächlich eine große Nummer war.

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Wenn man sich also das Auto seines Papas ausleiht, liegt da mit sehr großer Wahrscheinlichkeit: LIVING YEARS von Mike & the Mechanics (die der Papa mit großer Wahrscheinlichkeit „Combo” nennt). Und wenn sie einmal da ist, sollte man sie sich mal anhören: Damn, das sind schon Hits, bester Radiorock für die Fahrt von Stendal nach Zeitz. Aber das Tollste ist: Wer mit Mike am Steuer sitzt, läuft nicht Gefahr, auf einmal zum Tempolimitgegner zu werden. Dafür macht man es sich viel zu gemütlich mit ihm und seinen Jungs, dafür ist das einfach zu sehr: Gestrigkeit in ihrer reinsten, unterhaltsamsten, auch unschuldigsten Form.

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Dieser Text erschien zuerst in Folge 27 unserer Popkolumne:

Trump & A$AP Rocky, Greta Thunberg & The 1975, Mike & the Mechanics: Die Popwoche im Rückblick

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