Woody Guthrie – Dieses Land ist mein Land


Regie: Hai Ashby Darsteller: David Carradine, Ronnie Cox, Melinda Dillon.

Drei Jahre aus dem Leben des legendären Folk-Sängers Woody Guthrie zog Regisseur Hai Ashby auf volle zweieinhalb Stunden. „Bound For Glory“ (deutscher Titel: „Dieses Land ist mein Land“) wurde mit zwei Oskars ausgezeichnet, die jedoch weder an die Adresse des Regisseurs noch an die des Hauptdarstellers David Carradine (der die ausgewählten Guthrie-Songs im Film selbst interpretiert) gingen; Preisträger waren stattdessen Leonhard Roseman (für seine Musik-Adaption) und Haskeil Wexler, der Mann hinter der Kamera.

Wexler wie auch der Produzent Harold Leventhal kannten den 1967 verstorbenen Guthrie persönlich, Leventhal war sogar ein enger Freund. Das hinderte ihn nicht daran, den zum Drehtermin fast 4ojährigen David Carradine für die Rolle des 25-28 Jahre alten Folk- und Protestsängers zu engagieren. Unvorbelastet wird man an Carradine nichts auszusetzen haben. Wem die Person Guthries jedoch vertraut ist, erkennt sofort Original und Fälschung. Carradine legt eine Lethargie an den Tag, die mit dem ruhelosen Vorbild nichts gemein hat.

Die Story des Films basiert auf Woody Guthries Auto-Biographie „Bound For Glory“. Der Carradine-Guthrie lungert wie viele andere Arbeitslose in Pampa, Texas, herum. Zur Untätigkeit verdonnert, klimpert er auf der Gitarre oder verdient sich sporadisch als Plakatmaler ein paar Cents. Eines Tages jedoch verläßt er Frau und Kinder, um im gelobten Land Kalifornien eine Existenz aufzubauen. Als Landstreicher geht er schwarz über die Grenze, lebt kurze Zeit zwischen hoffnungslosem Elend im vollbesetzten Camp arbeitsloser Siedler, die sich um Jobs als Pflücker auf Obstplantagen prügeln. Dort kreuzt regelmäßig der durch Rundfunksendungen populär gewordene Sänger Ozark Bule auf, um die Leute für die Gewerkschaft zu gewinnen. Er bringt auch Woody beim Rundfunk unter. Der kann sich endlich neue Kleider leisten und seine Familie holen. Seine Sendung läuft erfolgreich. Doch der Sponsor fordert einen Maulkorb für Woody: Keine kritischen Songs mehr, dann schon lieber eine Moritat über Mord und Totschlag. Woody läßt sich feuern. Er läßt sich auch nicht als Marionette einer anderen Rundfunkstation anheuern. Seine Frau Mary verläßt ihn voller Panik mit den zwei Kindern, und er springt wieder auf einen fahrenden Zug in Richtung New York.

Soweit reicht der Film. Der Rest wird in dürren Worten nachgereicht. Das politische Engagement Guthries wird von Carradine. durch sture Starrköpfigkeit dargestellt. Er vermittelt den Eindruck,als sei Woody einst nur per Zufall in seine Rolle als Streiter gegen die Ausbeuter gerutscht. Wo bleibt das Klicken bei ihm, das Aha-Erlebnis, das ihn zu einem seiner klassischen Songs wie „Bound For Glory“ oder „This Land Is My Land“ motivierte?

Obwohl der Film Kurzepisoden oft in rascher Folge aneinanderreiht, gibt es zu viele Längen. So vergeht fast eine Stunde mit der Schilderung des abwechlungsarmen Lebens in Pampa, bis Woody sich endlich auf die Reise macht. Hätte man hier gestrafft und stattdessen wichtigere Stationen aus Guthries späteren Leben eingefügt, wäre der Film über das Idol von Rock-Größen wie Bob Dylon oder Joan Baez vermutlich befriedigender ausgefallen.