30 Jahre „Blade Runner“ – die Fotos zum Jubiläum

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Ridley Scotts „Blade Runner“ galt 1982 als ein gigantischer Misserfolg. Kritiker mochten den Science-Fiction-Film nicht, das Publikum blieb aus. Dabei waren die Erwartungen an Scotts erstem Projekt seit 1979, seit „Alien“, hoch.

Das Desaster hatte wohl mehrere Gründe. Zum einen stand die Welt damals noch im Zauber eines anderen fantastischen Werks: Steven Spielbergs „E.T. – The Extraterrestrial“, der sich innerhalb kürzester Zeit zum erfolgreichsten Film aller Zeiten entwickelte, und sein Publikum nur wenige Wochen vor „Blade Runner“ mit einer eher einfach erzählten Geschichte fand.

Zum anderen erwartete man vielleicht auch, dass die Story eines Cops, der entflohende Roboter jagt, eine Action-Szene nach der anderen beinhalten würde. Schließlich war Harrison Ford in der Hauptrolle des Polizisten Deckard engagiert, dem Replikanten-Jäger, eine Art monologisierender Sam Spade der Zukunft. Ford war damals der größte Filmstar der Welt, er drehte „Blade Runner“ zwischen dem ersten Indiana-Jones-Streifen „Jäger des verlorenen Schatzes“ und dem Star-Wars-Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“.

Vielleicht hatte auch keiner damit gerechnet, dass Regisseur Scott vor allem Sinnfragen behandelte, die ein Sci-Fi-Setting nicht benötigen. Wie definiert sich Bewusstsein? Haben Dinge, wie die von Polizisten zur Strecke gebrachten Roboter („Replikanten“), Lebensrechte? Dürfen Erschöpfer künstlicher Intelligenzen zur Rechenschaft gezogen werden, falls diese sich verselbstständigen und selbst Böses schaffen?

Der Schriftsteller Philip K. Dick gab seiner Kurzgeschichte, die die „Blade Runner“-Vorlage bildete, nicht umsonst den Titel: „Do Android Dreams Of Electric Sheep?“. Die Frage war, welche Verantwortung wir haben für Maschinen, die uns eigentlich nur dienen sollen.

„Blade Runner“ mag aus damaliger wie heutiger Sicht vielleicht etwas zu stilisiert sein, um sich ganz auf den Inhalt konzentrieren zu können; ausgerechnet die Hauptdarsteller Harrison Ford und Rutger Hauer treten zudem hölzern auf, Ford wie fehl am Platz. Beeindruckend sind heute aber immer noch das Set-Design (Lawrence G. Pauli) sowie der Soundtrack, für den Komponist Vangelis seine Töne aus dem Moog-Synthesizer mit Jazz, Strassengeräuschen und Weltmusik kreuzte. Regisseur Ridley Scott selbst jedoch war mit der Kinoversion unzufrieden – bis heute existieren fünf Schnittfassungen von „Blade Runner“, die sich vor allem darin unterscheiden, dass Polizist Deckard über verschiedene Wissensstände von sich und den Replikanten verfügt.  

Mittlerweile gilt „Blade Runner“ tatsächlich als der beste Science-Fiction-Film der letzten 30 Jahre. Aber was bringen einem schon diese zeitlichen Einordnungen. Das Schicksal, ein damals verkanntes Genre-Meisterwerk zu sein, teilt „Blade Runner“ jedenfalls mit einem anderen Film, der am selben Tag in die US-Kinos kam, am 25. Juni 1982: „The Thing“ von John Carpenter, der mit bahnbrechenden Effekten, allesamt mit Masken und Motoren betrieben, das Horrorgenre revolutionierte, aber damals kaum seine Kosten einspielte. Die Story eines ausserirdischen Gestaltwandlers, der den menschlichen Körper besetzt und ihn dann aufs Blutigste wieder verlässt, war den Kinogängern damals zu viel.

E.T. erwärmte ja zur gleichen Zeit die Herzen. 1982 war an der Kinokasse ein sehr, sehr schlechtes Jahr für Replikanten und Ausserirdische, die Böses im Schilde führen. 


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