Interview

Beatsteaks: Was macht eine gute Coverversion aus, Arnim Teutoburg-Weiß?

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Für die EP „In The Presence Of …“ haben die Beatsteaks sechs Stücke ihrer Lieblingssängerinnen gecovert: Maureen Tucker, Lesley Gore, Donita Sparks, Annette Humpe, Hildegard Knef und Beth Gibbons. Doch nachgespielt ist schnell, was sind die Kniffe, die es braucht für eine wirklich gute Coverversion? Arnim Teutoburg-Weiß verrät sie uns.

BILDUNGSAUFTRAG … schwingt immer mit

Faith No Mores „I’m Easy“ ist eines meiner liebsten Cover. Dass sich eine laute Rockband so selbstsicher etwas von Lionel Richie vornimmt, hat mich damals beeindruckt. Ich habe allerdings erst später gelernt, von wem der Song ist. Das ist mir oft passiert und mir gefällt es, wenn man auf diese Weise einen Zugang entdeckt zu Musik, an die man sich sonst vielleicht nicht rangetraut hätte: Ich habe The Smiths zum Beispiel damals durch ein „Bigmouth Strikes Again“-Cover der Hardcore-Band Slapshot für mich entdeckt. Wir hoffen natürlich auch, dass einige unserer Fans hier ein paar alte Heldinnen wieder- oder neu entdecken.“

SONGAUSWAHL … nicht zu offensichtlich

„Ich sah keinen Sinn darin, noch mal die Misfits oder The Clash zu covern. Für uns war die Grundidee wichtig, dass wir unsere Lieblingssängerinnen ehren wollten. Es darf aber nicht zu offensichtlich werden: Andere hätten bei Velvet Underground wohl „All Tomorrow’s Parties“ gecovert, wir lieben aber „After Hours“. Oder bei Ideal „Berlin“ – und wir eben „Monotonie“. Thomas, unser Drummer, würde zu der Auswahl wohl sagen: Das ist wieder alles etwas um die Ecke, aber eben typisch Beatsteaks.“

RESPEKT … nicht zu knapp

„Es geht mir bei einem Cover nicht darum, einen Song besser machen zu wollen. Ich will die Aura eines Liedes transportieren. Wir haben bei den Songs die Texte im Original belassen – ich singe also zum Beispiel bei Lesley Gores „You Don’t Own Me“ auch „Don’t say I can’t go with other boys“. Nur bei „Monotonie“ heißt es statt „Campari auf Tahiti“ einmal „Campari mit Haiyti“, weil wir das als Shoutout witzig fanden. Das mussten wir uns natürlich von Annette Humpe genehmigen lassen. Ihre Antwort war sehr, sehr toll. Erstens fand sie die Version super und zweitens kennt sie die Mutter von Haiyti. Da schloss sich dann so ein Kreis.“

MISCHEN … sich selbst nicht draußen lassen

„Man hört diesen Liedern an, dass wir sie spielen. Bei dem Velvet-Underground-Song ziehen wir zum Beispiel mal das Tempo an, wo das Original durchgehend Ballade bleibt. Bei „Shitlist“ von L7 wiederum war klar: Das ist im Original ein Gitarrenbrett, da müssen wir anders ran. Ich liebe Coverversionen, bei denen man die Aura des Originals spürt, man zugleich aber eine Band hört, die voll in ihrem Element ist.“

LIEBE ZUR MUSIK … eh klar

„Songs zu covern ist gerade am Anfang eines Bandlebens wichtig, um sich selbst und seinen Sound zu finden. Als wir noch unseren Proberaum in der Alten Schönhauser Straße 48/49 hatten, haben wir ganze Sommer damit verbracht, Lieder nachzuspielen. So teilt man als junge Band sein Fansein und seine Liebe zur Musik. Musik beschützt mich gerade noch viel mehr als jemals zuvor. Ein guter Vater und Ehemann zu sein und bei all dem da draußen nicht durchzudrehen – das ist gerade alles nicht so leicht. Da hilft es, in Musik zu flüchten, um Kraft zu tanken. Das funktioniert allein und als Band noch viel besser. Das haben wir alle gemerkt, als wir endlich wieder zusammen im Studio waren und diese Songs live eingespielt haben.“

Dieses Interview erschien erstmals im aktuellen Musikexpress mit großem Jahresrückblicksspecial – seit 10. Dezember 2020 am Kiosk sowie von Zuhause aus als E-Paper erhältlich.


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