Highlight: Ödland Berlin: Kampfgeschrei auf der Suche nach einem Proberaum

David Hasselhoff singt „Looking For Freedom“ auf der re:publica 2014

He’s still looking for freedom. Auch mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Ost- und West-Flamingoschlager-Auftritt auf der Berliner Mauer sucht David Hasselhoff in Deutschland immer noch nach Freiheit – für die Menschen, für ihren Alltag und für eine bessere Welt erst recht. Und nach Berlin kehrt er ohnehin immer wieder gerne zurück. Nachdem „The Hoff“ letztes Jahr zusammen mit Tausenden Protestanten für den Erhalt der East Side Gallery Parolen in den Berliner Himmel schrie, stattete der zumindest in Deutschland auch als Sänger bekannte Ex-„Baywatch“-Star am Dienstagnachmittag der re:publica 2014 einen Besuch ab.

Aufgerechnet auf Europas größter Konferenz für digitale Themen also ist David Hasselhoff nun auf der Suche nach neuen Anhängern. Was ein wenig wie ein Scherz, ein Promo-Gag wirkt, hat dann aber doch irgendwie Hand und Fuß. Hasselhoff ist zwar nur das Gesicht einer Kampagne für Digitale Freiheit und stammelt im schwarzen Anzug auf der Bühne dann auch nur Verlegenheitsfloskeln: „Digital freedom is worth fighting for.“ Er sei gekommen um den Menschen zu sagen: „You can make a difference.“ Das Publikum aus Tech-Nerds, Netzaktivisten und digitalen Auskennern weiß das natürlich längst. Gekommen sind dann aber doch viele der insgesamt 6000 Besucher. Hasselhoffs Slogans mögen zwar lächerlich anmuten, unterhaltsam sind sie trotzdem. Und für einen Spaß ist die Bloggerszene ja bekanntlich immer zu haben.

Die theoretischen Macher hinter dem Manifest, das Hasselhoff dann für eine Antivirenfirma anpreist, haben sich viel vorgenommen: Innerhalb der nächsten Wochen soll es als Crowdsourced Document vom Netzschwarm geschrieben werden – als Mahnung an die Mächtigen der Welt. Die Themen sind so kompliziert wie drängend: Massenüberwachung, digitaler Verfolgungswahn, Rede- und Zugangsfreiheit, solche Sachen. Hasselhoff weiß zu diesen Themen nicht allzu viel – „No, I don’t know what Creative Commons means“ – aber Freiheit, das ist einfach sein Thema. Denn jeder hat schließlich das Recht auf Privatsphäre, sagt er. „Natürlich habe ich, wie jeder, was zu verbergen“, grinst er hämisch. Und wenn The Hoff dann beim Nachdenken über K.I.T.T. spricht, sein hochtechnisiertes Auto aus der Achtziger-Jahre-Kultserie „Knight Rider“, und plötzlich bemerkt, „30 year ago … wow, 30 years. And I’m still alive“, dann ist das auch irgendwie rührend. 

Und ja, am Ende singt er dann doch noch. Eigentlich war es ihm verboten wurden vom Sponsor – das Anliegen sei „too serious“. Von den lautstarken Aufforderungen aus dem Publikum lässt er sich dann aber erweichen. Irgendwie lieben ihn die Berliner ja ebenso. Es ist eine Hassliebe, eine Faszination mit dem Trash-Freiheitskämpfer, aber „Looking For Freedom“ gröhlen alle mit. Und nach dem Spektakel geht es dann auch wieder ans Eingemachte, wenn Sascha Lobo und andere Internetberühmtheiten über die digitale Zukunft nach den Snowden-Enthüllungen nachsinnen.

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