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„Django Unchained“-Insiderwissen: Was Ihr über Django, Dr. King Schulz und Calvin Candie noch nicht wusstest

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Der Film „Django Unchained“ lieferte nicht allein durch die herausragende Handlung (Oscar fürs Drehbuch) und den überzeugenden Cast (Oscar als Bester Nebendarsteller für Christoph Waltz) einen rasanten Filmritt durch den Süden der USA und die Brutalität der Sklaverei. Auch in diesem Taranatino-Film lässt der Kultregisseur seine breiten Kenntnisse über Hollywood und B-Movies erkennen. Mit Kunstfertigkeit deutet er Bezüge zu anderen Western an oder zitiert seine eigenen Filme.

Hier geht es zum Trailer:

Natürlich versteht man Blockbuster auch ohne großen Wissensfundus über Streifen der Sechziger und spezifische Kenntnisse in Politik, Kunst oder Medizin. Ganz großes Kino wird es aber erst dann, wenn Tiefe sichtbar wird. Und hinter den Figuren aus „Django Unchained“ steckt mehr, als beim ersten Schauen auffallen mag. Mit neuem cineastischen Blick kann man sich dem Film derzeit übrigens auf Netflix oder Sky Go widmen.

  1. Django Freeman

Mit dem Namen „Django“ setzt Tarantino die Reihe an Filmen fort, die die Figur als eine Art Marke benutzen. Das Original stammt aus dem Spaghetti-Western „Django“ (1966) von Regisseur Sergio Corbucci. Dort wird Django von Franco Nero gespielt. Dieser hat einen kurzen Cameo-Auftritt in einem Salon, wo er neben dem neuen Django-Darsteller Jamie Foxx zu sehen ist. Auch hat sich Tarantino am Soundtrack des Klassikers bedient, den er als Titelsong nutzt. Übrigens stammt auch der Namenszusatz „Unchained“ aus einem Fantasy-Film italienischer Herkunft, nämlich namens „Hercules Unchained“ (1959).

Kostümdesignerin Sharen Davis („Ray“, „Dreamgirls“) hat sich dagegen von der Kunst inspirieren lassen: Die auffällige blaue Tracht die Django sich später aussucht, ist eine Anspielung auf ein Ölgemälde von Thomas Gainsborough aus dem 18. Jahrhundert namens „The Blue Boy“. Als Django Jody von „Big“ John Brock rettet, sieht sie ihren Retter in einem Spiegel. Darin nimmt er die gleiche Pose ein wie „The Blue Boy“.

  1. Dr. King Schultz

Auf die Frage der Herkunft dieses Namens gibt es zwar bisher keine eindeutige Antwort, dafür aber zwei interessante Theorien. Zum einen könnte es eine Anspielung auf den Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King sein, der für gleiche Bürgerrechte für Afroamerikaner*innen kämpfte. Zum anderen könnte es aber auch eine Andeutung auf den ersten Senator der USA sein, der in Deutschland geboren wurde: Sein Name lautete Carl Schurz. Er ging in die Politik, um gegen die Sklaverei anzugehen.

Zudem ist die deutsche Herkunft von Dr. King Schulz (Christoph Waltz) wahrscheinlich eine Hommage an Klaus Kinski, der internationalen Erfolg mit Italowestern feierte. So spielt der Schauspieler beispielsweise in „The Great Silence“ einen deutschen Kopfgeldjäger. Tarantino setzt aber noch einen drauf, indem er sich selbst zitiert. In „Kill Bill Vol. 2“ sieht man einen Grabstein mit der Inschrift „Paula Schultz, verstorben 1898“. Etwa eine Anspielung auf die verstorbene Ehefrau von Dr. King Schultz?

Die Tarnung als Zahnarzt, der die „Candyland“-Farm aufmischt, ist nicht nur ein kleiner Witz, sondern spielt auch auf einen Western an. In der Komödie „Sein Engel mit den zwei Pistolen“ (1948) von Norman Z. McLeod geht es ebenfalls um einen Zahnarzt, der sein Unwesen im Wilden Westen getrieben hat.

  1. Calvin Candie

Der reiche Plantagenbesitzer aus Mississippi ist nicht nur Rassist, sondern glaubt seine Ideologie auch noch wissenschaftlich belegen zu können, indem er seinen Gästen Dr. Schultz und Django die Unterschiede zwischen Schädeln von Weißen und Schwarzen verdeutlichen will. Die Idee zur Szene kommt jedoch nicht von Tarantino selbst. Schauspieler Leonardo DiCaprio gab ihm den Hinweis, als er die Rolle vorbereitete. DiCaprio soll dem Regisseur sogar ein Buch über „Phrenologie“ gegeben haben, mit dem Tarantino dem Candyland-Besitzer schließlich weitere charakterliche Feinschliffe zukommen ließ.

Übrigens: während besagter Schädel-Rede zerschlägt Calvin Candy in seiner Wut ein Glas mit bloßer Hand. Was aussieht wie einstudiert, war eigentlich Zufall. Schauspielkollege Christoph Waltz hat verraten: „Wir drehten diese Szene immer wieder, weil seine [Anm. Red: DiCaprios] Stimme immer wieder versagte, beim gefühlt hundertsten Mal schlug er dann direkt in ein Shotglas.“

„Django Unchained“ mit Jamie Foxx und Christoph Waltz läuft auf Netflix, Sky Ticket Cinema und Sky Go. Der Film ist ab 16 Jahren freigegeben und dauert 165 Minuten.

Sony Pictures Home Entertainment
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