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Interview

Felix Kummer und Trettmann geben Chemnitz nicht auf – wir haben sie in ihrer Heimatstadt getroffen

Nach dem Mord an Daniel H. ruft Stefan Richter alias Trettmann nach längerer Zeit wieder Jan Kummer an. Trettmann wohnt in Leipzig. Er will wissen, was los ist in der alten Heimat. Im Chemnitz der Neunziger war Kummer sein Nachbar. Damals als Till und Felix Kummer noch lange nicht Kraftklub waren, sondern sieben und acht Jahre alt, einfach nur Jan Kummers Söhne. Als Trettmann ihn am Handy erreicht, ist der auf einer Demo, die Polizei in Unterbesetzung und eine Stadt im Ausnahmezustand.

Ein Jahr später ist für die Menschen in Chemnitz wieder Normalität eingekehrt. Normalität, das heißt balancieren auf dem Grat zwischen es ist gut, dass über die rechtsradikalen Strukturen, die seit Jahrzehnten in der Stadt etabliert sind, öffentlich geredet wird, und dem unangenehmen Gefühl, dass die Welt Chemnitz hinsichtlich dieser Rechten verzerrt wahrnimmt. „Denn guck’ dich um, hier ist nicht Mordor! Hier sind nicht nur Orks, die sich gegenseitig umbringen“, sagt Felix Kummer, der Kraftklub-Sänger, der sich jetzt, als Rap-Solist, nur noch Kummer nennt, und Trettmann nickt.

Normalität in Chemnitz ist auch Leerstand. Neun Prozent der Wohnungen sind unbewohnt. Viele unbewohnbar. Einem Pessimisten wird die Innenstadt seltsam verlassen vorkommen, ein Optimist überall Möglichkeiten sehen. Trettmann und Kummer sitzen auf Plastikstühlen zwischen dem Waschbeton einer alten Kneipe. Felix Kummer hat diesen Raum mit Schaufenster zur Straße geputzt und mit Strahlern erhellt. Auf Plastikkisten stehen Plattenregale und darin auf ganzer Breite nur ein Album: KIOX. Sein Solodebüt. Benannt nach dem Nachwende-Plattenladen seines Vaters. In dem in den frühen Neunzigern wiederum Trettmann hinterm Tresen stand.

Erst wollte Kummer sein Album gar nicht haptisch vertreiben. CDs: Plastikschrott. Er lässt sich dann doch umstimmen. Na gut, dann CDs und Vinylplatten, aber nur für die, die sie wirklich wollen, über das Internet, und ein Wochenende lang in dieser Kulisse eines Ladens in Chemnitz.

Noch sind die Nivea-blauen Plattenhüllen in den Regalen leer. Und die Plattenteller, die zur Fensterfront hin stehen, drehen sich ohne Lautsprecher. Felix Kummer deutet auf die Ohrabdrücke an den Ladenfenstern. Sie gehören seinen Fans, sie wollten hören, was es noch nicht zu hören gibt. Sie kleben Zettel an die Tür: „Leider haben wir dich nicht getroffen.“

Wann haben sich Trettmann und Kummer das erste Mal getroffen?

„Wahrscheinlich war das erste Mal tatsächlich im ,Kiox‘“, sagt Trettmann. „Da kam Felix mit seinem Bruder hereinspaziert. Er war im Grundschulalter, ich so 22, 23 Jahre alt.“ Und nun sitzen sie hier zusammen, zwei HipHop-Musiker aus zwei Generationen. Mit den Freunden des Vaters rumhängen, ist das nicht merkwürdig? Trettmann ist entrüstet: „Also ich bin ja wohl noch mal eine Generation unter seinem Vater!“ Und Kummer sagt: „Ich fand’ ihn damals ziemlich abgefahren. So ein erwachsener Mensch, der singend durch den Plattenladen läuft, also mein Vater hat das nicht gemacht. Deswegen fand ich das cool. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich bei meinem Vater war – meine Eltern lebten getrennt – und wir hoch konnten in die WG von Tretti und seinen Mitbewohnern.“

Trettmann und Kummer auf dem Dach des Plattenladens KIOX. Dort arbeitete nicht nur Kummers Vater, sondern auch der jüngere Trettmann
Trettmann und Kummer auf dem Dach des Plattenladens KIOX. Dort arbeitete nicht nur Kummers Vater, sondern auch der jüngere Trettmann

Trettmann hat den beiden kleinen Kummers damals Platten vorgespielt. Reggae, Dancehall, das neue Album von Brandy – er hatte so einiges, was aus dem Laden in seinen Besitz überging. Kummers Vater kam vom Punk und Rock. Trettmann ließ er den HipHop bestellen.

TRETTMANN: Es war der Job, den ich die längste Zeit meines Lebens gemacht habe. Und dann bin doch rausgeflogen.

KUMMER: Mein Vater hat dich gekündigt?

TRETTMANN: Nein, sein Kollege. Seine Geduld war am Ende, weil ich immer zu spät gekommen bin. Ich musste um 10 Uhr im Laden sein, bin abends aber immer ausgegangen. Ich hab’ das nicht gepackt. Bin dann sogar in das Vorderhaus vom ,Kiox‘ gezogen, um den Arbeitsweg zu verkürzen. Aber ich bin weiter zu spät gekommen. Also war irgendwann Schluss.

Trettmann wächst im Wohngebiet Fritz Heckert auf, in der Platte bei seiner Mutter. Kummer nach der Wende im Jugendstil-Viertel Kaßberg. Seine Eltern hatten selber eine Band, die Avantgarde-Elektro-Pop- Gruppe AG Geige. Bis sie sich trennen, beruflich wie privat. Trettmann und Kummer sind beide über die Platten ihrer Mütter zur Musik gekommen. Bei Stefan liefen Beatles und Stevie Wonder, bei Felix Portishead.

Ronny Trettmann war mal „Sachsens neuer Reggae-Star“

Nach der Wende verlässt Trettmanns Mutter Chemnitz. Felix Kummers Eltern sind geblieben, engagieren sich in der Stadt, und ihre Söhne haben mit Kraftklub die „Wir sind mehr“-Konzerte in der Folge der rechten Ausschreitungen im Sommer 2018 organisiert. „Tatsächlich haben wir einfach nur alle angerufen, die wir kannten. Unser Konzertveranstalter und der Veranstalter der Hosen haben das dann innerhalb von drei Tagen auf die Beine gestellt“, sagt Kummer.

Seine Eltern sind ihm offensichtlich wichtige Bezugspunkte geblieben, er ist ihrem Vorbild gefolgt. Gab es nie den Versuch der Abgrenzung, vielleicht gerade über die Musik? „Ja, mit Rap! Die Sekte. Mit Sachen wie Sidos ,Arschficksong‘ …“ Trettmann lacht: „Wie haben deine Eltern darauf reagiert?“ „Die hätten mir nie verboten, irgendwelche Musik zu hören, sie fanden es einfach nur scheiße. Und deswegen war die Sekte für mich eine Offenbarung. Ein Fenster in eine große, gefährliche Welt.“

Trettmann ist im vergangenen Jahr selbst Vater geworden. Auf seinem neuen Album TRETTMANN sprechsingt er in „Margarete“: „Von allem nur das Beste. Du hast es verdient. Bin nicht mein Dad, hast was Besseres verdient.“ „Ich will meinen Vater damit nicht dissen“, sagt Trettmann: „Aber er war eben nie da. Das will ich anders machen.“

Die äußeren Umstände sind heute ohnehin ganz andere: „Ich bin in der DDR aufgewachsen. Ohne Existenzangst. Ja, ohne überhaupt einen Sinn für Geld. Ich finde es aber gut, dass ich diese zwei Systeme erlebt habe. Weil ich eben weiß, dass es auch anders geht: Man kann Leute sozial auffangen. Man kann dafür sorgen, dass niemand hungern muss, dass Kinderkrippe, Kindergarten, dass das alles safe ist. Ich hatte lange Zeiten in meinem Leben, in denen nichts safe war.“

Nach der Wende reist Trettmann nach Jamaika. Kommt wieder, jobbt, legt auf, erfindet Ronny Trettmann. Den sächsischen „Dreadman“. 2006 singt er: „Der Sommer ist für alle da!“

Er meint es nicht so ernst. Zehn Jahre später bildet sich in seinem Umfeld das Produzententeam KitschKrieg. Sie nehmen EPs auf. Sie meinen es ernst und sein drittes Album #DIY (2017) wird ernsthaft erfolgreich. Platz 17 in den Charts, noch bessere Platzierungen in Kritiker-Bestenlisten. Der Durchbruch im Rap mit 43.

Kummer ist 22 Jahre alt, als er mit seiner Band Kraftklub sechsstellig Alben verkauft. Hat er sich je nicht sicher gefühlt?

KUMMER: Mir fehlt natürlich der erlebte Vergleich zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Aber sicherlich lässt sich das System, in dem wir heute leben, hinterfragen.

TRETTMANN: Ja. Ist das alles, was wir zustande bringen?

„Nach den Ausschreitungen 2018 wurde so getan, als hätte irgendwer in einer Fabrik unter dem Karl-Marx-Kopf Neonazis zusammengebaut.“

KUMMER: Ich kann die, die in der DDR aufgewachsen sind und unzufrieden sind, schon verstehen. Die Frage ist halt nur, warum man sich dann unbedingt dem Faschismus zuwendet …

Auf KIOX vergleicht Kummer das Chemnitz von 2018 mit einem Schiff, das dem Untergang geweiht ist: „Rostbraune Flecken an den Wänden unter Deck. Irgendwann wird ein Loch zu einem Leck. Jetzt schaut euch diese Bauern an, schaut wie sie ersaufen. Für uns gibt es keine Rettungsringe, Boote oder Westen, aber konstruktive Diskussionen von schlauen Talkshowgästen.“

Kommt er damit nicht fast den Beschwerden ostdeutscher AfD-Wähler nahe, wenn sie rufen: „Bevor ihr die Geflüchteten integriert, integriert doch erst mal uns!“? Kummer schüttelt den Kopf. „Dieses ,Wir im Osten sind Bürger zweiter Klasse‘ habe ich nie verstanden. Das ist mir alles zu viel Gefühl, zu wenig Fakten. Fahrt doch mal in den Ruhrpott: Da ist alles komplett zerfickt! Das Schiff mit den braunen Rostflecken ist eine Metapher, die ich schon lange im Kopf hatte. Nach den Ausschreitungen 2018 wurde so getan, als hätte irgendwer in einer Fabrik unter dem Karl-Marx-Kopf frische Neonazis zusammengebaut. Dabei waren die schon immer hier. Der braune Rost wurde nur immer mit Lack überstrichen und geleugnet. Und wenn man was gesagt hat, hieß es: ,Ey, kannste mal aufhören, hier alles schlechtzureden?‘“

„Zu sagen, dass es ungeil ist, Ausländer durch die Straßen zu jagen, ist doch nicht links! Das ist Grundgesetz, oder?“

Trettmann stimmt zu: „Immer wurde nur die Gefahr von links heraufbeschworen.“ Der CDU-Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer, bezeichnete sogar Kraftklub als linksextreme Band. „Dabei sind die Sachen, für die wir eingetreten sind, nicht einmal großartig links. Zu sagen, dass es ungeil ist, Ausländer durch die Straßen zu jagen, ist doch nicht links! Das ist Grundgesetz, oder?“

In der Vorabsingle „9010“ zu seinem Album rappte Kummer: „Born to be Opfer. Zeit zu kapier’n, dass da wo wir leben, Leute wie wir eben einfach kassieren.“ 16 Jahre liegen zwischen Kummer und Trettmann. Und trotzdem haben sie als Jugendliche gleiche Erfahrungen gemacht. Beide wurden von Rechtsradikalen verprügelt.

KUMMER: Aber nicht als Linke. Das ist denen egal. Für die gab es nur rechtsradikal und alles andere.
TRETTMANN: „Gruftis, HipHopper, Skateboarder, Punks. Alle haben aufs Maul verdient.“

KUMMER: Man hat das Gefühl, die sind gegen alles, was Spaß macht.
TRETTMANN: Es reichten schon Blicke, oder zu Michael Jackson in der Disco zu tanzen.

In „Grauer Beton“ von 2017 rappte Trettmann: „Seelenfänger schleichen um den Block und machen Geschäft mit der Hoffnung. Fast hinter jeder Tür lauert ’n Abgrund. Nur damit du weißt, wo ich herkomm.‘“ Zu DDR-Zeiten war die Platte, in der er aufwuchs, sicher und modern. Zentralheizung. Toilette in der Wohnung statt auf dem Gang. Schule direkt vor dem Haus. Geändert habe sich alles mit der Wende. Die Leute wurden arbeitslos, die Platte sozialer Brennpunkt. „Überall waren grüne B-Jacken und im Hauseingang zwei Faschos.“ Das Rechtssein, glaubt Trettmann, hatte sich schon vor der Wende legitimiert: „Im Fahrwasser der Deutschland-Fahnen und ,Helmut! Helmut!‘-Rufe.“

Chemnitz zu verlassen, sagt Trettmann, gehörte für ihn zum Teil seiner Menschwerdung. Kummer wohnt hier noch immer. Er sagt, man dürfe nicht einfach gehen, weil man dann die zurücklässt, die nicht weggehen können. „Aber manchmal komme ich mir auch scheinheilig vor. Denn natürlich bin ich oft gar nicht hier. Ich toure, bin unterwegs in anderen Städten. Und ich kann jeden verstehen, der geht. Ich finde es nur sehr selbstgerecht, Menschen vorzuwerfen, dass sie bleiben. Denn überhaupt die Wahl zu haben, ist Luxus.“

Als Trettmann Chemnitz zum ersten Mal verlässt, ist es 1995. Er sagt: „Ich hatte hier alles getan, was man tun konnte. Jeden Fehler begangen. Ich bin lange Zeit immer nur gereist. Dann musste ich ganz weg. Um mich zu entwickeln. Berlin konnte ich mir zwar damals gar nicht leisten. Aber ich wollte es versuchen. Es war unbeschwerter als Chemnitz. Es war Partys. Auflegen. Leben.“

16 Jahre später singt Kummer mit Kraftklub: „Ich will nicht nach Berlin!“ Es ist ihr Durchbruch. Ein Dagegen-weil-dagegen-Song. Kraftklub können das gut. Indie-Disco finden sie auch scheiße, weil sie es scheiße finden, und klingen dabei aber genau danach: nach Indie-Disco.

Nun macht Kummer Rap und der Track „Nicht die Musik“ ist Rap-Kritik. „Aus positiven Feelings konnte ich noch nie Songs machen. Aber alles, und vor allem in der Kunst, hat man ja auch eine gewisse Ambivalenz: Wenn man dagegen ist, ist man nie nur dagegen. Mein ganzes Leben und jeder meiner Songs besteht aus Widersprüchen.“

So will er sein Bleiben in Chemnitz auch nicht als Lokalpatriotismus verstanden wissen. „Ich habe mir nie groß Gedanken gemacht, was ich bin. Aber wenn ich meine Identität mit einem Ort belegen muss, dann würde ich wahrscheinlich am ehesten sagen: Ich bin Chemnitzer. Allein schon, weil es mir gefällt, dass ich niemanden kenne, der kein gebrochenes Verhältnis zu dieser Stadt hat. Es ist ein kollektiver, tief verankerter Minderwertigkeitskomplex. Und es ist Trotz, zu sagen: Ja, ich wohn’ halt hier – und bin trotzdem cooler als du.“

Als Trettmann sein eigenes Label gründet, nennt er es trotz allem: Heckert Empire. Nach dem Plattenbau-Gebiet seiner Kindheit. Und als Trettmann und Kummer 2016 zusammen einen Rap-Track aufnehmen, nennt Kummer sich Carsten Chemnitz. Weil man das im HipHop so macht, und weil die Frage der Herkunft für jeden wichtig ist: „Niemand existiert im luftleeren Raum“, sagt Kummer: „Wo wir geboren, wo und wie wir aufgewachsen sind, das sind doch Riesenthemen.“ Dass Trettmann viel über seine Herkunft singt, läge aber auch an seiner Musik, sagt der: „Die Musik gibt die Geschichten vor.“ Und er sähe sich da tatsächlich in der Tradition des R’n’B und Blues.

„Ich mach Rap wieder weich“

Trettmann und Kummer stehen für weichen Rap: Mehr Tochter als Bitches. „Stolpersteine“ statt „Körper definierter als die von Auschwitz-Insassen“. Depression statt Erfolg. Konsumkritik statt Konsum. „Eigentlich ist unser Rap aber doch der härteste“, sagt Trettmann: „Denn es gehört doch mehr dazu, sich nackt zu machen, als so ein Bling-Bling- oder Gangster-Ding zu fahren. Das ist alles Pretending, keine wahren Emotionen“, sagt Trettmann, und lacht, aber ernst meint er es schon. Kummer auch: „Ich will mich auch ein Stück weit abgrenzen von den Sachen im Rap, die ich whack finde. Obwohl das auch nicht allein was mit Rap zu tun hat. Der bildet ja auch nur gesellschaftlich geprägte Geschlechterbilder ab: Der Mann muss hart sein, erfolgreich. Das finde ich alles ein bisschen …“ „Unzeitgemäß“, ergänzt Trettmann.

Im Video zu „Nicht die Musik“ lässt sich Kummer vom Computer die Muskeln aufblasen. Er mache keinen Rap über Businessmoves, rappt er. Und dass er „Rap wieder traurig machen“ will. Trettmann hingegen kommt an der Seite vom Gangster-Typen Gzuz in „Du weißt“ auf folgende Zeilen: „Mit dem Team ein paar Millionen umsetzen. (…) Noch ein Feature, schon wieder ’ne Goldplatte. Und fahr’ vor’n Hof in einem brandneuen Jeep.“ Steht das nicht im glatten Widerspruch zu Kummer? „Da wären wir wieder bei der Ambivalenz“, sagt er. Und Trettmann sagt: „Wenn man plötzlich Geld macht und rappt: ,Krass meine Taschen sind voller Geld!‘, finde ich das nicht verwerflich. Das ist eine Feststellung, keine Prahlerei.“

Kennen sich, seit Felix Kummer ein Kind ist: Kummer und Trettmann
Kennen sich, seit Felix Kummer ein Kind ist: Kummer und Trettmann

Kummer wird in diesem Jahr 30. Auf KIOX klingen Ängste durch. Vor Spießigkeit. Erwachsensein. Den Refrain von „Den Rest meines Lebens“ lässt er sich von Max Raabe singen, den mag seine Mutter. „Ich bin gespannt auf alles, was kommt. Aber trotzdem habe ich so einen Traurigkeits-Kick bekommen, bei dem Gedanken, dass meine Zwanziger jetzt bald vorbei sind. Denn es waren ausgesprochen lustige Zwanziger.“ Und Trettmann sagt: „Mit 30 ging das bei mir los: ,Scheiße, wo geht es eigentlich hin mit mir?‘ Mit 33 habe ich das Trettmann-Ding zu kicken begonnen, und das wurde der bestbezahlte Job, den ich je hatte. Ich habe für jedes Soundsystem in Deutschland gesungen und damit mehr Geld verdient als mit Stageshows oder irgendwelchen Verkäufen. Ich hatte mein Business, mein Ding. Ohne Ausbildung, ohne Studium. Ich wollte immer zuerst glücklich sein. Also lieber arm, als etwas zu machen, das mir nicht gefallen hat.“

Wenn er Schwierigkeiten hatte, seine Miete zu zahlen, sagt er, habe er die Platten aus der Zeit des „Kiox“-Ladens verkauft. Ungefähr 50 besitzt er noch. Nur die Besten. Stevie Wonder zum Beispiel.

Peter Kaaden Musikexpress
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