God morgon, Spotify! Ein Kommentar

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Und plötzlich waren alle heiß: bei Twitter, Facebook, in der Blogosphäre. Alle begrüßten den schwedischen Musikservice, auf den viele seit Langem gewartet haben. Seit dem 13. März kann Spotify auch in Deutschland benutzt werden.

Wer ab sofort die Spotify-Webseite von einem Rechner in Deutschland besucht, wird nicht mehr mit einer Nachricht wie „Spotify ist in deinem Land noch nicht verfügbar“ vertröstet, sondern kann sich kostenlos die Anwendung runterladen – zumindest für Mac OS X und Windows, Linux-Benutzer können Spotify zwar auch installieren, müssen aber über einen kostenpflichtigen „Premium“ oder „Unlimited“-Account verfügen, da „wir noch keine zuverlässige Methode gefunden haben, Werbung einzublenden“, heißt es auf der Webseite.

Die Installation auf meinem Mac war gewohnt einfach, doch nach dem Starten der Anwendung folgt die erste Überraschung: Im Anmelde-Dialog prangt das blaue Facebook-Logo und Spotify bitte mich, mich mit meinem Facebook-Accout anzumelden. Ohne ein Profil in dem sozialen Netzwerk kann Spotify nicht benutzt werden. Einen offensichtlichen Grund für dieses Vorgehen konnte ich bisher nicht entdecken. Zwar können aus der Spotify-App gehörte Songs mit (Facebook)-Freunden geteilt werden und es gibt eine Art Echtzeit-Ticker, der anzeigt, welche Freunde in diesem Moment welche Songs hören. Für Freunde der Privatsphäre könnte der FB-Zwang aber ein Grund sein, auf Spotify zu verzichten.

Nach der ersten Anmeldung erscheint ein aufgeräumtes Interface, das an andere Anwendungen wie Simfy erinnert: links eine Menuleiste, rechts die Freunde, in der Mitte aktuelle Neuheiten und Vorschläge, die dem eigenen Geschmack entsprechen sollen. Ein kleiner Hinweis unter der Suchmaske bitte mich, „nach jedem beliebigen Künstler oder Titel“ zu suchen, z.B. „Michael Kiwanuka“ oder „Noel Gallagher“. Feines Spotify, du kennst meinen Geschmack. Aber warum? Und hier folgt die nächste Überraschung: Beim Starten durchstöbert Spotify meine Festplatte nach Musiktiteln, ungefragt und ohne die Möglichkeit, es zu verhindern. Sämtliche Titel meiner iTunes-Bibliothek erscheinen unter einem kleinen Menupunkt „iTunes“ – praktisch, sicherlich. Aber auch hier fühle ich mich in meiner Entscheidungsfreiheit, welche Infos ich im Gegenzug für die Benutzung von Spotify mit den Entwicklern teilen möchte, übergangen.

In Sachen musikalischer Reichhaltigkeit soll Spotify konkurrenzlos sein. Laut Webseite umfasst der Musikkatalog „Millionen und Abermillionen von Titeln und Alben“. Täglich sollen 10.000 hinzukommen. Unter den empfohlenen Alben auf der Startseite finden sich aktuelle Veröffentlichungen großer Namen wie Lana Del Rey, Lindenberg, Springsteen. Darunter Alben von mir unbekannten Künstlern wie Blutonium Boy, Gente De Zona oder Spacewolf. Das Angebot scheint reichhaltig, auf den ersten Blick. „Dank unserer guten Beziehungen zu Plattenfirmen, Verlagen und Verwertungsgesellschaften können wir so viele Musiktitel verfügbar machen“, schreiben die Verantwortlichen auf der Webseite. In der Tat gibt es Verträge mit den großen Majors (Universal, Sony, EMI, Warner) und einer Vielzahl von Indie-Labels.

Gefundene Alben:
The Stone Roses – The Stone Roses
The Beach Boys – Pet Sounds
Soap&Skin – Narrow
Charlotte Gainsbourg – Stage Whisper
The Fugges – The Score (als Playlist)
Kula Shaker – K
Abba – Waterloo
The Clash – London Calling
The Tindersticks – The Something Rain
Radiohead – The Bends

Eine Tiefenrecherche zeigt aber auch Lücken im Katalog. Ein von einem Kollegen sehr gern verwendete Suchbegriff, um nach Schwachstellen im Angebot zu suchen: Hüsker Dü. Und tatsächlich bietet Spotify zwar die drei letzten Alben „Candy Apple Grey“, „Warehouse“ und „The Living End“ an, nicht aber die Alben davor. Ein wahrscheinlicher Grund: Nur die gefunden Alben gehören zum Katalog von Warner.

Nicht gefundene Alben:
Shearwater – Animal Joy
First Aid Kid – The Lion’s Roar
Slade – The Amazing Kamikaze Syndrome
Pink Floyd- The Piper at the Gates of Dawn
Fettes Brot – Demotape
Frank Zappa – Zappa in New York
José González – Veneer
Modeselektor – Monkeytown
Die Ärzte – Jazz ist anders
Tom Waits – Bad As Me

Auch Smartphone-Besitzer (iOS oder Android) können sich eine kostenlose App laden und Spotify nutzen. Allerdings können dann nur eigene Titel zwischen Rechner und Telefon synchronisiert werden. Wer das volle Angebot auch unterwegs nutzen will – Songs steamen oder Playlists offline hören – muss sich als Premium-Nutzer registrieren – für 9,99 Euro pro Monat. Das Benutzen der Desktop-Anwendung bleibt dank Werbung kostenlos, zumindest vorerst. In einem Interview mit De:bug sagte der Vorstand für internationales Wachstum bei Spotify, Axel Bringéus, dass es in sechs Monaten zu Einschränkungen kommen könnte. Wie die aussehen sollen, verriet er nicht.


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