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Jan Joswig kontrolliert: Chuckamuck in der Stilkritik

von
Die Jungs von Chuckamuck werden...

Heinz Rühmann versucht es im Film „Die Feuerzangenbowle“ zurückzuholen, die Pet Shop Boys besingen es wehmütig in „Being Boring“, Boris Vian überzeichnet es in seinen surrealen Popromanen: das Privileg der Jugend, jung zu sein. Unbekümmert und siegesgewiss einen drauf zu machen.

Am Beginn der Jugendkultur stand kein Dresscode, keine schwarze Lederjacke oder hochgekrempelte Jeans, am Beginn stand ein Undresscode: Die Jugend zeigte sich bei der FKK-Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts in all ihrer nackten Pracht. Das Überzeugende und Entwaffnende an dieser paradiesischen Selbstüberschätzung: Man kann sie nicht simulieren. Wer aus dem Reich der Jugend verstoßen ist, dem hat sich die Pforte auf alle Zeiten verschlossen.

Der Vorsprung der Jugend resultiert aus ihrer fehlenden Erfahrung: grün hinter den Ohren, aber große Klappe. Von nichts eine Ahnung, aber in alles kopfüber rein. So souverän wie am Anfang der Lebenskurve steht man der Welt nie wieder gegenüber. Kein Wunder, dass alle Ausgestoßenen auf den Jugend-Abenteuerspielplatz zurück wollen. Die Modeindustrie gaukelt ihnen vor, sich durch die Hintertür reinschleichen zu können. Kauft einfach die Klamotten, die die Jugend trägt, und ihr seid wieder jugendlich. Die Einflüsterung funktioniert so gut wie in Andersens „Des Kaisers neue Kleider“.

Die vier übermütigen Schrammel-Boys von Chuckamuck schlagen uns in ihrer echten Jugendlichkeit – mit all ihrem Huckleberry-Finn-Charme – unsere falsche Jugendlichkeit um die Ohren. Sie streifen sich irgendwelche Plünnen über die Wuschelköpfe und ziehen mit ihrem „Kinder-Country“ raus in die Welt. Sie wählen ihre Klamotten mit einer Nachlässigkeit aus, die signalisiert: Uns gehört die Welt, egal was wir tragen, denn hinter unserengrünen Ohren sind wir „wild for Adventure“. Das einzige Trostpflaster für die Älteren: Spätestens zum dritten Album droht auch Chuckamuck der Austritt aus dem Jugend-Paradies. Und dann wollen wir doch mal sehen, ob ihnen das Rotzlöffelgrinsen nicht im Halse stecken bleibt.

Diese Kolumne ist in der März-Ausgabe 2014 des Musikexpress erschienen.



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