Nora Tschirners große Gesten: das Konzert von Prag in Berlin

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Prag“ machen es spannend: Vor Beginn der Show im ausverkauften „Babylon“ wird zunächst ein Making-of-Video auf die Bühne projiziert. Die Band Prag, bestehend aus Erik Lautenschläger, Nora Tschirner und Tom Krimi, ist für die Aufnahmen des Debütalbums „Premiere“ tatsächlich in Prag gewesen, wo man sich ein ganzes Orchester geleistet hat. Dabei ist es doch gar nicht mehr so billig da.

Über ihre Musik sagen Prag, man habe „große Gesten“ machen wollen, „prächtig“ sollte es werden, das Album. Und das ist tatsächlich streckenweise recht gut gelungen. Angefangen mit dem gut bestückten Live-Ensemble, den satten Trommelwirbeln, den majestätischen Klavierakkorden, den Geigern, dem Cellisten bis zu der einsamen, weichen Trompete – da kommt schon was zusammen. Der Stil der Band lässt sich – allein aufgrund der Retro-Verliebtheit ihrer Mitglieder – nicht recht zusammenfassen: Ein Stück gemahnt an deutschen Schlager, beim Nächsten fühlt man sich eher an Get Well Soon erinnert, hier Chanson, da Morricone – es fehlt ein wenig die Linie.

Macht aber nichts, denn für sich genommen sind die Stücke tatsächlich ausgesprochen prächtig, und die Truppe ist mit mehr Humor bei der Sache, als die Waldorfschüler-Phrasen der drei Musiker zunächst vermuten ließen: Von einem „mühevollem Herauslösen aus einem Marmorblock“, von dem die Musiker im Making-Of-Video erzählen, kann im Hinblick auf die Songs gar keine Rede sein. Wenn Einkaufserlebnisse, „Sophie Marceau“ (so hieß ihr erster veröffentlichter Song) oder die „Schicht im Schacht“ besungen werden – wenn Nora Tschirner fast die Gitarre, die sie etwas ungelenk hält, aus der Hand fällt, und sie das Publikum zum Schunkeln aufruft, fällt auf, wie charmant und humorvoll das Ganze eigentlich ist.

Bei aller Liebe zum Detail sind es genau diese Selbstironie und die Leichtigkeit, die die eigentliche Stärke der Band ausmachen. Und deswegen passt Nora Tschirner, selbst wenn sie zwischen ihrem Equipment zeitweise etwas verloren wirkt, mit ihrer schnodderigen, lausbubenhaften Art auch so wunderbar dazu.

Das Album „Premiere“ erscheint am 25. Januar.


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