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„Pinterest für Videos“ – tape.tv kauft Bewertungs-App Amen

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Nach dem Quasi-Hirntod des Musikfernsehens mit MTVs Abgang ins Pay-TV, entstand in der deutschen Musiklandschaft eine Lücke. Diese wurde bereitwillig vom Internetsender tape.tv gefüllt, der es mit einem einfachen – lange vergessenen ­– Konzept zum Erfolg brachte: Musikvideos statt Reality-Shows. Nun will tape.tv sich vergrößern und übernimmt ein Start-Up, um gemeinsam an der Zukunft des Musikfernsehens zu arbeiten.

Wie bekannt wurde, haben die Betreiber von tape.tv eine Kaufvereinbarung für das Start-Up Amen unterzeichnet. Damit werden die Amen-Gründer Felix Petersen und Florian Weber sowie rund zehn Mitarbeiter künftig für tape.tv arbeiten. Mit dem Kauf von Amen will tape.tv-Gründer Conrad Fritzsch gemeinsam mit den neuen Kollegen schon wieder nicht weniger als das Musik-TV im Internet revolutionieren.

Die Idee: Ein „Social Music Television“, oder anders gesagt, „ein Pinterest für Musikvideos“ beziehungsweise „Mixtapes 2.0“ – so erklärt es Felix Petersen in einem Interview mit der Wirschaftswoche. Die User sollen aktiv an der Gestaltung beteiligt werden, Listen erstellen, Videos empfehlen, darüber diskutieren. Ein nächster Schritt wäre die Erweiterung des Angebots für mobile Geräte wie Smartphone und Tablet. Mit Vodafone sei schon ein wichtiger Partner an Bord. Die Entwickler von Amen sollen hier mit ihrer Erfahrung helfen.

Amen gehörte einst zu den gehyptesten Start-Ups der Berliner Gründerszene, die App Amen (und der Nachfolger Thanks) waren beliebte Spielzeuge der Berliner Hipster-Szene: Am Smartphone konnte über die beste Brezel oder den gemütlichsten Park der Stadt abgestimmt werden. Eine Idee, die es bis nach Hollywood schaffte und unter anderem Superstar Ashton Kutcher 2011 dazu brachte, mit anderen Beteiligten insgesamt rund drei Millionen Dollar in das Unternehmen zu investieren. Doch der Hype verflog, es folgte der Spott, und Amen wird als gescheitertes Experiment zu den Akten gelegt. 

Nun verfolgen Amen-Gründer Felix Petersen und tape.tv neue Ziele: „tape.tv könnte das neue MTV werden“, sagte Petersen dem Internet-Portal TechCrunch. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.


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